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10 Januar, 2014 - 10:52
 

Hilfe – mein Kind guckt Pornos!

Der Alptraum aller Eltern: Ein Teenager, der dabei erwischt wird, wie er auf Pornoseiten surft, in Pornoheften liest oder sich gar ganze Pornofilme allein oder mit Freunden anschaut. Jetzt ist guter Rat teuer, viele Eltern wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen.

© Angela Parszyk - Fotolia.com

Die einen behaupten, es wäre gar nicht bewiesen, dass sich Pornographie auf Jugendliche negativ auswirkt, von anderen Seiten herrscht Panik und unsere heutigen Teenager werden bereits als „Generation Porno“ bezeichnet. Fakt ist, dass mit dem Internet der Sex viel früher Einzug in die Kinderzimmer hält als es noch vor zehn Jahren der Fall war.

 


Pornographie gehört zum Alltag

 Eine erschreckende Vorstellung, aber in einigen sozialen Schichten klar belegt: Für viele Kinder gehört Sex und Pornographie bereits sehr früh zum Alltag dazu. Im Zeitalter des Internets sind sexuelle und pornographische Bilder und Filme so leicht erhältlich wie nie zu vor: Tippen Sie einfach das Wort Porno in die Suchmaschine ein und Sie gelangen zu einer Unzahl an Seiten, auf denen jede Form von Sex zu sehen sind. Was Sie können, kann Ihr Kind schon längst und so ist es nicht verwunderlich, dass die sexuelle Neugier Jugendliche ins Internet und auf die einschlägigen Seiten treibt. Die gute Nachricht für alle Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen: Unsere Teens kennen sehr wohl den Unterschied zwischen der seelenlosen Sexdarstellung im Film und auf Bildern und dem wirklichen Leben mit seinen emotionalen Bindungen – zumindest dann, wenn sie diese Bindungen im Alltag erleben. Kinder, die in einer intakten Familie aufwachsen, in denen Liebe und Zuwendung herrscht, betrachten Pornos eher mit einem distanzierten Interesse. Diese Art des Umgangs miteinander hat für sie nichts mit dem persönlichen Leben zu tun.

Ganz anders sieht dies allerdings in den sozial benachteiligten Schichten aus. Kinder aus verwahrlosten Familienverhältnissen, die vielleicht schon von klein an mit Pornographie konfrontiert wurden, haben ein ganz anderes Verhältnis zu dem Sex aus dem Netz. Sie kennen es nicht anders, für sie gibt es echte Parallelen zu dem emotionalen Level in ihrem wirklichen Leben. Wen wundert es da also, dass sie das, was sie in Pornos sehen, einfach nachmachen. Die Grenzen verwischen, Film und Realität sind sich in ihrer Acht- und Lieblosigkeit so ähnlich, dass Kinder und auch Jugendliche beides nicht mehr klar trennen können und die Erwachsenen ebenso wenig.


Sexting – neuer Trend unter Teens

 Sexting ist ein Trend unter Jugendlichen, der in den USA besonders beliebt ist, natürlicherweise aber auch nach Deutschland überschwappt. Es handelt sich dabei um den Versand von erotischen oder pornographischen Bildern oder Texten übers Handy. Für die Jugendlichen, die Sexting praktizieren, ist das Ganze nur ein Flirt auf High-Tech-Niveau. Das Problem dabei ist, dass ein Nacktfoto per MMS jeder Zeit an alle erdenklichen Empfänger weitergesendet werden kann und damit machen sich Jugendliche sogar strafbar. Denn lt. Strafgesetzbuch fällt das Verbreiten von erotischen Bildern von Minderjährigen unter den Strafbestand der Kinderpornographie.


Erst gucken, dann machen

 So sieht heute für viele Jugendliche die sexuelle Entwicklung aus. Früher war Sex ein langsames Herantasten, ein vorsichtiges Lernen aus den ersten sexuellen Erfahrungen. Die Jugendlichen fanden schrittweise und im eigenen Tempo zur Sexualität. Heute ist das anders. Die Kinder sehen Sex zwischen Erwachsenen – in der Regel handelt es sich beim Sex in Pornos um weltfremde Bilder, die wenig mit der Realität zu tun haben. Durch dieses „theoretische“ Wissen wird eine Erwartungshaltung aufgebaut, eigene Bedürfnisse und Gefühle werden nicht mehr richtig wahrgenommen, da die Kids schon das fertige Bild vor Augen haben. Diese Haltung kann zu gefährlichen sexuellen Aktionen führen, vor allem dann, wenn die Teenager gefährliche oder strafbare Handlungen nachspielen, die sie in Pornos oder auf Bildern gesehen haben.


Das können Eltern tun

 Wenn Sie Ihren pubertierenden Sohn oder Ihre Tochter beim Porno gucken erwischen, ist auf jeden Fall ein Gespräch angesagt. Allerdings sollten Sie sich über eines im Klaren sein: Sexuelles Interesse ist in diesem Alter völlig normal, das Medium Internet erleichtert den Zugriff zu Informationen und vermittelt gleichzeitig oft ein verzerrtes Bild der Realität.

Wenn Sie mit Ihrem Kind sprechen, dann bitte nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern am besten von Mann zu Mann – oder von Frau zu Frau. Denn Sie können ohnehin nicht verhindern, dass Ihr Teenager Zugang zur Pornographie erhält: Die Kinderschutzprogramme sind kinderleicht zu umgehen und wenn nicht zuhause, dann guckt Ihr Kind die Pornos eben bei Freunden. Sprechen Sie über Gefühle und darüber, dass die sexuelle Beziehung zwischen Menschen nicht von bloßer Technik und harten Praktiken, sondern in erster Linie von Gefühlen wie Zuneigung, Respekt und eben auch Begehren geprägt ist. Die meisten Kinder sind erleichtert, wenn sie das hören, vor allem dann, wenn sie noch überhaupt keine eigenen sexuellen Erfahrungen gemacht haben und nur das Bild kennen, dass die Pornographie vermittelt.


Was ist Realität – was Fiktion?

 Das müssen Kinder ganz klar unterscheiden lernen, schon einmal, damit das Rollenbild der Frau, das in den meisten herkömmlichen Pornos vermittelt wird, nicht zum ideologischen Selbstverständnis wird. Diesen Unterschied lernen Kinder aber eben nicht dadurch, dass Eltern ihnen dies sagen und sie lernen es auch nicht durch Verbote. Was für die Pornographie gilt, gilt übrigens genauso für die beliebten Ballerspiele und Ego-Shooter. Der größte der Teil der Teens, die diese Spiele spielen wissen, dass es nur Fiktion ist – aber eben nicht alle. Wie bringt man seinem Kind aber nun bei, dass das, was sie im Film sehen, nicht die echte Welt ist und auch nicht die Form von Sexualität, die in einer Liebesbeziehung praktiziert wird?

 Eigentlich ist das ganz einfach: Behandeln Sie Ihr Kind liebevoll und mit Zuwendung und lassen Sie es in einer achtungsvollen Atmosphäre aufwachsen. Leben Sie in Ihrer Partnerbeziehung vor, wie Mann und Frau liebevoll und respektvoll miteinander umgehen. Kinder, die in solch einem Umfeld aufgewachsen sind, werden keine Probleme haben, zu unterscheiden zwischen der Fiktion der Pornographie und der Realität einer Liebesbeziehung.

 



Zum Weiterlesen:

www.welt.de/gesundheit/psychologie/article8263381/Schon-Kinder-werden-durch-harte-Pornografie-gepraegt.html

www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,622901,00.html

www.heise.de/newsticker/meldung/Wissenschaftler-Schaedliche-Wirkung-von-Porno-auf-Jugendliche-ist-Fiktion-959704.html

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Redaktion1 Vaterfreuden.de
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