Skip to main content

Suche

9 Februar, 2016 - 23:09
 

Die magische Phase – Kinder im Reich der Fantasie

Wenn ein teilweise ausgeprägtes Realitätswissen mit eigenen Vorstellungen und phantastischen Überlegungen ausgefüllt wird, scheint nichts unmöglich – Bei Kindern spricht man hier von der magischen Phase, einer Zeit, in der Elfen und Geister genauso möglich scheinen wie die Möglichkeit zu fliegen und als Superheld die Welt zu retten.

© Pavel Losevsky - Fotolia.com

Das Denken in magisch-phantastischen Dimensionen ist nichts Ungewöhnliches für Kinder, sondern ein altersbedingter Prozess der Entwicklung. Durch die Ergänzung von gesichertem Wissen mit eigenen Fantasievorstellungen versucht das Kind Ordnung und Struktur in sein Leben und seine Umwelt zu bringen. Diese Phase wird in der Regel im dritten bis fünften Lebensjahr durchlebt. Je jünger das Kind, desto ausgeprägter ist das phantastische Denken ohne Grenzen.


Logik jenseits der Grenzen

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, weiß es nichts. Dies bewirkt zweierlei: Zum einen ist alles neu und unbekannt, teilweise auch angsterregend. Zum anderen gibt es keine Einschränkungen – die Regeln der Chemie oder Physik sind dem Kind gänzlich unbekannt. In den ersten Lebensjahren lernt es die Welt in ihren groben Grundzügen kennen: Es erprobt immer wieder die Schwerkraft, indem es Dinge tausendmal auf den Boden wirft und testet gleichzeitig, wie verlässlich Eltern reagieren und ob sie den Gegenstand wirklich immer wieder aufheben und dem Kind zurückgeben.

Etwa mit zwei bis drei Jahren hat ein Kind einen bestimmten Erfahrungsschatz. Es weiß, dass der Herd heiß sein kann und Wasser nass, dass es nicht einfach aus dem Haus gehen darf und dass Eltern ärgerlich werden, wenn es deren Anweisungen nicht befolgt. Essen macht satt und wenn man trinkt, dann ist der Durst gelöscht. Neben diesen gesicherten Erkenntnissen, die das Kind durch eigene Erfahrungen erlangt hat, gibt es unerforschte Räume, über die das Kind nachwievor nichts oder fast nichts weiß. Vor allem ist ihm noch nicht wirklich klar, dass es einen Unterschied zwischen seinen eigenen Gedanken und Vorstellungen und der Realität gibt. Die Schlussfolgerung daraus ist: Alles, was das Kind sich vorstellt, kann auch Wirklichkeit werden. Folgt man diesen Überlegungen, dann wundert es kaum mehr, dass sich viele Kinder nachts vor dem Monster unter dem Bett fürchten und sich durch bloße Versicherungen der Eltern, dass da nichts wäre, kaum beruhigen lassen. Jeder Alptraum ist so wirklich wie alles andere und auch die Fantasiefreunde, von denen manche Kinder einige Jahre begleitet werden, sind echt und real.

Als Folge dieser Denk- und Fühlweise interpretiert das Kind Dinge auf seine ganz eigene Art und Weise und stellt auch entsprechende Fragen:

  • Wo macht Gott eigentlich Pippi?
  • Rutsche ich mit durch den Abfluss, wenn das Badewasser wegläuft?

Kinder glauben an den Weihnachtsmann, den Osterhasen und auch die böse Hexe Babajaga, die nachts die unartigen Kinder holt, ist in ihrer Gedankenwelt real.


Sorgen der Eltern

Als Eltern sorgt man sich irgendwann über die überbordende Fantasie des Sprößlings und macht sich Gedanken, ob das eigene Kind in einer Traumwelt lebt, aus der es vielleicht nie mehr aufwacht. Diese Sorgen sind allerdings unbegründet. Die magische Phase ist ein Teil der kindlichen Entwicklung und ein Zeichen für Intelligenz, denn das Kind hat eine rege und lebhafte Vorstellungswelt und versucht, die Dinge um sich herum zu verstehen.

Auch dann, wenn Sie erleben, dass Ihr Kind selbst erlebtes magisch ausschmückt, brauchen Sie sich nicht zu sorgen, dass es zum Geschichtenerzähler oder gar zum Lügner wird. Die Interpretation des Geschehens erfolgt immer nach dem aktuellen Entwicklungsstand und dem momentanen Wissen – da sind Kinder nicht anders als Erwachsene. Also ist es nur folgerichtig, dass ein Kind in dieser Phase auch für uns Erwachsene fantastisch anmutende Schlussfolgerungen zieht. So ordnet es das Erlebte in seinen persönlichen Erfahrungsschatz ein.

Erwachsene sollten das magische Denken ihres Kindes ernst nehmen und als Entwicklungsstufe respektieren. Genießen Sie doch einfach diese wunderbare Freiheit der Gedanken, solange sie währt, denn schon ab dem fünften Lebensjahr gewinnt die Vernunft die Oberhand. Ihr Kind kommt gänzlich in unserer Realität an und Magie wird bald nur noch etwas sein, was es im Märchen gibt.

 

 

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de