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26 November, 2013 - 11:33
 

Bindungsphobiker: Nichts wie weg von der Partnerin!

Es gibt Menschen, die können sich binden. Andere können es nicht. Punkt. So oder so ähnlich wurde bisher die Tatsache interpretiert, dass sich manche Menschen mit Beziehungen schwertun. Das sei eben nichts für sie. Insbesondere Männer, die Angst vor Beziehungen haben, werden oft nicht weiter hinterfragt und tun dies auch selbst meist nicht. Doch Bindungsangst hat Ursachen.

© Rafael Ben-Ari - Fotolia.com

„Es liegt nicht an Dir. Es liegt an mir.“

Wenn eine Frau diesen Satz hört, weiß sie erstens, dass sie sich ab jetzt mit ihrem Ex-Freund unterhält. Und zweitens, dass dieses Sprüchlein (fast) immer herhalten muss, wenn ein Mann eine Beziehung beendet. Doch so einfach ist die Sache nicht.

 

Ist die Liebe dahin?

Frank liebt seine Frau. Das dachte sie zumindest lange Zeit. Aber nach und nach stellte Jasmin diese Liebe immer wieder und immer stärker in Frage. Der Mann, der sie einst auf Händen tragen und ihr die Sterne vom Himmel holen wollte, ist heute nicht mehr da. Er geht auf Distanz, emotional wie auch körperlich, will keinen Sex mehr, nicht einmal küssen will Frank seine ehemals Angebetete. Völlig zu recht fragt sich Jasmin daher, ob Frank sie überhaupt noch liebt. Frank ist ein Bindungsphobiker - und das bedeutet, dass die Antwort auf diese Frage nicht so einfach ist.

 

Die Kindheit ist schuld!

Dass ein Mensch ist, wie er ist, wird nicht selten mit einer schwierigen Kindheit begründet. Kritiker dieser Herangehensweise winken müde ab, wenn das Thema zur Sprache kommt, doch im Falle von Bindungsangst liegen die Gründe wohl tatsächlich in der Kindheit. Männer mit Bindungsphobie haben bzw. hatten in aller Regel mit ihrer Mutter Probleme. Oft wurden sie als Kinder vernachlässigt, aber auch Verhätschelung kann zu Schwierigkeiten in späteren Beziehungen führen. So oder so, die Folge ist im Falle von Bindungsangst die Furcht davor, erneut von einer Frau enttäuscht oder verlassen zu werden. Auch das Gefühl des Eingeengtseins kann die Konsequenz früherer Kindheitserfahrungen sein.

 

Symptome ohne Erklärung

Wie soll man etwas unternehmen gegen ein Problem, das man gar nicht als solches erkennt? Wenn wir erkältet sind, haben wir Husten und Schnupfen und können die Symptome der Krankheit zuordnen. Bei Bindungsphobie sieht die Sache anders aus. Betroffene Männer spüren zwar eine diffuse Angst und das Gefühl, eingeengt zu werden, können dies aber nicht einordnen. Die Reaktionen sind oft Flucht und Vermeidung. Wie stark die Symptome zum Ausdruck kommen, ist sehr unterschiedlich, doch allen Betroffenen ist gemein, dass sie zu einer intimen und engen Liebesbeziehung nicht in der Lage sind. Doch selbst all jene, die stark unter ihrer Bindungsangst leiden, gehen nur in den seltensten Fällen zu einem Therapeuten oder suchen sich auf andere Art Hilfe. Sie empfinden sich selbst nicht als gestört und sehen daher keine Notwendigkeit, sich auf psychologischer Ebene mit der Thematik zu beschäftigen.

 

Die Wunsch nach Nähe im Kampf mit der Angst vor Nähe

Bindungsphobiker stecken in einem schmerzhaften Dilemma. Denn eigentlich wünschen sich sich nichts so sehr wie Nähe. Wenn sie sie dann aber bekommen, treten sie die Flucht an. Die vermeintliche Lösung sind nicht selten One-Night-Stands oder Fernbeziehungen. Doch die führen natürlich auch nicht zum Glück, da ja im Grunde das Bedürfnis nach Nähe vorhanden ist, die Fähigkeit diese zuzulassen, jedoch nicht ausreicht.

 

Ausweglos?

Es scheint, als gebe es aus dem Teufelskreis kein Entrinnen. Der Bindungsphobiker sucht Nähe und wenn er sie bekommt, entsteht so große Angst, dass er wieder auf Distanz gehen muss. Dennoch: Hoffnungslos ist die Lage keineswegs. Mindestens zwei Faktoren spielen bei einem erfolgreichen Umgang mit der Bindungsangst eine Rolle:

Loslassen
Frauen, die mit Bindungsphobikern zusammen sind, haben ein schweres Los. Da sie sich der Liebe des Partners nicht sicher sein können, neigen sie dazu, ihn zu idealisieren und ihm „hinterher zu laufen“. Oder aber sie stellen sich selbst in Frage und zweifeln daran, in der Beziehung alles richtig gemacht zu haben. Beides führt beim Phobiker zum Wunsch nach Distanz.
Das Beste ist tatsächlich, den Bindungsphobiker innerlich loszulassen. Es ist ein schwieriger und harter Prozess, aber vielleicht die einzige Möglichkeit, die Beziehung retten und aufrecht erhalten zu können.

Zulassen
Ganz anders als die Frau muss der Bindungsphobiker selbst nicht etwa loslassen (das macht er bewusst oder unbewusst ja oft genug), er muss sich vielmehr eingestehen, dass er ein Problem hat. Das ist der erste Schritt zu einer dauerhaften Beziehung. Durch das Einlassen auf das Thema und die eigenen Ängste kann der Bindungsphobiker lernen, Gefühle angemessen zu äußern, Grenzen zu setzen und zuzulassen und Vertrauen zur Partnerin aufzubauen.

Selbst wenn beide – also Bindungsphobiker und Partnerin – alles richtig machen, so gibt es doch keine Garantie dafür, dass der Phobiker nicht doch irgendwann die „Zelte abbricht“ und sich aus der Beziehung verabschiedet. Bindungsängste dieser Ausprägung sind in letzter Konsequenz nicht völlig in den Griff zu bekommen. Doch das ist noch lange kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, wenn beide mitarbeiten, stehen die Chancen für eine harmonische Beziehung gut.

Und wenn man es genau betrachtet, kann jede Beziehung irgendwann scheitern. Auch völlig ohne Bindungsphobie. Frank und Jasmin jedenfalls sind inzwischen auf einem guten Weg.   
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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