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20 Dezember, 2013 - 11:21
 

Eifersucht zwischen Eltern um die Zuneigung des Kindes

Eifersucht unter Geschwistern? Kennt jeder. Eifersucht unter Großeltern? Hat auch jeder eine Geschichte parat. Aber Eifersucht unter den Eltern, wer das bessere Verhältnis zum Kind hat? Das ist einigen nicht so geläufig, aber keine Seltenheit mehr.

© JackF - Fotolia.com

Seitdem die Rollenverhältnisse nicht mehr so deutlich aufgeteilt sind, gibt es immer öfter die Fälle von Neid und Missgunst des einen Elternteils auf das andere. Und warum? Weil der andere einen vermeintlich besseren Zugang zum gemeinsamen Kind hat.

 

Vater und Kind

Früher war es irgendwie einfacher und unkomplizierter: Papa war den ganzen Tag bei der Arbeit und gab sich damit zufrieden die Rolle des „Wochenendvaters“ und Ernährers einzunehmen. Die Rolle der Versteherin und Zuhörerin war der Mutter zugedacht. Zwischen Vater und Kind gab es kein richtiges „Verhältnis“. Er war der Vater - das war Verhältnis genug.

Ob Papa jetzt genau wusste, wann die Tochter ihren ersten Kuss bekam oder wann sein Sohn Probleme mit dem Typen aus der Parallelklasse hatte, war ihm eher einerlei. Für die alltäglichen Angelegenheiten war Mama zuständig. Eine Art von Missgunst auf dieses Vertrauensverhältnis zwischen Mutter und Kind kannte der Mann nicht. Und Mutti war im Gegenzug auch nicht eifersüchtig, wenn ihr Gatte sonntags mit dem Sohnemann auf den Fußballplatz ging.

 

Im Wandel der Zeit

Doch irgendwann änderte sich diese eingespielte Rollenmaschinerie. Emanzipation, geteilte Elternzeit, Entdeckung des neuen Vaterverständnisses und so weiter. Den Männern wurde mit der Zeit auch immer bewusster, was sie an ihrem demonstrativen Desinteresse an der Innenseite des Kindes in Wirklichkeit versäumen. Die Elternrollen wurden insgesamt immer durchlässiger und damit war auch die Rolle der Väter weniger festgelegt.

Noch vor 40 Jahren liefen Kinder wie „nebenher“. Um eine Geburt wurde kein großes Aufsehen gemacht. Heute wird das Kinderhaben und Elternsein ganz anders zelebriert. Egal ob die Wahl des Kinderwagens oder die wöchentliche Krabbelgruppe, ob die Theateraufführung des Steppkes oder die Eins in Mathe – alles wird gefeiert und thematisiert. Und natürlich spielen da auch die Eltern im Verständnis der Kinder inzwischen eine andere Rolle.

 

Man(n) will mehr

Welcher Vater heute nicht weiß, welche Farbschattierungen der Windelinhalt seines Babys hat oder welcher DSDS-Kandidat gerade in der Gunst der Tochter ganz oben steht, der erntet so manchen diskreditierenden Blick in der Öffentlichkeit: „Was? Das weißt du nicht?“ Und so werden gerade Väter regelrecht in die Bringschuld eines guten Verhältnisses zum Kind getrieben. Denn tatsächlich: Wenn Väter erst beginnen einen engeren Kontakt aufzubauen, wenn ihr Kind bereits selbst ein Elternteil wird, ist es oftmals zu spät.

Kein Wunder also, dass der „moderne“ Mann um die Gunst der Kinderzuneigung zu buhlen beginnt. Das fängt an mit Männer-Kind-Gruppen und geht dahin, dass Väter auf jedem Elternsprechtag in der Schule dabei sein wollen. Denn Wissen über das eigene Kind ist auch irgendwie Macht. Und die bewirkt zumindest, dass man in Diskussionen mit oder über das Kind nicht mehr außen vorsteht. Dass Väter das oftmals engere Beziehungsgeflecht zwischen Mutter und Kind eifersüchtig beäugen ist normal.

Aber auch Mütter lernen aufgrund dieses neuen Vaterprofils Gefühle wie Neid oder Missgunst neu kennen. Fühlt sich die Kleine bei Papa plötzlich wohler? Warum erzählt sie ihm eher, was ihr auf dem Herzen liegt? Und wieso macht es dem Sohn nichts aus, wenn Papa mit seinen Freunden quatscht, während er bei mir deswegen jedes Mal einen Schreikrampf bekommt?

 

Eifersucht tut selten gut

Eifersucht hat immer etwas mit Selbstzweifeln zu tun. Und wenn diese in Bezug auf das Kind, beziehungsweise auf das Verhältnis zum Kind aufkommen, sollte der eifersüchtige Part auf jeden Fall sehr genau hinsehen und nachspüren, warum ihn diese Gefühle plagen. Wichtig ist, diese aufkommenden Emotionen mit seinem Partner zu besprechen. Oft lassen sich diese neidischen Anwandlungen schnell aus der Welt schaffen, wenn man weiß, dass es dem anderen nie um einen Wettstreit um die Gunst des Kindes geht. Entscheidend ist ebenfalls, dass man in solchen Fällen die Kinder nicht mit einbezieht. Viel zu oft geben diese sich nämlich selbst die Schuld für die „schlechten“ Gefühle zwischen Mutter und Vater. Daraufhin werden sie versuchen es beiden so weit wie möglich und stets recht zu machen, was immer zu krampfhaften Verhältnissen führen wird.

Es wird immer Zeiten geben, da wird sich das Kind mehr zu Mama oder mal mehr zu Papa hingezogen fühlen. Wenn Sport hoch im Kurs steht, wird wahrscheinlich der Kontakt zum Vater enger sein. Wenn die „Gilmore Girls“ als x-te Wiederholung im TV laufen, verfestigt sich wieder das Verhältnis zwischen Tochter und Mutter. Also: Am besten entspannen! Vertrauen Sie Ihrem Kind. Das weiß am allerbesten, wem es was wann anvertraut. Und wenn es mal nicht Sie sind, die die volle Gunst abbekommt, ist das auch halb so wild. Das nächste Drama im Leben eines Teenies wartet bestimmt schon hinter der nächsten Ecke!
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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