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17 Februar, 2012 - 11:39
 

Gemeinsame Kinder – Ein Grund fürs Zusammenbleiben?

Manchmal geht in einer Beziehung die Liebe verloren. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Sind Kinder vorhanden, stellen sich viele Paare die Frage, ob sie auch ohne Liebe zueinander zusammenleben und eine Familie sein können. Meistens geht das schief und bringt viel Leid für Erwachsene wie Kinder – doch manchmal klappt es auch.

© Udo Kroener - Fotolia.com

Die vielen Horrorgeschichten aus dem Bekanntenkreis und aus den Medien, die von den schweren psychischen Schäden berichten, die ein Kind bei einer Scheidung erleidet, bringen viele Eltern zu der Überlegung: Ist es besser, um jeden Preis zusammenzubleiben als eine Familie auseinanderzureißen? Die klare Antwort darauf ist nein. Denn Kinder haben sehr feine Antennen und spüren, wenn zwischen Mutter und Vater etwas nicht stimmt. Natürlich ist die beste Umgebung, in der Kinder aufwachsen können, eine glückliche Partnerschaft der Eltern. Aber besser als ein ständiger Kampf zwischen den Partnern ist wohl ein getrenntes Elternpaar, bei dem jeder Elternteil für sich zufrieden ist und beide noch immer gut miteinander auskommen.


Trennen oder Zusammenbleiben?

Wenn es in einer Ehe oder in einer Beziehung nicht mehr klappt, dann stellt sich diese Frage irgendwann zwangsläufig. Denn niemand will unglücklich sein. Vor allem wollen Eltern aber auch nicht, dass ihre Kinder unglücklich werden. Daraus ergibt sich ein echtes Dilemma, denn es scheint auf jeden Fall einen Verlierer zu geben. Es entsteht schnell das Gefühl, sich entweder für das eigene oder das Glück des Kindes entscheiden zu müssen. Dabei berücksichtigen die Eltern allerdings oft nicht, dass Kinder nur dann wirklich glücklich sein können, wenn es die Eltern auch sind – am besten natürlich zusammen, aber auch jeder einzelne für sich. Und genau aus diesem Grund kann die Idee, eine Partnerschaft nur der Kinder wegen aufrecht zu erhalten, nicht funktionieren.

Grundsätzlich sollte die Entscheidung, ob man sich trennt oder nicht, nicht in Abhängigkeit von den Kindern getroffen werden. Beide Partner können hier nur nach ihrem ganz eigenen Gefühl gehen. Wenn Liebe und Freundschaft sich aus der Paarbeziehung verabschiedet haben und kein Weg mehr dorthin zurückführt, dann ist eine Trennung meist der einzige Weg, damit alle Beteiligten irgendwann wieder glücklich sein können.


Folgen für die Kinder

Wenn Eltern nur deshalb ein Paar bleiben, um den Kindern eine heile Familie zu bieten, hat das Folgen. Das Zusammenleben ist meist voller Konflikte oder die Partner leben mehr oder weniger gleichgültig nebeneinander her. Beide Formen haben auf die psychische Entwicklung des Kindes schädliche Auswirkungen und bieten ein schlechtes Modell für eigene spätere Partnerschaften. Wer unglücklich ist, kann auch sein Kind nicht glücklich machen. Oft wird die Trennung nach hinten hinausgeschoben, weil sich Eltern vormachen, ihr Kind würde sie besser verkraften, wenn es etwas älter wäre. Dies ist ein Trugschluss, da eine Scheidung in jedem Alter schmerzhaft ist.

Darüber hinaus spüren Kinder sehr gut, ob die Gefühle ihrer Eltern authentisch sind, oder ob ihnen etwas vorgemacht wird. Wenn nun die Eltern nach außen hin und vor dem Kind eine „heile“ Familie demonstrieren, in Wirklichkeit aber unglücklich über ihr Leben sind, hat das bei Kindern folgenden Effekt: Innere und äußere Wahrheit stimmten nicht überein. Das Kind fühlt, dass etwas nicht in Ordnung ist, hört aber immer wieder von den Eltern das Gegenteil. Das hat zur Folge, dass es seinen eigenen emotionalen Wahrnehmungen nicht vertrauen kann und schlimmstenfalls das Gefühl für sich selbst und seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse verliert.

Dazu kommt, dass Kinder viele Ereignisse aus ihrer Umgebung auf sich selbst beziehen. Kinder könnten denken, dass sie etwas falsch gemacht haben und damit Schuld am Unglück der Eltern sind. Fatalerweise wäre letzteres ja auch der Fall, wenn die Eltern nur wegen des Kindes zusammenblieben.


So könnte es funktionieren

Der Wunsch, den Kindern eine komplette Familie zu bieten, ist verständlich und bringt Eltern manchmal dazu, über sich selbst hinauszuwachsen. Wenn sich die Liebe bei beiden Partnern gleichermaßen verabschiedet, aber eine tiefe Freundschaft bleibt, dann kann es mit viel Einsatzbereitschaft und Geduld möglich sein, zusammenzuleben und den Kindern Eltern zu sein. Allerdings kann dies nur funktionieren, wenn die Paarbeziehung aufgelöst wird. Es bleibt ein Zusammenleben als Freunde, eine Art Wohngemeinschaft, in der jedes Elternteil sein eigenes Zimmer hat und auch ein eigenes Leben führt. Nur wenige Paare schaffen es, diese Form von Elternschaft zu praktizieren. Der Grund dafür ist oft, dass es schon zu viele Verletzungen gegeben hat, bis die Entscheidung fällt, sich zu trennen.


Grundsätzlich sind Kinder besser dran, wenn sich Eltern trennen als wenn sie unglücklich zusammenbleiben. Im Falle einer Trennung muss das Hauptaugenmerk auf dem Wohl des Kindes liegen. Dann stehen die Chancen gut, dass die Auflösung der Familie, wie das Kind sie kannte, keine riesigen psychischen Probleme für das Kind und den späteren Erwachsenen aufwirft.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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