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2 Oktober, 2013 - 09:21
 

Paartherapie - warum, wann und was kann sie bringen?

„Paartherapie? Brauchen wir nicht!“ So reagieren viele Paare, wenn sie den Vorschlag hören, eine Paartherapie zu machen. Eine Therapie zu machen, das hat etwas fast Anrüchiges, man gesteht sich und seiner Umwelt ein, etwas nicht zu schaffen. Doch oft kann professionelle Hilfe dazu führen, massive Probleme in den Griff zu bekommen.

© closeupimages - Fotolia.com

Januar 2013:

Andreas und Julia sind inzwischen seit 8 Jahren zusammen. Sie galten bei ihren Freunden, Bekannten und Verwandten immer als Traumpaar. Und so sahen sie sich selbst auch. Im Laufe ihrer Beziehung haben sie zwei Kinder bekommen – Finn und Paul -, ihr Leben ist in geregelten Bahnen und gut organisiert. Doch genau das wurde Schritt für Schritt immer mehr zu einem Problem. Jeder Tag ist bestimmt durch die Anforderungen der Jobs des Paares, durch schulische Verpflichtungen, Leistungsdruck, Termine und finanzielle Belastungen, die Andreas schwer zu schaffen machten, seit er zu einer Zeitarbeitsfirma wechseln musste. Die vierköpfige Familie muss nun mit knapp 20 Prozent weniger Gehalt auskommen. All das nagt an der Beziehung des ehemaligen „Traumpaares“. Sie sprechen kaum noch miteinander, und wenn, streiten sie häufig. Finn und Paul, inzwischen vier und sechs Jahre alt, spüren das. Und leiden ebenfalls. Als ein befreundetes Paar Julia und Andreas eine Paartherapie vorschlägt, wiegeln die ab. Doch nach vielen Gesprächen lassen sie sich doch überzeugen und suchen einen Therapeuten auf.

 

Hilfe von außen

Während der persönliche Therapeut in den USA als selbstverständlich und normal empfunden wird, ticken wir Deutschen anders. Therapien, das können Alkoholiker machen, vergewaltigte Frauen oder Menschen, die als Kinder geschlagen oder vernachlässigt wurden. Erwachsene Menschen, noch dazu solche, die in einer Beziehung leben und die Verantwortung für Job und Kinder haben, geben sich diese „Blöße“ meist nicht. Doch diese Annahme ist unsinnig und kann ernsthafte Beziehungsprobleme zur Folge haben, die bis zum Bruch der Liebesbeziehung führen können. Eine Paartherapie kann aus der Sackgasse führen. Doch wie weit muss es eigentlich kommen, um den Gang zum Therapeuten unumgänglich zu machen? Welche Anzeichen gibt es und wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Paartherapie erreicht?

 

Eindeutige Zeichen

Beziehungskrisen entstehen nicht von heute auf morgen. Sie deuten sich an, entwickeln sich langsam und schleichend und zeigen sich dann scheinbar plötzlich in ihrer Gänze. Wenn eine Krise erkannt wird, ist meist das „Kind schon in den Brunnen gefallen“. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Hilfe mehr geben würde. Wer schon die ersten Anzeichen einer Beziehungskrise erkennt, hat bessere Chancen, damit umzugehen und wieder heraus zu kommen. Diese Anzeichen können sein:

 

  • Rückzug: Während früher vieles zusammen unternommen und auch Wert auf Gemeinsamkeiten ohne die Kinder gelegt wurde, um einen Ausgleich zum Alltag zu schaffen, nimmt dies nach und nach ab. Stattdessen koppeln sich die Partner ab (oder auch nur einer), jeder macht seines. Auch Absprachen funktionieren nicht mehr, Unzuverlässigkeit hält Einzug. Die Folge: Streit und Stress.
  • Fehlende Wertschätzung: War der/die geliebte Partner/in in der Anfangsphase der tollste Mensch überhaupt, hat sich das ins Gegenteil verkehrt. Inzwischen ist seine/ihre Meinung nicht mehr wichtig, mehr noch, sie erscheint lächerlich. Die Folge sind negative Äußerungen in Abwesenheit und das Ignorieren oder Belächeln von Wünschen und Bedürfnissen.
  • Erpressung: Früher war die bedingungslose Liebe eine Selbstverständlichkeit. Heute wird sie eingefordert, dass es bis zur Erpressung reicht. Verhält sich der/die Partner/in nicht so, wie das gewünscht ist, steht die Beziehung auf dem Spiel. Das wird sogar offen so kommuniziert.

 

Der Paartherapeut ist kein Allheilmittel

Ein Therapeut kann helfen, eine Beziehung zu analysieren und ganz konkret wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch man sollte seine Rolle nicht überbewerten. Die Sitzungen beim Therapeuten machen nur einen kleinen Anteil innerhalb der Beziehung aus, die meiste Zeit ist er naturgemäß nicht dabei. Trotzdem kann er helfen, Fragen zu beantworten bzw. den Fokus auf bestimmte Themen zu richten.

 

  • Wie sehen die Wünsche innerhalb der Beziehung aus?
  • Spricht man über Ängste, Wut, Ärger oder werden diese Themen „totgeschwiegen?
  • Welche Erwartungen haben beide Partner an die Beziehung?
  • Auf welchen Gebieten kommt es zu ungewollten Missverständnissen?

Eine Paartherapie bietet gute Chancen, festgefahrene Probleme zu erkennen und entsprechend zu handeln. Funktionieren kann das jedoch nur, wenn auch wirklich beide Partner bereit sind, sich darauf einzulassen. Stellt sich ein Part quer, macht die Therapie keinen Sinn.

Im Übrigen: Durch eine Paartherapie können viele Konflikte, Probleme, Ängste und Missverständnisse aufgedeckt und ausgeräumt werden. Immer funktioniert das aber nicht, manchmal sind Beziehungen einfach nicht zu retten. Ist das der Fall, ist es besser, einen Schlussstrich zu ziehen. Das ist besser für beide Partner. Und meist auch für die Kinder, wenn es in der Beziehung welche gibt.

 

Was machen eigentlich Julia und Andreas?

September 2013:

Julia und Andreas machen mit ihren beiden Söhnen gerade einen Kurzurlaub in Norditalien. In einem Ferienhaus mit Selbstverpflegung, um Geld zu sparen. Sie haben ihre Beziehung wieder in den Griff bekommen. Dass alles so traumhaft schön ist, wie es früher einmal war, kann man zwar nicht behaupten, nach wie vor gibt es einige „Baustellen“, an denen das Paar gemeinsam mit ihrem Paartherapeuten arbeiten muss. Aber sie sind auf einem guten Weg und haben sich wieder einander angenähert. Die wichtigste Erkenntnis, die sie nach einigen Wochen beim Therapeuten gewonnen haben, ist eine, auf deren Grundlage die Beiden weiter machen wollen und können: Sie lieben sich nach wie vor. Nicht genauso wie am ersten Tag, sondern auf eine andere Art und Weise. Aber sie lieben sich, so viel ist sicher. 
   
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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