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17 April, 2017 - 20:31
 

Spielsucht in der Partnerschaft - das große Problem

Spielsucht wird durch die Unfähigkeit des Betroffenen gekennzeichnet, dem Impuls zum Glücksspiel oder Wetten zu widerstehen. Aufgrund der zunehmenden Verfügbarkeit von Spielgelegenheiten – vor allem durch Glücksspiel im Internet – wird es für Betroffene immer leichter, ihrer Sucht nachzugehen. Eine Spielsucht hat auch massive Auswirkungen auf die Partnerschaft – bis hin zur sogenannten Co-Abhängigkeit.

© lassedesignen - Fotolia.com

Was ist Spielsucht?

Die Spielsucht – das pathologische Spielen – stellt ein größer werdendes Problem in der Gesellschaft dar. Klassischerweise handelt es sich um die Abhängigkeit vom Glücksspiel. Darüber gibt es Spielsucht auch im Bereich von Videospielen. Der Großteil der Betroffenen kommt in jugendlichen Jahren – meist um die Volljährigkeit herum – zum ersten Mal mit dem Glücksspiel in Kontakt. Neben den stark regulierten staatlichen Spielbanken existieren Spielhallen in fast jeder grösseren Stadt, die meist wenig Kontrolle bieten. Über diese Etablissements finden Jugendliche und junge Erwachsene in der Regel den Einstieg in das Glücksspiel. Die bunten Automaten, die die Möglichkeit zu recht hohen Gewinnen bieten, wirken verlocken und stellen einen großen Anreiz dar, das Spielen aufrechtzuerhalten. Vielfach ist das Spiel unproblematisch. Liegen jedoch gewisse Voraussetzungen – beispielsweise Impulsivität, psychische Probleme, andere Suchtproblematiken oder einschneidende Erlebnisse vor – kann es zur Entwicklung einer Spielsucht kommen. Betroffen sind vor allem Männer. Diese können ihr Spiel nicht mehr kontrollieren und dem Reiz des Spielens oder Wettens nicht widerstehen. In vielen Fällen kommt es zum finanziellen Ruin, da die Einsätze immer weiter erhöht werden, um weiterhin eine Befriedigung aus dem Glücksspiel zu ziehen. Spielsüchtige sind sowohl in Spielhallen, als auch in Spielbanken und Wettbüros anzutreffen. Das Problem zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten, wobei Mitglieder niedrigerer sozialer Schichten und Menschen mit „Migrationshintergrund“ deutlich anfälliger sind. Vor allem in den staatlichen Spielbanken finden sich jedoch auch Spielsüchtige, die eindeutig höheren Gesellschaftsschichten zuzuordnen sind. Die Spielsucht verändert das Leben der Betroffenen grundlegend. Neben dem finanziellen Ruin, dem Verlust des Jobs und nachfolgenden psychischen Problemen ergeben sich stark negative Konsequenzen für die Partnerschaft. Diese werden im Folgenden näher betrachtet.


Welche Probleme ergeben sich in der Partnerschaft?

Partnerschaften überstehen die Spielsucht eines Partners häufig nicht. Das Spiel wird zum entscheidenden Lebensinhalt des Süchtigen – alles andere wird vernachlässigt. Dies bedeutet nicht, dass dem Mann plötzlich die Liebe für seine Partnerin abhanden gekommen ist. In der Regel ist diese weiterhin vorhanden. Der Suchtdruck ist allerdings größer und bestimmender. Der Alltag eines spielsüchtigen Menschen ist vollkommen auf das Spielen ausgerichtet. Alle anderen Tätigkeiten sind für einen pathologischen Spieler nachrangig. Selbst lebenswichtige Tätigkeiten wie essen und trinken rücken in den Hintergrund, wenn der Spieler seinem Spiel nachgehen kann. Weitere Probleme ergeben sich daraus, dass die Gedanken eines pathologischen Spielers den Großteil der Zeit um das Spiel kreisen. So ist es typisch für einen Spielsüchtigen, dass er permanent an das nächste Spiel denkt, Gewinnstrategien „in Gedanken testet“ und versucht, das Spiel durchzuplanen.

Partner bemerken häufig, dass ihr spielsüchtiger Lebensgefährte abwesend und desinteressiert wirkt. Dieses Phänomen ist auf das beschriebene Kreisen der Gedanken zurückzuführen. Die Partnerschaft wird durch das immer weiter schwindende Interesse des abhängigen Partners stark belastet. Neben den benannten Problemen des Alltags besteht die Gefahr einer sog. Co-Abhängigkeit.

Bei der Co-Abhängigkeit handelt es sich um ein sozialmedizinisches Phänomen, bei dem Bezugspersonen eines Suchtkranken ebenfalls suchtähnliches Verhalten aufweisen, da sie die Sucht des Süchtigen durch ihr Handeln oder das Unterlassen von Handeln weiter fördern und enorm unter der Sucht ihres Partners leiden. Als Beispiel können die Finanzierung der Sucht durch das Leihen von Geld, das Vertuschen der Sucht durch Krankmeldungen beim Arbeitgeber oder das „Legitimieren der Sucht“ durch Freunde, die dem Suchtinhalt gemeinsam mit dem Süchtigen nachgehen, genannt werden. Alle Personen, die sich derartig verhalten, machen sich „zum Komplizen“ des Süchtigen indem sie diesem helfen. In fast jedem Fall unterstützt der Partner die Spielsucht durch ein solches Verhalten. Der Leidensdruck des Spielsüchtigen wird durch ein solches Verhalten reduziert – die Krankheitsdauer jedoch verlängert. In der Regel verläuft die Co-Abhängigkeit in drei Phasen. In der ersten Phase wird der Süchtige darin bestärkt, seine Sucht aus eigener Kraft überwinden zu können. In der zweiten Phase übernimmt die Bezugsperson (in diesem Fall der Partner) Aufgaben und Probleme des Süchtigen. Die Angelegenheiten des Süchtigen werden also durch den Partner geregelt, da der Süchtige selbst nicht mehr in der Lage dazu ist. In der letzten Phase der Co-Abhängigkeit zeigt der Partner eine zunehmende Aggression und Verachtung dem Süchtigen gegenüber. Letztendlich kommt es zu Verzweiflung und Hilflosigkeit beim Partner des Süchtigen.

Das Konzept der Co-Abhängigkeit macht deutlich, dass der Partner eines spielsüchtigen Menschen durch dessen Verhalten enorm leidet. Dazu kommt eine zunehmende Frustration durch die „Lieblosigkeit“ des süchtigen Partners und eine Überforderung im Alltag, da der Süchtige keine Aufgaben mehr übernehmen kann. In jedem Falle sollte professionelle Hilfe gesucht werden, um die Spielsucht zu beenden und somit die Partnerschaft zu retten. Andernfalls ist das Bestehen der Partnerschaft höchst unwahrscheinlich.


Welche Auswirkungen haben Spiele im Internet?

Zunehmende Probleme bereiten Spiele im Internet, da diese zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar sind. Ein Großteil der Menschen verfügt über ein Smartphone und hat durch dieses jederzeit Zugang zum Internet. Für den Spielsüchtigen bedeutet dies, dass er zu jedem Zeitpunkt Zugang zum Glücksspiel hat. Eine Sperre in den Spielbanken und Spielhallen in der Umgebung reicht in der heutigen Zeit also nicht mehr aus, um das Spielen zu verhindern. Letztendlich wird der pathologische Spieler durch das Internet immer eine Möglichkeit finden, seiner Sucht nachzugehen.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de