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10 März, 2017 - 11:22
 

Wenn Eltern sich streiten

Auseinandersetzungen kommen in jeder noch so intakten Familie vor. Wenn Eltern sich streiten, wird es für die Kinder dann schwierig, wenn sie das Gefühl haben, sich auf eine Seite schlagen zu müssen. Viele Eltern sind sich auch unsicher, ob Kinder Streitigkeiten zwischen Vater und Mutter überhaupt mitbekommen sollten.

© Tomasz Trojanowski - Fotolia.com

Streit ist nicht gleich Streit

Die Auslöser für Streitigkeiten können ganz unterschiedlich sein: Mal entzünden sie sich an unterschiedlichen Einstellungen der Eltern zu Punkten wie Ordnung, Pünktlichkeit oder die Erziehung der Kinder, mal sind Beziehungsprobleme der Auslöser, bei denen es um emotionale Verletzungen und auch um Machtkämpfe gehen kann. Je nach vorhandener Streitkultur und Grund kann ein Streit sich in einer halbwegs sachlichen Diskussion äußern oder aber bis zum beiderseitigen Wutausbruch eskalieren. Dies ist häufig dann der Fall, wenn der scheinbare Streitpunkt nur vorgeschoben ist und es eigentlich um etwas ganz anderes geht.

Während Kinder auch mit lautstarken Diskussionen ganz gut umgehen können, bringt sie gefühlte Wut aus dem Gleichgewicht: Sie bekommen Angst. Angst vor den plötzlich wie verwandelten Eltern, Angst davor, dass die Eltern sich trennen können, Angst vor den starken Emotionen, die sie nicht verstehen und nachvollziehen können. Kommen solche Streitigkeiten zwischen den Eltern regelmäßig vor, kann das echten Schaden beim Kind anrichten. Es verliert das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Eltern und der Familie und lernt durch das elterliche Vorbild die gleiche unproduktive Streitkultur, die es dann auch im Alltag und später in Beziehungen umsetzt. Darüber hinaus neigen Kinder dazu, die Schuld für das Verhalten der Eltern bei sich selbst zu suchen – dies umso mehr, wenn sie den Grund des Streites nicht verstehen oder erkennen können.


Vor Kindern streiten oder nicht?

Diese Frage stellen sich viele Eltern. Sie sind unsicher, inwieweit ihr Kind einen elterlichen Streit verkraften kann und welche Folgen er für das Kind haben kann. Grundsätzlich lässt sich dazu sagen, dass Kinder nicht unbedingt von Streitigkeiten der Eltern ferngehalten werden müssen. Sie lernen durch das Vorbild und entwickeln eine eigene Streitkultur. Allerdings müssen Eltern bestimmte Punkte beachten, damit ihr Kind lernt, selbst konstruktiv zu streiten und keinen emotionalen Schaden durch die Auseinandersetzungen der Eltern davonträgt:

  • Halten Sie Ihr Kind aus der Schusslinie. Wenn es einen Streit miterlebt, müssen Sie ihm schon am Anfang versichern, dass es nichts mit der Auseinandersetzung zu tun hat. Kein Elternteil darf versuchen, das Kind auf die eigene Seite zu ziehen!
  • Streiten Sie konstruktiv. Das geht nur, wenn beide Parteien einen klaren Kopf behalten und sich nicht von Wut überfluten lassen.
  • Streiten Sie lösungsorientiert. Ein Streit sollte nur bedingt dazu dienen, Dampf abzulassen, sondern immer auch zu einer konstruktiven Lösung hin geführt werden. Am Schluss sollte zumindest ein Kompromiss, wenn nicht sogar eine einvernehmliche Lösung stehen. Dazu ist es nötig, dass die Partner an irgendeinem Punkt aufeinander zugehen.
  • Gewalt ist tabu! Kinder, die Handgreiflichkeiten zwischen den Eltern miterleben, sind traumatisiert.
  • Am Ende eines Streits muss eine Versöhnung stattfinden. Die muss Ihr Kind auch unbedingt miterleben, damit seine Welt wieder in Ordnung ist.

Wird ein Streit zwischen den Eltern auf diese Art geführt, ist das nicht nur für das Kind gut, sondern hilft auch den Eltern bei der Konfliktlösung. Das Kind lernt, dass auf jeden Streit eine Versöhnung folgt und dass der Sinn von Auseinandersetzungen die Suche nach einer Lösung ist.


Und wenn es doch mal richtig kracht?

Wenn ein Streit so eskaliert ist, dass es zu verbalen oder sogar körperlichen Gewalttätigkeiten und unkontrollierten Wutausbrüchen kommt, dann müssen die Eltern reagieren und mit dem Kind reden. Kommt es einmalig zu so einer Eskalation hilft es dem Kind, wenn die Eltern ihre Zuneigung auch vor dem Kind offen zeigen. Erklären Sie Ihrem Kind auch in kindgerechter Form die Gefühle und Gründe, die zur Eskalation geführt haben.


Kommen solche Streitigkeiten öfter vor, dann wird bei jedem Streit auch die Kinderseele schwer verletzt. Kinder reagieren häufig mit sozialem Rückzug oder mit selbstzerstörerischem Verhalten. Dem Kind zuliebe sollten Sie dann Ihre Beziehung kritisch überprüfen und gegebenenfalls eine Ehe- oder Paarberatung in Angriff nehmen.


Zum Weiterlesen:
http://www.streitseminar.de/streiten-vor-kindern.php
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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