Candle-Light-Dinner zu dritt – das erste Date als Eltern
Ein Date, ein Abend zu zweit – für Frischverliebte und junge Paare selbstverständlich - wird es mit der Geburt des ersten Kindes zur logistischen Meisterleistung, sich ein paar Stunden zu zweit zu gönnen. Doch ein romantisches Candle-Light-Dinner kann auch zu dritt klappen.
Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Date mit meiner Frau. Alles sollte perfekt sein. Pünktlich stand ich mit den Blumen vor ihrer Haustür. Aufgeregt, mit trockenem Mund fuhr ich mir sekündlich nervös durch die Haare. Sehe ich gut aus? Habe ich an alles gedacht? Wird sie die Blumen mögen und was sage ich zuerst? Dies waren nur einige der Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Der Abend war wunderschön und wir haben ihn in den folgenden Jahren oft wiederholt. Mittlerweile verheiratet, gingen meine Frau und ich gerne aus. Die Betonung liegt auf „gingen“, denn seit August 2010 waren wir zu dritt. Von da an bestimmte Noah unseren Lebensrhythmus und abends ausgehen gehörte nicht ins Programm. Erschien uns das in den ersten Monaten selbstverständlich, stellten wir diesen Zustand bald infrage. Sollten wir wirklich nicht mehr ausgehen, nur weil wir jetzt ein Kind hatten?
Ein erster Versuch
Nein, sagten wir uns. Auch Eltern brauchen Freizeit und Vergnügungen und für uns gehört ein Restaurantbesuch dazu. Das muss doch auch mit Baby möglich sein.
An einem Freitagabend wagten wir das Experiment. Wir stellten sicher, dass Noah ausgeschlafen, gefüttert und frisch gewickelt war, bevor wir uns auf den Weg zu einem populären türkischen Lokal in Stuttgart machten. Zunächst schien alles bestens: Noah war gut drauf und die anderen Gäste schäkerten mit ihm, sodass er unterhalten wurde. Doch kaum kam unser Essen, kippte die Stimmung. Zunächst war er nur besonders aktiv, wollte spielen, toben und krabbeln. Als er allerdings merkte, dass das nicht ging, verdüsterte sich seine Laune und er wurde quengelig. Das Ende des Liedes: Meine Frau und ich würgten unser Essen hinunter, zahlten, packten Noah in seinen Kinderwagen und standen gerade einmal vierzig Minuten, nachdem wir das Lokal betreten hatten, wieder vor der Tür. Das Ende unseres ersten Dates als junge Eltern war ein Desaster.
Ein zweiter Versuch
Doch so schnell wollten wir nicht aufgeben. Es musste doch möglich sein, Noah für zwei Stunden zufriedenzustellen, so dass meine Frau und ich einmal ein Essen und einen guten Wein entspannt genießen könnten. Somit wagten wir einen zweiten Versuch und es schien, als wäre dieses Mal alles anders. Es war neunzehn Uhr, als wir einander gegenübersaßen, uns durch das schummrige Kerzenlicht ansahen und der Rotwein im Dekanter rötlich schimmerte. Aus den Boxen erklang Norah Jones und vor uns auf dem Tisch standen allerlei Leckereien. Es war perfekt. Noah war ganz vertieft in sein Spiel und der Abend war fast genauso schön wie unsere ersten Dates ohne Kind. Der Name des Restaurants? Unser Esszimmer. Warum sollte es nicht möglich sein, sich auch in den eigenen vier Wänden einen richtig schönen Abend zu machen? An diesem Abend konnten wir unser Date vollkommen störungsfrei genießen.
Ein dritter Versuch
Jetzt ist Noah bald acht Monate alt und dass seine Eltern gerne ausgehen, scheint auch ihm langsam Spaß zu machen. Er ist jetzt gerne bei unseren Dates dabei. Es gilt nur, ein paar Regeln zu beachten. Er muss satt, ausgeschlafen und gewickelt sein und ein paar Spielsachen dabei haben und – und das ist der wichtigste Punkt – es sollte nicht zu spät sein. Wenn wir nun zwischen siebzehn und achtzehn Uhr ausgehen, können meine Frau und ich unsere Dates in vollen Zügen genießen und es macht fast den Eindruck, als weiß Noah inzwischen, dass es für Mami und Papi wichtig ist, auch einmal Zeit für sich zu haben.
Christian Mörken, 38 Jahre, lebt als freier Autor, Redakteur und Texter mit seiner Frau Gabriela und seinem Sohn Noah Maximilian in Stuttgart.



















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