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21 August, 2012 - 21:35
 

Der Väter-Faktor – welche Bedeutung hat der Vater für die Entwicklung von Kindern?

Es dauerte lange, bis sich ernsthaft mit der Frage auseinandergesetzt wurde, wie wichtig Väter eigentlich für die Entwicklung von Kindern sind. Im Vordergrund stand lange Zeit eher die Frage, was passiert, wenn der Vater fehlt. Doch auch die Auseinandersetzung mit diesem Thema konnte nur unzureichend beantwortet werden. Väter sind wichtig, das weiß man heute. Wie wichtig, ist oft Bestandteil eingehender Forschungen und Untersuchungen.

© auremar - Fotolia.com

Väter und Kinder – das ist eine ganz besondere Beziehung. Die Familienforscher Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis und Dr. Beate Minsel vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München haben diese Beziehung einmal genauer untersucht. Und sie sind nicht die Einzigen, inzwischen beschäftigen sich viele Spezialisten mit Vätern und Kindern.

Aktiv gelebte Vaterschaft und der Einfluss auf den Nachwuchs

Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis und Dr. Beate Minsel kommen zum Schluss, dass die aktiv gelebte Vaterschaft erheblichen Einfluss auf die Kinder hat. Im Umkehrschluss heißt das jedoch nicht, dass „Vaterlosigkeit“ generell negative Auswirkungen hätte. Zumal allein dieser Begriff irreführend ist, denn niemand ist vaterlos, allenfalls müssen Väter zuweilen entbehrt werden. Schließlich hat jeder Mensch einen Vater, auch wenn dieser sich vielleicht nicht oft blicken lässt. Bedingt durch berufliche Verpflichtungen sind Väter heutzutage zwar oft diejenigen, die seltener vom Kind wahrgenommen werden, weil sie viel unterwegs sind. Wenn die Beziehung aber in der vorhandenen Zeit intensiv ist, können negative Auswirkungen in aller Regel vermieden werden. Scheinbar ist die berufliche Tätigkeit des Vaters sogar besonders prägend für die Entwicklung des Kindes. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls eine amerikanische Langzeitstudie.

Der Vater und die Arbeit: Ein zweischneidiges Schwert

Laut der amerikanischen Studie nimmt der Beruf des Vaters starken Einfluss auf den späteren Ausbildungsberuf des Kindes. Das belegen die Beobachtungen über einen Zeitraum von 20 Jahren. Sie zeigten, dass die Wahl des Ausbildungsberufs vornehmlich durch den Vater geprägt wird. Die Mutter hat hier einen geringeren Einfluss. Umgekehrte Schlüsse ziehen die Beobachter hinsichtlich der schulischen Leistungsfähigkeit von Kindern, die ihre Väter häufig entbehren müssen. Sie zeigen ein niedrigeres Leistungsniveau als der Durchschnitt der untersuchten Personengruppe. Doch die Vaterrolle auf schulische oder berufliche Faktoren zu reduzieren, wäre natürlich zu kurz gegriffen.

Selbstwertgefühl durch Vaters Hilfe

Fthenakis und Minsel kommen zum Schluss, dass nicht nur der berufliche Werdegang eines Kindes in den meisten Fällen mehr vom Vater als von der Mutter geprägt wird. Auch die Entwicklung von Selbstwertgefühl fällt in den unbewussten Aufgabenbereich des Vaters. Die Zeit, die Vater und Kind miteinander verbringen, ist zwar nicht alleine auf den Faktor der Dauer zu reduzieren, schließlich ist intensiv genutzte Zeit besser als der gedankenverlorene Vater, der nur körperlich anwesend zu sein scheint. Andererseits laufen Kinder Gefahr, ein schwaches männliches Selbstkonzept aufzubauen, wenn der Vater nur selten in der Nähe ist. Fakt ist jedenfalls, dass Väter und Mütter gleichermaßen eine wichtige Rolle für das Kind spielen. Wobei die Funktionen unterschiedlich sind. Väter verkörpern oft Spielpartner oder Lehrer, oft auch Autoritätspersonen, ohne dass damit Angst beim Kind verbunden sein muss. Was nicht funktioniert, ist der Versuch, als Vater eine Art „zweite Mutter“ zu sein. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind wichtig für das Kind, daher sollte der Vater versuchen, die Vaterrolle auszufüllen und nicht die der Mutter zu übernehmen oder gar zu kopieren.

Was Väter tun können, um den Vater-Faktor zu nutzen

Nichts geschieht einfach so, ohne dass man etwas dafür tun müsste. Das Vatersein erst recht nicht. Ob Väter mehr oder weniger Zeit mit ihren Kinder verbringen, ist – wie wir festgestellt haben – nicht alleine entscheidend. Auf die Qualität kommt es an. Und die kann positiv beeinflusst werden. Wassilios E. Fthenakis hat eine Liste angefertigt, die helfen kann, der Rolle des Vaters gerecht zu werden:

  • Zunächst einmal sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Männer auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kinder eingehen. Dazu gehören Unterhaltungen mit dem Nachwuchs, also reden und zuhören gleichermaßen.
  • Selbst wenn der Job noch so wichtig ist – auch in der Woche brauchen Kinder Zeit mit dem Vater. Am besten verabredet man mit dem Nachwuchs feste Zeiten. Diese Momente gehören dann ausschließlich Vater und Kind.
  • Nicht weniger relevant sind Aktivitäten mit der ganzen Familie. Für Kinder ist es bedeutsam, die Familie als Ganzes zu sehen und zu erleben, wie es sich anfühlt, mit Mutter und Vater gemeinsam etwas zu unternehmen.
  • Aktivitäten von Vater und Kind sollten gemeinsam geplant werden und unter Umständen ritualisiert werden. Möglicherweise können auch gemeinsam Hobbys von Vater und Kind entwickelt werden.
  • Elternabende, Ferienunternehmungen, Hobby des Kindes – all das gehört zu den wichtigen Dingen für Kinder. Väter sollten sich auch daran beteiligen und nicht nur als „Männer für besondere Momente“ auftreten.
  • Je abstrakter der Beruf des Vaters für die Kinder ist, desto negativer ist er besetzt. Väter sollten – soweit das möglich ist – ihre Kinder teilhaben lassen am Beruf. Sie sollten erklären, was sie machen und warum es so wichtig ist. Gleiches gilt für Hobbys. Kinder verstehen besser, warum ihr Vater abends weg ist, wenn sie wissen, dass er ein Hobby hat, das ihm viel bedeutet.

 

 

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