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7 Februar, 2016 - 11:25
 

Die Großfamilie – eine aussterbende Spezies?

Drei oder sogar noch mehr Kinder zu haben, ist unmodern geworden und passt nicht mehr ins Bild unserer teilweise sogar kinderfeindlichen Leistungsgesellschaft. Zusätzlich bringt es finanzielle Nachteile. Warum sich einige Familien dennoch für viele Kinder entscheiden, darüber berichtet Vaterfreuden in diesem Artikel.

© jogyx - Fotolia.com

Gerade mal noch 1,3 Kinder bringt eine deutsche Frau im Durchschnitt zur Welt. Dies steht im krassen Gegensatz zu den Großfamilien von früher, bei denen die Kinder gleichzeitig auch die Altersversorgung darstellten. Heute ist es finanzieller Luxus, mehrere Kinder zu haben und unsere Familienpolitik, die darauf ausgerichtet ist, Beruf und Familie zu vereinen, verschärft diesen Aspekt noch zusätzlich.


Großfamilie und Elterngeld

Mit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2009 hat die Bundesregierung kinderreichen Familien keinen Gefallen getan. Denn spätestens ab dem vierten Kind gehen die Mütter kaum noch arbeiten und kümmern sich ausschließlich darum, die Familie zu organisieren. Das Elterngeld ist aber einkommensabhängig, das heißt den ohnehin schon finanziell stark geforderten Eltern bleibt nur der Mindestsatz von 300 Euro monatlich. Diese Situation wird auch durch das erhöhte Kindergeld und diverse staatliche Einmalzahlungen nicht maßgeblich vereinfacht.


Warum es heute noch Großfamilien gibt

Trotz der großen Belastung in allen Lebensbereichen entscheiden sich doch noch etwa 3% aller Paare dafür, eine Großfamilie mit drei oder mehr Kindern zu gründen. Sie stoßen dabei häufig auf Unverständnis, sogar in der eigenen Familie. Warum tut man sich „so etwas“ an? Häufig sind Eltern, die sich für die Gründung einer Großfamilie entscheiden, selbst in einer solchen aufgewachsen und kennen die Nachteile, aber auch die Vorteile dieser Familienform. Die Kinder werden schnell selbstständig, sind aber in einen stabilen emotionalen Rahmen eingebettet. Sie lernen Verantwortung für die jüngeren Geschwister zu übernehmen und haben nicht nur die Eltern, sondern auch die älteren Kinder als Vorbilder und Bezugsperson. Durch die Notwendigkeit zusammenzuarbeiten, damit der Alltag organisiert werden kann, lernen alle Kinder Hilfsbereitschaft und Mitgefühl. Für die Eltern (bzw. die Mutter) sind die älteren Kinder eine Entlastung und dadurch auch ein Grund stolz zu sein. Das spüren die Kinder, ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt.


Für eine Großfamilie muss man sich klar entscheiden

Viele Kinder sollten sich nicht einfach so ergeben. Es ist sehr wichtig, dass sich ein Paar bewusst für diese Familienform entscheidet und sich rechtzeitig Gedanken über alle Konsequenzen macht, die drei oder mehr Kinder mit sich bringen. Vor allem die Frau muss sich darüber klar werden, ob sie wirklich bereit ist, sich für die nächsten Jahre auf die Rolle als Mutter und Familienmanagerin einzulassen. Besonders wichtig ist eine stabile und harmonische Beziehung, denn es braucht viel Energie und Kraft, um die emotionalen Bedürfnisse mehrerer Kinder zu befriedigen. Ebenfalls sollten sich die Partner darüber im Klaren sein, dass eine faire und sinnvolle Arbeitsteilung erforderlich ist und dass kaum Zeit für die Beziehung bleiben wird – dies ist allerdings gerade in der Großfamilie besonders wichtig, damit sich die Frau nicht als reines Muttertier und Gebärmaschine fühlt und der Mann auf die Versorgerrolle reduziert wird.


Rollenverteilung und traditionelle Werte

In so gut wie allen Großfamilien greift spätestens nach dem dritten Kind die alte Rollenverteilung. Der Mann geht arbeiten, um die finanzielle Versorgung zu gewährleisten, die Frau bleibt zuhause und versorgt die Kinder. Da eine Großfamilie nur richtig funktionieren kann, wenn der Alltag strukturiert und zum Teil auch ritualisiert wird, spielen traditionelle Werte in der Großfamilie eine deutlich größere Rolle als in Kleinfamilien.


Finanzielle Hilfen für Großfamilien

Großfamilien haben mit vielfältigen Situationen zu kämpfen – wo es Hilfe gibt, sollte man sie auch in Anspruch nehmen. Finanzielle Unterstützung können sich Großfamilien von verschiedenen Stellen holen:
-    Beantragung des Kinderzuschlages bei der Familienkasse der Arbeitsagentur
-    Bundesstiftung „Familie in Not – Schutz des ungeborenen Lebens“
-    Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten ab dem 7. Kind
-    Befreiung von der Kindergartengebühr
-    Beantragung von Hartz IV
-    Beantragung von Wohngeld
-    Urlaubszuschuss in einzelnen Bundesländern
-    Nutzung von Familienpässen


Großfamilie mit mehreren Generationen

Eine deutliche organisatorische und auch finanzielle Entlastung ergibt sich, wenn man zur ursprünglichen Form der Großfamilie zurückkehrt, bei der mehrere Generationen zusammenlebten. Dies ist heute nur noch vereinzelt in ländlichen Gebieten der Fall, lässt sich aber auch in anderen Wohn- und Lebensumfeldern umsetzen. Wenn Großeltern, Eltern und Kinder zusammen in einem Haus oder nah beieinander wohnen, gibt es vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten. Die Kinder profitieren von der Erfahrung der älteren Generation, gleichzeitig ist die Betreuung abgedeckt, so dass auch die Mutter zumindest teilweise arbeiten gehen kann. Dies wiederum verbessert die finanzielle Situation. Die älteren Familienmitglieder erfahren Unterstützung, zum Beispiel beim Einkauf, von ihren erwachsenen Kindern. Der soziale Verband, der durch die gegenseitige Hilfe entsteht, bettet alle Familienmitglieder sicher ein.

 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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