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24 November, 2012 - 11:12
 

Die richtige Schlaftaktik – auch Schlafen will gelernt sein

Mit einem Baby hat sich das Durchschlafen für Eltern erstmal erledigt. Vor allem in den ersten Monaten müssen die Eltern oft raus und das schreiende Baby stillen, beruhigen und trösten. Doch irgendwann hat das ein Ende. Was für die Eltern schon fast in Vergessenheit geraten war, ist für das Baby etwas ganz Neues: Durchschlafen. Irgendwann, irgendwie? Es gibt eine gute Taktik, wie man das Baby langsam aber sicher an geregelte Schlafzeiten gewöhnt.

© simonkr - Fotolia.com

Nach der Geburt ist das Schlafen das, was allen am schwersten fällt. Die ersten paar Tage verschläft das Neugeborene fast komplett aus Erschöpfung durch die Geburt. Danach beginnt das tägliche und nächtliche Geschrei. Auf die Eltern kommt jetzt eine harte Zeit zu, in der sie wenig schlafen und viel leisten werden. Um diese Periode der Schlaflosigkeit zeitlich einzugrenzen, gibt es Schlaftaktiken. Man kann das Kind ans Durchschlafen gewöhnen. Wir sagen Ihnen wie.



Auszug aus dem Elternschlafzimmer
Man kann die folgenden Phasen der Schlafgewöhnung bei Babys nicht ganz konkret beziffern oder an bestimmten Lebensmonaten festmachen. Manche Eltern machen andere Eltern neidisch, wenn sie berichten, dass ihr dreimonatiges Mädchen bereits durchschläft. Das schaffen manche Babys noch früher, bei anderen kann es auch ein halbes Jahr dauern. Viele Kinder haben es schwerer, weil sie in den ersten Monaten von den Dreimonats-Koliken gequält werden.

Generell kann man den Umzug ins eigene Kinderzimmer vom Stillen abhängig machen. Je weniger gestillt wird, desto eher kann das Schlaftraining beginnen.

Der erste Schritt zu einem durchschlafenden Kind ist jedenfalls der ins eigene Kinderzimmer. Das Kind wird durch den Umzug daran gewöhnt, für sich einzuschlafen, ohne dass Mutter und Vater daneben liegen und ohne dass es vorher noch die Brust bekommt.
Damit einher geht meistens auch der Umzug vom „Baby-Bay“ (einem Anbau ans Elternbett) ins richtige Babybett. Zwei wichtige Tipps am Bettrande: Kaufen Sie ein höhenverstellbares Bett. All die Arbeit mit dem Kind belastet den Rücken schon genug, da sollten Sie sich nicht auch noch am Bett bücken müssen. Ist das Kind größer und fängt an zu klettern, können Sie die Liegefläche senken.
Zum Zweiten: Pflastern Sie das Bettchen nicht mit Kissen und Kuscheltieren. Gerade kleine Bauchschläfer vergraben sich mit dem Gesicht darin und bekommen keine Luft mehr.


Entwöhnung vom Schnuller

Dem Schnuller wird ein negativer Einfluss auf die Zahnstellung Ihres Kindes nachgesagt. Schenken Sie diesem Mythos keinen Glauben. Geben Sie Ihrem Kind lieber einen Schnuller, damit es für die Anfangsphase des Schlaftrainings eine Einschlafhilfe hat.
Diese Einschlafhilfe verkehrt sich jedoch irgendwann ins Gegenteil und dann muss er weg: Das Kind schläft dank Schnuller ein, wird aber in der Nacht wieder wach, weil das kleine Saugwerkzeug aus dem Mund gefallen ist. Das Ergebnis: Das Kind schreit, Sie müssen raus und es beruhigen.
Nachdem Ihr Kind nun so schön ins eigene Zimmer umgezogen ist und im eigenen Bettchen schläft, wird es Zeit, auch in Bezug auf den Schnuller erwachsen zu werden.
Wenn Sie Ihr Kind also zu seiner gewohnten Schlafzeit ins Bett legen, bringen Sie ihm bei, ohne „Nucki“ einzuschlafen. Das wird am Anfang wieder mit Geschrei einhergehen, am Ende jedoch einen wichtigen Schritt in Richtung durchschlafen bedeuten!


Schreien lassen, ja oder nein?

Für das Kind bricht durch die Schnuller-Aktion eine Welt zusammen. Sie können sich daher überlegen, den nächsten Umbruch gleich in einem Abwasch mit zu erledigen. Allerdings scheiden sich auch hier die Elterngeister, wenn es darum geht, das Kind schreien zu lassen oder nicht.
Wie so oft gibt es ja immer einen Kompromiss zwischen ja und nein. Während die einen Eltern sofort zur Stelle sind, lassen die anderen ihr Kind vielleicht sehr lange schreien.

Der gute Kompromiss: Lassen Sie Ihr Kind fünf Minuten schreien. Wenn es losgeht, stoppen Sie die Zeit und gehen nach den fünf Minuten ins Kinderzimmer. Beruhigen Sie den kleinen Schreihals indem Sie sich ins Bett beugen, ihm beruhigend zureden und dabei übers Köpfchen streicheln. Sie werden merken, dass Ihre Anwesenheit das Kind beruhigt. Verlassen Sie nach einer Minute das Kinderzimmer und wiederholen sie den gesamten Vorgang, wenn das Kind nach Ihrem Besuch wieder schreit.

Auch hier gilt: Am Anfang wird es schwierig und mit viel Geschrei verbunden sein, aber auf der Mission Durchschlafen ist die 5-Minuten-Taktik sozusagen das Finale.
Bis die Taktik aufgeht müssen Sie konsequent bleiben, auch wenn es Ihnen wehtut, wenn Ihr Baby schreit. Das Kind sollte nicht auf den Arm genommen werden und keinen Schnuller zur Beruhigung bekommen! Nur so lernt es, ohne Hilfen und ganz für sich einzuschlafen. Schnuller und Arm kommen nur noch in Notfällen zum Einsatz, wenn das Kind sich auch nach mehreren 5-Minuten-Runden nicht beruhigt.


Ende gut, gute Nacht

Das alles liest sich ganz einfach und ist rückwirkend auch einfach geschrieben. Die Monate der Schlaflosigkeit sind eine anstrengende Zeit, in der Eltern gut zusammenhalten müssen. Oft leiden die Leistungsfähigkeit auf der Arbeit und das Beziehungsleben in dieser Zeit.
Es darf jedoch nichts überstürzt werden, um das Durchschlafen zu erreichen und es muss alles zu seiner Zeit geschehen.
Gehen sie Schritt für Schritt vor und siedeln Sie Ihren Säugling nicht schon um, wenn er sich noch ausschließlich von Muttermilch ernährt. Irgendwann haben Sie dann ein abgestilltes, ausschlafendes Baby, das regelmäßige Schlafzeiten hat.
Da können Sie am Abend dann auch mal wieder ganz Pärchen sein – und nach dem Pärchenabend: durchschlafen!

 

Abschließende Worte: Ist ein solches Schlaftraining wirklich nötig?

Ein Schlaftraining, wie es hier beschrieben wird, funktioniert in der Regel, ist aber für ein Baby keine angenehme Sache. Babys schreien, wenn sie sich fürchten und die Erfahrung, dass die Eltern nicht kommen, wenn es nach ihnen ruft, ist für ein Baby eine schlimme Erfahrung. Je kleiner das Kind noch ist, desto beängstigender ist das Erlebnis. Das Kind hat das Gefühl, schutz- und hilflos zu sein.

Alle Kinder schlafen ab einem bestimmten Punkt durch – einige früher, andere später. Daher sollten sich Eltern die Frage stellen, ob sie eventuell noch etwas warten können, ob sie selbst noch die Kraft und die Möglichkeit haben, ihrem Baby etwas mehr Zeit zu geben, bevor sie ein solches Schlaftraining hart durchziehen. Denn wie gesagt – das Durchschlafen hat noch jedes Kind gelernt. Auch, wenn es hin und wieder etwas länger dauert.

 

Hilfe von außen - Sozialpädiatrische Zentren

Wenn nichts hilft, dann gibt es als letzte Möglichkeit für hilfesuchende Eltern noch die sozialpädiatrischen Zentren, umgangssprachlich auch Schreiambulanzen genannt. Hier arbeiten Kinderärzte, Physiotherapeuten und Psychologen zusammen, um Kinder bis zu drei Jahren zu behandeln, die von sogenannten Regulationsstörungen betroffen sind. Bei Bedarf werden auch die Eltern psychologisch beraten. Die Erfolgsquote in solchen Zentren ist gut und rechtzeitig behandelte frühkindliche Regulations- und Beziehungsstörungen haben eine gute Prognose. Fragen Sie Ihren Kinderarzt nach dieser Möglichkeit.

 

Anmerkung:
Da es speziell über diesen Artikel bereits viele Diskussionen gab möchten wir einen Punkt noch einmal ganz deutlich klarstellen:
Kinder können lernen, nachts durchzuschlafen, wenn sie nachts keine Nahrung mehr zu sich nehmen müssen. Voraussetzung hierfür ist in der Regel, dass ein Kind am Abend ausreichend Beikost, also Brei, isst. Die WHO empfielt, in den ersten 6 Lebensmonaten zu stillen - und wir unterstützen diese Meinung. Die oben dargestellte "Schlafgewöhnung" ist unserer Meinung nach für Kinder, die sich an den Abendbrei gewöhnt haben, denkbar. Also ab Lebensmonat 7 oder 8 (je nachdem, wann abgestillt wurde und wie die Gewöhnung an den Brei funktioniert) - und nicht für sehr kleine Babys.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de