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18 Januar, 2013 - 10:25
 

Fernbeziehung mit Kind

Eine Beziehung auf Distanz zu führen ist mittlerweile keine Seltenheit mehr, bedingen die Arbeitsumstände es doch oft, dass die Partner an unterschiedlichen Orten leben und arbeiten. Dies ist schon für ein kinderloses Paar eine überdurchschnittlich große Belastung, ist zusätzlich ein Kind im Spiel, dann bestehen hohe Anforderungen an die Eltern.

© Odina - Fotolia.com

Fernbeziehungen mit Kind können grundsätzlich in zwei Formen stattfinden. Entweder, das Kind lebt mit den Eltern zusammen, ein Elternteil – in der Regel ist das nach wie vor der Vater – ist jedoch nur am Wochenende zuhause, da der Arbeitsplatz außerhalb des Tagespendelbereichs liegt. Bei der zweiten Variante lebt das Kind bei einem Elternteil und der andere hat seine eigene Wohnung. Auch hier ist die Entfernung wieder der entscheidende Faktor, der das Familienleben kompliziert machen kann. Ein Teil der Problematik liegt darin, dass das Kind seinen Alltag mit einem Partner teilt, während der andere nur als Besucher fungiert. Dieser Part fühlt sich leicht ausgeschlossen, vergisst jedoch dann allzu leicht, dass dafür fast die ganze Last der Kinderbetreuung und –erziehung auf dem „zurückbleibenden“ Elternteil liegt. Als Vater, der nur zu bestimmten Zeiten am Familienleben teilnimmt, muss man ganz besonders auf die gute Bindung zum Kind achten. Gleichzeitig müssen die Erwartungen an die Partnerschaft und an das Zusammenleben erfüllt werden. Dafür ist ein Wochenende ganz schön knapp.

 

Trennung jedes Mal aufs Neue

 

Kinder in einer Fernbeziehung sind allzu häufigen Trennungen ausgesetzt. Vor allem für Kinder unter vier Jahren ist diese Situation schwer auszuhalten, da sie noch kein Zeitgefühl haben. Sie leben im Hier und Jetzt und dementsprechend schwer kann die Trennung jedes Mal für sie sein. In den ersten drei Lebensjahren stecken Kinder in der sogenannten Grundbindungsphase. Dadurch, dass der Vater immer wieder verschwindet, wird sie unterbrochen, was zu einer schwachen Vater-Kind-Bindung führen kann. Dies lässt sich nur dann vermeiden, wenn der Vater in der Zeit, in der er zuhause ist, intensiv Kontakt mit seinem Kind aufnimmt. Dies kann bei größeren Kindern durch gemeinsame Unternehmungen stattfinden, bei denen die Mutter auch mal zuhause bleibt. Vater und Kind brauchen eine Chance, um sich anzunähern und eine eigene Beziehung aufzubauen. Sind die Kinder noch kleiner, ist es meist besser, wenn die Familie am Wochenende eine Einheit bildet. Das gemeinsame Spielen zuhause, Familienausflüge und das abendliche ins Bett bringen können die Bindung zwischen Vater und Kind stärken.

Leichter wird die Situation der Fernbeziehung für die Kinder, wenn sie etwas größer sind, da sie dann intellektuell begreifen, warum der Vater jeden Sonntag Abend für den Rest der Woche verschwindet. Allerdings können sie trotzdem teilweise mit Trotz und Ablehnung auf den Vater reagieren, da sie sich gefühlsmäßig zurückgelassen fühlen.

Für jüngere Kinder kann man durch Abschieds- und Willkommensrituale die so verwirrende Trennung überschaubar machen. So können Vater und Kind zum Beispiel beim Abschied ein Kuscheltier oder ähnliches tauschen. Ist der Vater zuhause, dann sind auch die beiden Kuscheltiere zusammen. Größere Kinder können telefonieren und einen Teil ihres Alltags mit dem Vater über die Entfernung hinweg teilen. Dies sollte allerdings nur stattfinden, wenn das Kind das Telefonat gut verkraftet. Oft wird beim Hören der Stimme die Sehnsucht so groß, dass das Kind unnötig traurig wird.

 

Familienleben trotz Fernbeziehung

 

Auch und gerade bei einer Fernbeziehung muss ein Familienleben stattfinden. Dazu gehört unter anderem, dass der Vater – ganz gleich wie weit er weg ist – in die familiären Entscheidungen mit einbezogen wird. Managt die Frau zuhause die komplette Familienorganisation, trifft sie alle Entscheidungen bezüglich der Kinder allein, dann fühlt sich der Partner schnell ausgegrenzt und nicht mehr verantwortlich. Aus diesem Gefühl heraus kann es leicht zu Krisen kommen, die durch die Entfernung leicht eskalieren.

Damit Kinder den Vater weder als Besucher noch als störenden Eindringling empfinden, ist es wichtig, dass die Regeln, die innerhalb der Familie gelten, immer gleich bleiben - ganz egal, ob der Vater nun da ist oder nicht. Dürfen die Kinder zum Beispiel unter der Woche bei Mama im Bett schlafen, haben sie wenig Verständnis dafür, wenn das am Wochenende, wenn Papa da ist, anders ist.

Besonders in den Phasen, wenn Papa kommt, beziehungsweise wieder geht, können einige Spannungen auftreten. Kleinere Kinder brauchen eine Weile, bis sie sich an die Anwesenheit des Vaters gewöhnt haben. Sie lassen sich dann nicht unbedingt von ihm ins Bett bringen, da sie gewöhnt sind, dass Mama das tut. Hier hilft nur jede Menge Geduld, entspanntes Beisammensein im ganz normalen Familienalltag und das Bewusstsein, dass diese emotionalen Wellen der Situation geschuldet sind.

 

Hoher Anspruch an die Partner in der Fernbeziehung

 

Nur eine wirklich stabile Beziehung kann eine Fernbeziehung überstehen und das auch nur dann, wenn beiden Partnern die Einschränkungen dadurch bewusst sind und sie diese vollständig akzeptieren. In einer Fernbeziehung mit Kind kommt die Partnerschaft auf jeden Fall zu kurz, das muss beiden Teilen klar sein. Ein großer Teil der Energie fließt in die Aufrechterhaltung der guten Beziehung zum Kind. Dadurch entsteht für beide Elternteile eine Doppelbelastung, die sich oft negativ auf die so wichtige Zweisamkeit auswirkt. Zeit und Energie für Zärtlichkeit und Gespräche bleibt hier wenig und trotzdem müssen sich die Elternteile darum bemühen, auch ihre Liebesbeziehung aufrecht und lebendig zu halten.

Damit die Partnerschaft intakt bleibt, sollten Eltern in einer Fernbeziehung trotz der knapp bemessenen Zeit auch Aktivitäten ohne Kind planen. Zumindest einmal monatlich sollte ein Abend nur für die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau reserviert bleiben. Großeltern oder ein engagierter Babysitter können sich in diesen Stunden um das Kind kümmern, während die Eltern die so wichtige Zeit zu zweit genießen.

Auch wenn die schwierige Fernbeziehung mit Kind lebbar ist, ist es doch für alle Beteiligten eine große Belastung, die als dauerhaftes Familienmodell nur schlecht geeignet ist. Zu viel Last liegt auf den Schultern der Mutter, der Vater verpasst viel von der Entwicklung seiner Kinder. Und die Kinder wachsen faktisch gesehen doch ohne die so wichtige Vater-Kind-Beziehung auf. Langfristig sollte immer nach einer Lösung gesucht werden, bei der die Familie zusammenleben kann.

 

 

Zum Weiterlesen:

http://www.faz.net/s/Rub867BF88948594D80AD8AB4E72C5626ED/Doc~E765A59B6DE144229BAEF7F0BCDB26AA5~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 

http://www.beziehungs-anleitung.de/fernbeziehung/probleme

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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