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2 November, 2013 - 11:00
 

Flaute im Bett, seit das Baby da ist? – Offene Worte an den jungen Vater

Lassen Sie uns über etwas sprechen, das so in unglaublich vielen jungen Familien vorkommt, worüber aber aufgrund der Brisanz und des Privatstatus des Themas sehr wenig gesprochen wird: darüber, dass das Sexualleben häufig sehr leidet, wenn ein Baby das Paar zur Familie gemacht hat.

© pressmaster - Fotolia.com

 Ein wenig Eifersucht auf das Baby

Sie murmeln gerade vor sich hin: „Welches Sexualleben bitteschön?“ Ah, ich sehe, Sie gehören zur Zielgruppe. Sie sind nicht allein, bei weitem nicht. Sie haben sich ein Kind sehnlichst gewünscht und nun halten Sie es seit ein paar Monaten in den Armen. Sie erleben gemeinsam mit Ihrer Frau alle Höhen und Tiefen, die die junge Elternschaft so mit sich bringt. Chronischen Schlafmangel, chronische Überforderung, Rat- bis hin zu Hilflosigkeit angesichts eines dauerschreienden Säuglings … das ist alles nicht einfach. Schön ist es irgendwie aber trotzdem. Anders schön als vorher, aber schön. Sie haben ja auch Verständnis für Ihre müde, stets ein wenig zerzaust aussehende und angeschlagen wirkende Frau. Sie selbst sehen nicht anders aus und fühlen sich auch nicht besser. Und doch … manchmal ertappen Sie sich dabei, dass Ihnen etwas fehlt. Diese Paar-Komponente. Das Baby macht eine Familie aus Ihnen und das ist wunderschön, aber das Paar-Sein, die Zweisamkeit, die fehlt Ihnen. Die Nähe, die Zärtlichkeit Ihrer Frau, die fehlt. Nein, im Grunde fehlt sie nicht, sie ist noch da. Aber das Baby bekommt jetzt eben alles davon. Wie, eifersüchtig auf einen wenige Monate alten Säugling? Blödsinn, das wäre ja nun wirklich albern. Naja, obwohl… Das Kleine wird gestreichelt, gehätschelt, gekost, es darf an Mamas Busen, den Duft atmen, ihre Haut spüren … und sobald Sie sich abends im Bett zu ihr hindrehen und einfach nur mal wieder ihre Nähe spüren wollen, da dreht sie sich entnervt zur Seite und murmelt: „Schatz, bitte nicht, ich bin so kaputt …“
 

Bitte keine Vorwürfe, aber ein Gespräch muss erlaubt sein

Sie sind enttäuscht und Sie fühlen sich manchmal ein wenig … einsam. Das Baby scheint alles aufzusaugen, das ihre Frau an Liebe, Nähe, Zärtlichkeit, Geborgenheit zu geben hat. Und für Sie bleibt da eben wenig bis gar nichts übrig. Das ist … wohl irgendwie auch ok so und von der Natur bis zu einem gewissen Grad so gedacht. Aber nun gehen die Monate ins Land und es scheint sich so gar nichts zu ändern. Und dann beschleicht Sie langsam die Befürchtung, dass das einreißen könnte. Dass es das jetzt war mit dem Liebesleben. Auf wer-weiß-wie-lange Sicht. Sie möchten mit ihrer Frau darüber sprechen. Sie möchten Ihr keine Vorwürfe machen, Sie auch nicht unter Druck setzen, das wäre im Moment sicher das Falscheste überhaupt … aber Sie möchten trotzdem gern darüber sprechen, wie Sie sich fühlen. Was Sie vermissen. Was Sie sich wünschen. Das muss doch erlaubt sein!
Ist es auch. Junge Mütter schalten in den ersten Wochen und Monaten gern mal in den „Einfach nur noch funktionieren“-Modus, eine Art Autopilot. Das ist nötig, denn wenn sie sich mit ihren eigenen Befindlichkeiten befassen würden, dann würden sie merken, wie erledigt, müde und ausgepowert sie sind. Aber es erschwert natürlich ihre Wahrnehmung für alles, was nicht mit dem Kind zu tun hat. Es ist völlig in Ordnung, neben dem Kind irgendwann auch wieder die eigenen Bedürfnisse zu sehen. Sprechen Sie mit ihrer Partnerin. Und ja, versuchen Sie bitte, in so einem Gespräch bei sich zu bleiben. Nicht in Anschuldigungen zu verfallen, nicht zu sagen „DU siehst mich nicht mehr, DU magst ja nie mehr, DU …“ sondern zu erzählen, wie es IHNEN geht. „ICH vermisse Deine Nähe, ICH verstehe, wie anstrengend das alles im Moment ist, aber so ganz ohne Zärtlichkeiten, das macht MICH traurig …“
Ja, es kann trotzdem passieren, dass Sie sich kurz darauf in einer Streitsituation befinden. Es kann sein, dass Ihre Frau sich nicht gesprächsbereit zeigt, dass sie dichtmacht, dass sie signalisiert, dass sie „das jetzt nicht auch noch gebrauchen kann“.

 

Die Partnerin aus der Mutterrolle holen

Dann gibt es zwei Dinge, die sie tun können. Erstens, lassen Sie ihr mehr Zeit. Es mag Ihnen wahnsinnig lang vorkommen, aber es ist nicht selten, dass eine Frau bis zu einem Jahr nach einer Geburt benötig, um sich selbst wieder so zu spüren und ihr hormonelles Gleichgewicht so wiederzuerlangen, dass sie Lust auf Sex verspürt. Alle befreundeten Väter behaupten, bei ihnen hätte es viel eher wieder gefunzt? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie schwindeln…  Zweitens, versuchen Sie, herauszufinden, was genau Ihre Frau so blockiert und überlastet. Ist sie mit ihrem Körper immer noch unzufrieden nach der Geburt? Dann organisieren Sie sich so, dass Sie Ihrer Frau das Kind regelmäßig abnehmen können, damit sie Zeit hat, zum Sport zu gehen. Braucht sie einfach mehr Freiraum für sich, um mal durchatmen zu können? Besprechen Sie sich mit der Familie, vielleicht finden sich Oma, Opa, Tanten, Onkel, die das Kleine immer mal wieder hüten würden, damit die Mutter mal verschnaufen kann. Ist sie vielleicht grundsätzlich unzufrieden mit der Rolle als „Nur-Mutter“? Vermisst sie ihren Job? Auch dafür gibt es Lösungen. Setzen Sie sich gemeinsam an einen Tisch und reden Sie. Finden Sie Wege, signalisieren Sie Bereitschaft zu einer Form von Unterstützung, die über das Windelwechseln und in-den-Schlaf-wiegen hinausgeht. Ihre Frau braucht das Gefühl, in Ihnen einen echten Partner zu haben, jetzt mehr als je zuvor. Über diese Partnerschaft entsteht eine neue, tiefere Form der Nähe und es bestehen guten Chancen, dass über diese Nähe auch der Wunsch nach Sexualität wieder einstellt.

 

Übrigens: auch die Überprüfung der Verhütungsmethode macht Sinn, wenn die Frau über längere Zeit wenig oder keine Lust verspürt. Viele hormonelle Verhütungsmethoden haben ironischerweise genau diese Nebenwirkung. Ein Gespräch mit dem Gynäkologen ist also auch ein guter Rat. Man sollte aber bedenken, dass die Unlust der Frau nach einer Geburt meist viele kleine Ursachen hat, selten eine große, die man mal eben durch eine andere Pille bereinigen kann…  trotzdem sollte dieser Aspekt mit in Betracht gezogen werden.    

 

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randomness