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6 Juli, 2017 - 23:16
 

Treue in der Beziehung - wenn die Versuchung lockt

Für immer. Glaubt man Psychologen und Befragungen, sind diese beiden Worte für Paare kaum noch wichtig. Das Gleiche gilt für die Treue. Monogamie hat im Laufe der Zeit an Bedeutung verloren, Seitensprünge werden heute deutlich harmloser bewertet. Dieser Philosophie folgend liegt es nahe, dass ewige Treue seltener auftritt als in vergangenen Zeiten. Ist das der Lauf der Dinge, nicht zu ändern und gar nicht schlimm? Oder doch eher eine traurige Entwicklung, die der lebenslangen Liebe keine Chance mehr gibt?

© Syda Productions - Fotolia.com

„Es gibt kaum ein Unterfangen, das mit so ungeheuren Erwartungen begonnen wurde und das mit einer solchen Regelmäßigkeit fehlschlägt wie die Liebe." Dieser Satz stammt von Erich Fromm, dem deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker. Er stammt darüber hinaus aus einer längst vergangenen Zeit - schon vor rund 50 Jahren sprach Fromm ihn aus. Es stellt sich die Frage, ob Untreue die Folge dieser Aussage ist oder ob es andere Gründe sind, die den Ausschlag geben.


Wenig Vertrauen ins Vertrauen

Eine repräsentative Umfrage der „Apotheken Umschau“ ergab ein ernüchterndes Bild. Mehr als die Hälfte der Befragten (genau 53,4 Prozent) gab an, dass Treue über ein ganzes Leben lang nicht möglich sei. Noch deutlicher fiel das Urteil über Scheidungen aus. Satte 80,3 Prozent der Befragten sahen in einer Scheidung nichts Besonderes. Trennungen an sich seien laut Umfrage „keine große Sache“ mehr. Diese Sicht der Dinge traf auf Männer und Frauen übrigens gleichermaßen zu. Denkt man die Ergebnisse der Umfrage zu Ende, kann man zum Schluss kommen, dass Treue einfach an Bedeutung verloren hat. Doch eine Umfrage ist das eine. Untreue zu erleben, das andere. Daher könnte man ebenso gut annehmen, dass Untreue zwar nach außen hin als nicht so wichtig empfunden wird. Die hohen Scheidungsraten könnten aber auch durch fehlende Monogamie begründet sein.


Mehr Scheidungen durch Frauen

Frauen sind scheidungsfreudiger geworden als das früher der Fall war. Für den Hamburger Diplompsychologen und Paartherapeuten Oskar Holzberg ist der Grund dafür vornehmlich der gesellschaftliche Wandel. Holzberg sagt: "Unsere Kultur ist nicht mehr so partnerschaftsunterstützend wie früher, das Ehegelübde nicht mehr so bindend. Alles beruht viel stärker auf Freiwilligkeit.“ Diese Freiwilligkeit, so der Therapeut, führe dazu, dass eine Trennung -insbesondere durch die Frau- keine Ausgrenzung mehr bedeute. Das war in vergangenen Zeiten anders. Geschiedene Frauen hatten es schwer, wieder Fuß zu fassen und in der Gesellschaft Anerkennung zu finden.

Frauen sind insgesamt selbstbewusster geworden, achten auf Karrieremöglichkeiten und wollen nicht mehr Kompromisse um jeden Preis schließen. Immerhin zwei Drittel der Scheidungen werden inzwischen von Frauen eingereicht. Das hat die Sozialpsychologin Elke Rohmann von der Ruhr-Universität Bochum herausgefunden.


Fremdgehen als Flucht

Das Argument ist so alt wie das Fremdgehen selbst: Der Mann behauptet, die Partnerin habe ihn zur Untreue genötigt, weil die Beziehung nicht funktioniere. Hat die Frau sich in fremden Betten vergnügt, folgt sie oft der gleichen Argumentationskette. Was nach Schuldzuweisungen klingt, ist jedoch häufig tatsächlich ein Grund fürs Fremdgehen, allerdings keiner, der auf einen Partnerteil reduziert werden könnte. Professor Wolfgang Hantel-Quitmann, Autor des Buches „Liebesaffären“ meint: „Liebesaffären sind auch immer ein Lösungsversuch für Probleme“. Betroffene Paare hätten Schwierigkeiten damit, Konflikte auszutragen und sich hinsichtlich ihrer Wünsche, Hoffnungen und Ängste auszutauschen. Dazu gehört unter anderem auch die Unfähigkeit, über Sex und Treue zu sprechen.


Ewige Treue gibt es nur in Filmen?

Liebesfilme hören in aller Regel auf, wenn das Paar sich nach vielen Schwierigkeiten und Turbulenzen gefunden hat. Der Zuschauer verlässt den Kinosaal mit dem Gefühl, dass sich zwei gefunden haben, die zusammengehören und ein Leben lang glücklich – und treu sind. Doch jenseits gelungener Regiearbeiten und interessanter Drehbücher findet das wahre Leben statt. Und das bedeutet oft auch Untreue. Dabei zeigt sich, dass es in den seltensten Fällen Einzelfälle sind, die eine Beziehung (vielleicht) noch verkraften könnte. Meist sind die Fremdgeher Wiederholungstäter, egal ob Mann oder Frau. Für die Beziehung ist das Gift, über kurz oder lang zerbricht sie. Dabei kann man darüber streiten, ob fehlende Monogamie oder andere Schwierigkeiten in der Beziehung der Grund sind. Der Effekt ist letztlich der Gleiche. Bemerkenswert ist übrigens die Argumentation der Fremdgeher: sie sagen häufig nicht nur, dass sie ihre Partner wirklich lieben, sondern darüber hinaus, dass sie selbst niemals hintergangen werden wollen.


Der Preis der Untreue

Sex mit einem anderen Partner ist reizvoll – das Abenteuer lockt. Dagegen nimmt der Reiz, mit der eigenen Partnerin zu schlafen, fast immer im Laufe der Zeit ab. Das ist ganz normal. Wenn man nur danach geht, dann ist es ganz logisch, dass man sich auf einen Seitensprung einlässt oder ihn aktiv verfolgt. Denn was hat man schon zu verlieren?

Viel. Mit einem Seitensprung setzt man in der Regel die eigene Partnerschaft aufs Spiel. Dessen sollte man sich immer bewusst sein. Ein Spiel mit hohem Einsatz also. Man sollte sich vorher immer überlegen, ob das Abenteuer dieses Risiko wert ist. Diese Frage kann jedoch jeder nur für sich beantworten.


Monogamie: nur etwas für Seepferdchen?

Zyniker neigen zu der Ansicht, dass nur Seepferdchen in der Lage sind, sich treu zu sein und ein ganzes Leben lang auf einen Partner zu verlassen. Haben sich diese Tiere erst einmal für das passende Gegenstück entschieden, steht das fest, solange sie leben. Für Menschen gelte das nicht, so die Verfechter der Theorie. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass gleich die erste große Liebe auch die letzte des Lebens bleibt, unrealistisch. Wobei der Trennungsgrund junger Menschen oft nicht Untreue ist, sondern das Gefühl, nicht zusammen zu passen, Erfahrungen sammeln zu wollen oder einfach eine Weile ungebunden das Leben zu leben.

Später kann sich das aber durchaus ändern. Wenn zwei Menschen viele Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben und endlich „ankommen“ wollen, wenn sie sich verstehen, lieben, über Wünsche, Ängste, Bedürfnisse und Unterschiede sprechen, dann kann es passieren, dass hin wieder zwei Seepferdchen außerhalb des Wassers ihr Glück zusammen finden.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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