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18 März, 2016 - 10:19
 

Unterschiedliche Ansichten zur Erziehung - wie kläre ich das mit meiner Partnerin?

Die Frage, ob man zusammen ein Kind haben will oder nicht, ist manchmal leichter zu beantworten als die, ob der Nachwuchs einen Kinderriegel haben soll oder nicht. Wenn Paare zusammen ein Kind bekommen, stellen sie sich die Frage nach der gemeinsamen Erziehung zunächst einmal nur in den seltensten Fällen. Über kurz oder lang ändert sich das jedoch. Die Tatsache, dass zwei Menschen unterschiedliche Vorstellungen von der richtigen Erziehung haben, überrascht Paare immer wieder. Das kann schwierig werden.

© Robert Kneschke - Fotolia.com

Der kleine Paul hat einen Plan. Objekt seiner Begierde ist eine Tafel Schokolade. Die will er haben, so viel ist sicher. Aber Schokolade steht nicht auf dem Einkaufszettel, also versucht Paul seinen Charme spielen zu lassen. Die Methode erweist sich jedoch als wenig zielführend. Mama und Papa lehnen sein Anliegen in zarter, aber bestimmter Eintracht ab. Kein Grund für Paul, sein Vorhaben fallen zu lassen. Er kommt zum Schluss, dass nun Plan B herhalten muss. Und der ist weniger charmant, dafür aber ziemlich laut. Paul fängt an zu heulen, steigert sich immer mehr in die Situation hinein und wälzt sich kurze Zeit später am Boden des Supermarktes. Dann passiert es! Pauls Vater nimmt die Tafel Schokolade aus dem Regal, damit der Jungen „endlich Ruhe gibt“. Doch Pauls Mutter will sich nicht durch Pauls „unsinniges Theater beeinflussen“ lassen. Der Streit geht in die nächste Runde.


Grundsätzliches und Kleinigkeiten

Manchmal sind es Süßigkeiten, die zu Unstimmigkeiten bei Eltern führen. Oder gemeinsame Nächte im Bett der Eltern. Die Fernsehgewohnheiten des Nachwuchses oder die allabendliche Frage nach der richtigen Zeit fürs Schlafengehen. Es können aber auch grundlegende Fragen sein, die Eltern auseinander dividieren. Allgemeine menschliche Werte, religiöse, gesellschaftliche oder sogar politische Einstellungen. So oder so, die Eltern müssen sich zusammenraufen, wenn sie verhindern wollen, dass ihre Erziehung aus dem Ruder läuft. Denn dauerhafte Uneinigkeit schadet nicht nur dem Kind und behindert Orientierung und Vorbildfunktion. Sie schadet auch den Eltern selbst, denn die Beziehung leidet darunter.


Am Anfang war der Vorwurf


So ganz stimmt das eigentlich nicht. Aber es ist grundsätzlich problematisch, wenn Auseinandersetzungen mit solchen Sätzen beginnen:

  • „Nie machst Du das, was ich sage ...“
  • „Du liebst mich gar nicht, sonst würdest Du …
  • „Wenn Du wenigstens einmal ...“

Es ist alles andere als optimal, wenn sich zwei Menschen in einer Erziehungsfrage nicht einig sind und das Gespräch darüber mit einem Vorwurf beginnt. Psychologen sagen, dass hinter jedem Vorwurf ein Wunsch steckt. Sie raten dazu, das auch so zu artikulieren, denn so fühlt sich niemand angegriffen. Allerdings funktioniert das Ganze nur dann, wenn klar ist, was hinter den Vorwürfen steckt. Denn das harmonischste „Ich-wünsche-mir-von-dir ...“ kann nur gelingen, wenn Vorwürfe, die schon länger gefühlt im Raum stehen, aus dem Weg geräumt wurden. „Nie machst Du, was ich sage ...“ lässt vermuten, dass da etwas schwelt, was zunächst einmal behoben werden muss. Danach kann man sich den Erziehungsfragen, oder besser: den Erziehungswünschen widmen.


In der Ruhe liegt die Kraft

Von der Geburt des Kindes bis zu dem Tag, an dem es in die erste eigene Wohnung zieht, ist es ein langer Weg. Grund genug für Sie, sich mit wichtigen Erziehungsfragen gemeinsam die Zeit zu nehmen, die Sie brauchen. Es kann sehr einfach sein, Sie stellen fest, dass bereits nach kurzer Zeit ein klarer gemeinsamer Weg eingeschlagen werden kann. In anderen Fragen dagegen müssen Sie sich länger mit einer Thematik auseinandersetzen. Wenn das so ist, dann akzeptieren Sie das auch so. Solange beide Elternteile das Ziel vor Augen haben, eine Lösung zu finden, stehen die Chancen gut, dass es auch gelingt. Ohne Vorwürfe, aber mit vielen konstruktiven Ansätzen.


Bloß keine „Mauschelei“

Es gehört zu den ganz unangenehmen Dingen, die einem Kind widerfahren können. Und man kann es drehen und wenden, wie man will, es ist ein ganz klarer Erziehungsfehler. Die Rede ist vom „Verbünden“ mit dem Kind. Die Anführungszeichen sind hier ganz bewusst gesetzt, denn ein tatsächliches Verbünden findet nicht statt.

Ein Beispiel: Ihr Sohn will eine Action-Serie im Fernsehen anschauen, Ihre Partnerin (die nicht zuhause ist) hat sich aber kategorisch dagegen ausgesprochen. Wenn Sie nun Ihrem Sohn erlauben, den Fernseher trotz des mütterlichen Verbotes einzuschalten und mit dem Hinweis garnieren „Aber davon sagst Du Deiner Mutter nichts!“, bringen Sie Ihren Sohn in einen schlimmen Loyalitätskonflikt. Er wird sich hin- und hergerissen fühlen und empfindet dieses „Verbünden“ keinesfalls als Ehre, sondern als Last.

Wer zu solchen Methoden greift, lenkt von etwas ganz anderem ab, mit dem er sich auseinandersetzen muss. Und zwar von der Tatsache, dass es keine gemeinsame Erziehungslinie gibt. Darüber hinaus gesteht er sich nicht ein, dass er nicht in der Lage ist, seine Vorstellung von Erziehung der Partnerin gegenüber zu äußern. Das Kind wird instrumentalisiert, um von der eigenen Inkonsequenz abzulenken. Dieser Fall ist ein Paradebeispiel dafür, was für Auswirkungen misslungene Erziehungsmaßnahmen auf Kinder haben können. Daher hier lieber bei der gemeinsamen Linie bleiben.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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