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3 August, 2013 - 11:20
 

Vielleicht morgen, Schatz! – Der erste Sex nach der Geburt

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind gerade Vater geworden. Vierzig Wochen haben Sie Ihrer Partnerin tapfer zur Seite gestanden und viel Verständnis für alle Befindlichkeiten Ihrer schwangeren Frau gezeigt. Jetzt wird es wieder Zeit für ein normales Leben. Für ein normales Sex-Leben zum Beispiel. Medizinisch gesehen spricht drei bis vier Wochen nach der Entbindung nichts dagegen, wieder miteinander zu schlafen, vorausgesetzt, es bestehen keine geburtsbedingten Beschwerden. Soweit die Theorie. Die Praxis stellt sich meist ganz anders dar.

© Syda Productions - Fotolia.com

Liebe Neu-Väter, bitte stellen Sie sich doch einmal folgende Situation vor:

Die Geburt Ihres Kindes ist nun einige Wochen her und Sie kommen eines Abends von der Arbeit nach Hause. Noch bevor Sie die Wohnungstür aufschließen können, öffnet sich diese wie von Zauberhand und Ihre Frau schaut Ihnen erwartungsvoll entgegen. Bekleidet mit einem Hauch von Nichts stürmt Ihre Partnerin auf Sie zu, und noch ehe Sie etwas sagen können, flüstert sie: „Endlich bist Du da!“ Voller Verlangen reißt sie Ihr Hemd auf – sinnlicher Parfümduft steigt in Ihre Nase. Wieder und wieder bedeckt Ihre Geliebte Sie mit feurigen Küssen. Ein Kerzenmeer weist Ihnen den Weg ins Schlafzimmer und dann heißt es für Sie…AUFWACHEN!!!

Wie schon erwähnt, Sie sind gerade Vater geworden. Vermutlich wird Ihre Begrüßung ganz anders ausfallen. Natürlich werden Sie die Zeit haben, die Wohnungstür aufzuschließen, denn erwarten wird Sie erst einmal keiner. Statt Kerzen werden Sie einem entzückenden Durcheinander von Babyspielzeug begegnen – Ihre Partnerin werden Sie wahrscheinlich im Kinderzimmer vorfinden. Statt Reizwäsche werden wohl eher Jogginghose und T-Shirt ihren Körper umschmeicheln. Auch der betörende Parfümgeruch wird einer aromatischen Mischung aus Babycreme und voller Windel zum Opfer fallen. Möglicherweise sagt Ihre Partnerin tatsächlich: „Endlich bist Du da!“ Allerdings meint sie das völlig anders als in unserer ersten Version. Klar wird Ihnen das spätestens dann, wenn Ihre Frau Ihnen anschließend das brüllende Kind in den Arm legt und sagt: „Jetzt bist du mal dran. Ich will jetzt wenigstens kurz duschen gehen…“


Zugegeben, auch diese Ausführung ist etwas überzogen geschildert – dennoch dürfte sie erheblich näher an der Wahrheit liegen als der erste Fall.
Liebe Väter, es ist traurig aber wahr: Sex und Erotik spielen in der ersten Zeit nach der Geburt Ihres Kindes für Ihre Partnerin nur eine sehr untergeordnete Rolle. Leider! Und das Allerschlimmste ist: Sie können nichts dagegen tun! Fast nichts.

 

Was ist nach einer Geburt anders?

Nach der Geburt eines Kindes verändert sich nicht nur der weibliche Körper, sondern auch das bisherige Leben der Frau und ihres Partners.
Viele Frauen sind körperlich erschöpft und müde von den Anstrengungen der Geburt.

Unmittelbar nach der Entbindung zieht sich bei Frauen die Gebärmutter wieder zusammen – parallel dazu werden Blut und Schleim ausgeschieden. Dieser sogenannte „Wochenfluss“ dauert etwa sechs Wochen.  Während dieser Phase verheilen meist auch eventuelle Schnitte oder Wunden. Der Hormonhaushalt passt sich nun den neuen Umständen an – psychische Veränderungen sind dabei die zwangsläufige Folge.

In dieser Zeit wird Ihre Beziehung auf eine harte Belastungsprobe gestellt, denn die ständige Beanspruchung Ihrer Frau durch das Baby führt zu weiterer Müdigkeit und Erschöpfung. Und damit fehlt natürlich auch die nötige Energie für sexuelle Aktivitäten.

Dazu kommt noch, dass  die permanente Nähe zwischen Mutter und Baby die Bedürfnisse Ihrer Frau nach Berührung und Zuneigung weitestgehend abdeckt.
So gesehen ist es also kein Wunder, dass das sexuelle Verlangen Ihrer Partnerin zunächst auf einen historischen Tiefpunkt sinkt und Sie auf verlorenem Posten stehen. Zumindest sexuell gesehen.

Viele Männer können es kaum erwarten,  endlich wieder mit ihrer Partnerin sexuelle Phantasien auszuleben. Das ist verständlich, denn meist liegt eine lange Zeit der Sex-Abstinenz hinter ihnen. Allerdings ist dies leichter gesagt als getan und es gilt einiges zu beachten.


Das erste Mal nach der Geburt

Eines vorweg: Schlafen Sie erst wieder miteinander, wenn beide dies auch wollen. Sie sollten sich darauf einstellen, dass dies ein wenig wie beim „ersten Mal“ sein wird, denn möglicherweise haben sich sogar die sexuellen Vorlieben geändert. Versuchen Sie, sich behutsam neu zu entdecken und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse mit denen des Partners abzustimmen.
Und vergessen Sie eines nicht: Sexualität heißt nicht automatisch Geschlechtsverkehr. Gemeinsames  Schmusen, Streicheln oder Küssen gehören ebenso dazu. Gerade in der ersten Zeit nach der Geburt ist dies sehr wichtig, um sich „noch näher“ zu kommen.

Sollte es dann soweit sein, empfiehlt es sich, ein Gleitgel aus der Drogerie oder Apotheke parat zu haben - bei vielen Frauen ist durch die hormonelle Umstellung die Scheide etwas trockener.

Übrigens, ganz und gar nicht zu empfehlen ist die Planung eines solchen Abends. Die Lust auf Sex können Sie nicht auf eine bestimmte Uhrzeit legen und die Launen Ihres Babys sind
ohnehin unberechenbar. Da ist Stress vorprogrammiert und oftmals ergibt dann ein Wort das andere.
Gerade in der ersten sexuellen Annäherungsphase nach der Geburt Ihres Kindes können falsche Äußerungen des Partners ( da reicht auch manchmal schon die falsche Tonlage) verheerende Auswirkungen auf den (geplanten) schönen Abend haben. Bedenken Sie eines: Die Situation ist angespannt!
Auf der einen Seite stehen Sie als Vater, der endlich mal wieder zum „Zug“  kommen will (und froh ist, dass es endlich soweit ist). Auf der anderen Seite ist da Ihre Partnerin, welche nun den Schalter zwischen „Mama“ und „Geliebter“ umlegen muss. Und das ist nun einmal nicht so leicht.
Ihrer Partnerin werden in diesem Moment tausend Dinge durch den Kopf gehen. Das Baby, der Haushalt, das eigene Aussehen und die Angst vorm „ersten“ Mal – das alles sind Dinge, die Ihre Partnerin beschäftigen (können). Seien Sie also nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt, wie sie beide sich das gewünscht haben. Mit Unverständnis oder sogar Wut auf eine solche Situation zu reagieren, bringt Sie Ihrem Ziel kein Stück näher und belastet die familiäre Beziehung zusätzlich.


Ihre Frau braucht in der ersten Zeit nach der Geburt vor allem eines – einen zuverlässigen Partner. Und der sind Sie. Nutzen Sie die ersten Wochen nach der Entbindung und werden Sie zum Seelenverwandten Ihrer Frau. Etwas erzwingen oder forcieren zu wollen ist der falsche Weg und führt zu gar nichts. Natürlich geht es auch um Ihre männlichen Bedürfnisse und Sehnsüchte, ganz klar. Sprechen Sie mit Ihrer Frau darüber und signalisieren Sie ihr aber auch gleichzeitig Geduld und Verständnis. Mehr können Sie nicht tun. Und mehr sollten Sie auch nicht tun. Wenn Sie dies beherzigen, steht schon bald einem erfüllten Liebesleben nichts mehr im Weg.


P.S.: Noch ein kleines Trostpflaster für alle Väter zum Schluss:

Bei etwa der Hälfte aller Paare ist die sexuelle Beziehung nach der Geburt eines Babys dieselbe wie zuvor – bei einigen wird sie sogar besser…



P.P.S.: Viel Glück, Mann! Die erste Zeit wird hart – aber es lohnt sich. Ganz sicher.
 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de