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10 September, 2012 - 10:45
 

Hausaufgaben als Wochenendvater: Muss das sein?

Wochenendvater. Das ist schon schwer genug. Das bisschen Zeit, das geschiedene Väter mit ihren Kindern verbringen können, sollte nicht auch noch durch so etwas Anstrengendes wie Hausaufgaben verplempert werden. So könnte man argumentieren. Aber stimmt das wirklich? Müssen nicht auch Wochenendväter bereit sein, am Wochenende ein wenig Alltag mit einfließen zu lassen? Die Geister scheiden sich an dieser Frage.

© Tatyana Gladskih - Fotolia.com

Endlich Wochenende! Und es geht zu Papa, da freut sich der Nachwuchs. Wenn Sie als Vater warten mussten, bis Ihre Zeit wieder gekommen ist, haben Sie sicher einiges vor mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter. Ein Ausflug in den Tierpark wäre eine Idee, Spaß im Schwimmbad oder Kino, vielleicht auch Ausflüge mit dem Nachwuchs und seinen Freunden. Hausaufgaben haben in diesem zeitlich engen Rahmen da meist keinen Platz. Das Kind freut's, die Mutter dagegen reagiert oft missmutig, weil die unangenehmen Arbeiten an ihr hängen bleiben. Wer hat denn nun recht?

 

Die Sicht der Mutter

Wenn Sie als Vater nicht mehr zum Alltag gehören, übernimmt das naheliegenderweise Ihre Ex-Partnerin, wenn das Kind bei ihr lebt. Einerseits macht genau dieser Alltag einen wichtigen Teil der Beziehung zum Kind aus. Andererseits gehört zu diesem Alltag auch Stress, fehlende Zeit, Druck in der Schule, im Beruf. Trotzdem muss die Mutter alles regeln und unter einen Hut bringen. Die wenigen Gelegenheiten, die sich bieten, um die Seele baumeln zu lassen und Freizeitunternehmungen zu machen, halten sich in engen Grenzen. Für die Ex-Partnerin ist es daher selbstverständlich, dass Sie als Wochenendvater auch Aufgaben übernehmen, die nicht unbedingt in den Freizeitbereich fallen. Hausaufgaben gehören diesem Verständnis nach natürlich auch dazu. Wenn man sich miteinander abspricht, bleibt noch genügend Zeit für die schönen Dinge des Lebens.

 

Die Sicht des Vaters

Was für die Ex-Partnerin zur Belastung wird, fehlt Männern häufig. Auch wenn das Alltagsgeschehen viele unangenehme Aktivitäten beinhaltet, so bedeutet es doch auch, teilzuhaben an der gesamten Entwicklung des Kindes. Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass am Wochenende plötzlich all das Alltägliche nachgeholt werden muss. Väter, die ihre Kinder nur jedes zweite Wochenende sehen (oder wie auch immer die Absprachen geregelt sind), sehen meist nicht ein, ihre Zeit mit Hausaufgaben oder ähnlichen Dingen zu füllen. Zum Teil ist diese Abwehrreaktion auch noch Überbleibsel der Verletzung, die durch die Trennung entstanden ist. Man könnte es als Abwehr- oder sogar Racheakt verstehen, getreu dem Motto „Du wolltest es schließlich so, nun sieh zu, wie Du damit zurecht kommst“. Natürlich ist das nur ein Teil der Wahrheit, die Tatsache, dass die Zeit mit dem eigenen Kind begrenzt ist, führt dazu, sie möglichst schön und ohne Ärger gestalten zu wollen.

 

Die Sicht des Kindes

Kinder können sehr pragmatisch sein. Und sie nutzen durchaus Stimmungen und Schwingungen für sich. Das ist nicht verwerflich, sondern nur nachvollziehbar, denn die wenigsten Kinder lassen eine Gelegenheit aus, um den Hausaufgaben zu entgehen. Das Zusammensein mit dem Wochenendvater bietet sich dafür geradezu an. Die Argumentation liefern in vielen Fällen die Väter selbst, Kinder brauchen nur noch darauf anzuspringen. Es wäre vermessen und naiv, würde man dem eigenen Kind die Verantwortung zutrauen (oder sie gar erwarten), dass Hausaufgaben am Wochenende wichtig seien. Erst recht dann nicht, wenn ab Sonntagabend die nächste Zeit des Wartens auf den Papa beginnt. Das Kind will Spaß mit seinem Vater haben, wenn es endlich wieder mit ihm zusammen sein kann. Nicht mehr. Aber eben auch keinesfalls weniger.

 

Wie es gehen kann

Man kann weder sagen, dass Hausaufgaben für den Wochenendvater ein Tabu wären noch dass sie unbedingt zum Programm gehören müssen. Grundlage dieser Entscheidung ist zunächst einmal das Verhältnis zur Ex-Partnerin. Ist das angespannt, stehen die Chancen schlecht, zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen. Der Grund wurde bereits angedeutet: Hausaufgaben können zum Mittel zum Zweck werden und in ihrer Bedeutung schnell in den Hintergrund rücken, wenn andere „Kriegsschauplätze“ nicht behandelt wurden. Tatsächlich ist es einfacher, zu einem guten Weg zu kommen, wenn die Beziehung sich nach einer gewissen Zeit stabilisiert hat und nicht mehr durch die vergangene Trennung dominiert wird. Ist das der Fall, kann über die Notwendigkeit gemeinsam auf einer anderen Basis entschieden werden. Es gibt nämlich durchaus Mittelwege.

 

  • Beide Partner können sich die Hausaufgaben am Wochenende teilen. So bleibt für beide Elternteile Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens, dennoch nehmen beide an der schulischen Entwicklung teil.
  • Eine gute Planung zwischen dem Montag und dem Freitag kann es überflüssig machen, an Wochenenden überhaupt Hausaufgaben erledigen zu müssen. Das kann auch bedeuten, dass - wenn es logistisch möglich ist – Sie als Vater in der Woche bei Ihrem Kind Zeit verbringen, um einen Teil der Hausaufgaben zu erledigen.
  • Hausaufgaben mögen für das Kind ein Übel sein, auf das es gern verzichten kann. Trotzdem kann man selbst sie „geschickt verpacken“. Wenn Sie selbst die Ausstrahlung haben, dass Hausaufgaben das Schlimmste auf der ganzen Welt sind, wird der Funke auch auf Ihr Kind überspringen. Die ganze Sache wird zur Quälerei.
  • Verabschieden Sie sich von der Vorstellung der absoluten Ausgewogenheit! Wenn Ihr Kind bei der Ex-Partnerin lebt, wird sie einen größeren Teil der Hausaufgaben mit dem Kind erledigen. Ist die Beziehung zur Ex-Partnerin einigermaßen im Lot, werden beide zum Schluss kommen, dass man sich zwar aufteilen kann, aber sicher nicht zu gleichen Teilen, dafür fehlt einem Wochenendvater faktisch einfach die nötige Zeit.

 

Alles halb so schlimm

Aus Hausaufgaben eine tolle Sache zu machen, auf die Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind am Wochenende freuen, ist wohl eher ein kläglicher Versuch, mit der Thematik umzugehen. Das Ganze zu dramatisieren ist jedoch auch keine Lösung. Die richtige Dosierung und Mischung macht es letztlich. Wenn Sie es geschafft haben, gemeinsam mit Ihrer Partnerin zu festen Absprachen zu kommen, wird auch Ihr Kind diese Regelmäßigkeit anerkennen. Und wenn Sie einen großen Ausflug am Wochenende planen, können die Schulsachen einfach mal in der Schultasche bleiben. Im besten Fall sogar als gemeinsamer Beschluss der ganzen Familie.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de