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14 Dezember, 2014 - 23:07
 

Weihnachten als geschiedener Vater – mit oder ohne Kinder

Die schönste und besinnliche Zeit des Jahres kann sich zu einer echten Qual entwickeln. War das Weihnachtsfest früher, als die Familie noch zusammen und intakt war, etwas Wunderschönes, gilt das für geschiedene Väter meistens nicht. Im besten Fall findet sich mit der Ex-Partnerin noch ein Weg, ein schönes Weihnachtsfest zu gestalten. Im schlimmsten Fall sitzt man als Vater allein zuhause. Eine mehr als deprimierende Vorstellung.

© Peter Atkins - Fotolia.com

Besonders wenn es sich um das erste Weihnachten nach der Trennung handelt, ist die Situation meist mehr als verfahren. Zum einen ist die Umstellung enorm, denn noch vor 365 Tagen war vermeintlich alles in Ordnung, es wurde mit der ganzen Familie gegessen, eine Bescherung gemacht und vielleicht zusammen etwas gespielt. Jetzt aber ist alles anders. Zum anderen ist die Trennung noch nicht lange her, das kann bedeuten, dass Absprachen, die im Interesse aller liegen, womöglich noch nicht funktionieren. Bevor Sie vor lauter Frust zuhause und alleine vor dem Fernseher enden, sollten Sie Maßnahmen ergreifen. Doch welche können das sein?


Die Steigerung von „schlimm“

Sicherlich ist es grauenvoll, wenn man zu Weihnachten keinerlei Möglichkeit hat, seine Kinder zu sehen. Andererseits ist es auch nicht im Sinne des Erfinders, wenn womöglich an Heiligabend das passiert, was zur Trennung geführt hat: Streit mit der Ex-Partnerin. Wenn die Verletzungen noch groß sind und ein friedliches Mit- oder zumindest Nebeneinander einfach noch nicht klappen kann, sollten Sie vielleicht besser darauf verzichten, Weihnachten unbedingt im Kreis der Familien verbringen zu wollen, selbst wenn es nur ein paar Minuten sind.

Doch auch wenn Sie sich mit Ihrer Ex-Frau darauf geeinigt haben, kurz vorbeizukommen, ein bisschen mit Ihrem Kind zu spielen und Ihr Geschenk zu überreichen, muss das nicht zwingend gut sein. Bevor Sie sich mit diesem Gedanken beschäftigen, sollten Sie sich überlegen, ob Sie dafür schon genügend Abstand haben. Immer wieder berichten Väter davon, wie schrecklich sie sich dabei gefühlt haben, als Gast in der ehemals gemeinsamen Wohnung zu sein. Das Schmücken des Weihnachtsbaums oder das Vorbreiten des Essens kann zur Tortur werden, wenn man als Vater plötzlich feststellt, dass man all das nur noch als Außenstehender beobachten kann - und womöglich der eigene Nachfolger Aufgaben übernimmt, wofür man selbst früher zuständig war.


Das Fest der Harmonie

Alles ist möglich. Auch das harmonische Fest, wenn man nicht mehr zusammenlebt. Allerdings muss zunächst einmal viel Zeit vergehen, bis alle in der Lage sind, sich zu Weihnachten zu treffen und gemeinsam miteinander zu feiern. Schließlich geht es nach der Trennung erst einmal darum, das Leben neu aufzubauen, das eigene, aber auch den Umgang mit der Ex-Partnerin und den Kindern. Dennoch ist es möglich. Im besten Fall trifft man sich zu Weihnachten nicht nur zusammen mit der Ex-Partnerin, sondern sogar mit dem neuen Partner. Was zunächst wie ein unmögliches Unterfangen erscheint, ist durchaus machbar, und zwar ohne dass irgendjemand darunter leidet. Es setzt aber nicht nur eine gewisse Reife voraus, sondern auch, dass die „schmutzige Wäsche“ vergangener Tage endgültig eliminiert werden konnte.


Weihnachten ist nicht nur Heiligabend

Wenn es nicht möglich oder nicht ratsam ist, Weihnachten gemeinsam zu feiern, gibt es natürlich auch den Mittelweg. Schließlich findet Weihnachten nicht nur an Heiligabend statt, der erste und der zweite Weihnachtstag haben nicht minder festlichen Charakter. Wenn Sie aber mit Ihrer Ex-Partnerin verabreden können, dass einer der beiden Feiertage Ihnen „gehört“, können Sie so mit Ihrem Kind oder den Kindern doch noch Weihnachten feiern - und zwar mit allem Drum und Dran, also mit Weihnachtsbaum, Festessen und natürlich einer schönen Bescherung. Dieser scheinbare Ausweichtag kann sich zu einem festen Bestandteil des Festes entwickeln und fast genauso wichtig werden wie der Heilige Abend. 


Wenn nichts geht: Ausgehen

Machtkämpfe mit der Ex-Partnerin sind immer eine Belastung. Für alle Beteiligten, vor allem aber für die Kinder. Machtkämpfe, die sich auch über die Weihnachtszeit erstrecken, sind noch schlimmer, denn für Kinder ist Weihnachten nun einmal ein ganz besonderes Fest. Es kann also eine weise Entscheidung sein, wenn Sie nicht um jeden Preis ein gemeinsames Fest erzwingen. Andererseits müssen Sie nicht nur Verantwortung für Ihr Kind haben, Sie müssen auch auf sich selbst aufpassen. Das Weihnachtsfest ganz alleine zu verbringen, kann zu erheblichen Depressionen führen, und auch wenn Sie vielleicht denken, dass Sie davor gefeit sind, sollten Sie diese Gefahr nicht aus den Augen verlieren.

  • Bevor Ihnen die Decke auf den Kopf fällt und Sie in Frust und Traurigkeit ausbrechen, gehen Sie lieber aus. Gerade zu Weihnachten finden viele Veranstaltungen statt, schließlich sind wir ein Land vieler Singles, das Angebot ist groß. Der Versuch, gerade am Weihnachtsfest womöglich die neue große Liebe kennenzulernen, ist zwar nicht ausgeschlossen. Mit diesem Vorsatz sollten Sie das Haus aber besser nicht verlassen.
  • Es gibt auch Veranstaltungen, die sich speziell an Scheidungseltern richten. Wenn Sie die Trennung noch nicht verarbeitet haben und an Weihnachten besonders leiden, kann es sinnvoll sein, sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Geteiltes Leid ist eben tatsächlich zuweilen halbes Leid.


Das ganze Leben im Eimer?

Selbst Väter, die eigentlich geglaubt hatten, mit der Trennung gut fertigzuwerden, verfallen regelmäßig an Weihnachten in schwere Glaubenskrisen. Das geht so weit, dass das gesamte Lebenskonzept infrage gestellt wird. Gerade wenn scheinbar die ganze Welt Glück und Zufriedenheit empfindet, sitzt man als Vater allein zuhause und hat das Gefühl, dass alles, wofür man ein Leben lang gekämpft hat, gescheitert und sinnlos geworden ist.

Es gibt Rahmenbedingungen, die Gefühle - schöne, aber auch weniger schöne - verstärken. Weihnachten gehört ganz sicher zu diesen Rahmenbedingungen. Wenn Sie feststellen, dass die Atmosphäre dieses Festes an Ihnen nagt, sollten Sie besser nicht das ganze Leben auf den Prüfstand stellen. Versuchen Sie besser, mit der Situation so gut wie möglich umzugehen. Am 5. oder 6. Januar sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und vielleicht wartet im nächsten Jahr ein besseres Weihnachtsfest auf Sie.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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