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14 August, 2015 - 11:33
 

Die Angst vor dem Vaterwerden – schaffe ich das alles?

Durch die Geburt eines Kindes verändert sich das Leben von Grund auf. Für die Frau - aber auch für den Mann. Die Tatsache, dass sich das Männerbild in den letzten Jahrzehnten immer wieder verändert hat, führt nicht nur zu fortschrittlichem Denken und mehr Selbstbewusstsein. Es bedeutet auch Verunsicherung und Angst. Angst davor, der immer komplexer werdenden Rolle als Vater womöglich nicht gewachsen zu sein.

© Mumpitz - Fotolia.com

Der erste Impuls ist bei den meisten Männern der gleiche, wenn sie erfahren, dass sie Vater werden. Es ist ein Gefühl des Stolzes und der Vorfreude. Dabei spielt nicht nur der Fortpflanzungstrieb eine Rolle, sondern auch das Wissen, dass man dabei sein wird, wenn ein menschliches Wesen aufwächst. Man begleitet das Kind, sieht, wie es sich entwickelt und versucht, die Hilfe zu geben, die das Kind braucht, um ein ausgefülltes und glückliches Leben zu führen. Doch diese verklärte Sicht der Dinge ist nur die eine Seite.

 


Die „andere“ Frau


Es ist bekannt, dass die Frau sich verändert, wenn sie schwanger ist. Neben rein biologischen Faktoren kommen oft Stimmungsschwankungen hinzu, zuweilen recht ungewöhnliches Essverhalten und natürlich die Veränderung der Figur. Für Sie als Mann ist es nur bis zu einem gewissen Punkt möglich, die Veränderungen der Frau nachzuvollziehen. Selbst der einfühlsamste Mann ist doch letztlich außenstehend und muss auf seine Art mit der „anderen Frau“ zurechtkommen, mit der er von nun an zusammen ist. Die lustige Vorstellung vom Appetit auf Gurken mit Nutella mag hin und wieder zutreffen, ist jedoch eher der Phantasie von Hollywood-Filmemachern entsprungen. Faktisch ist es für Männer schwer, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Spätestens, wenn auch das Sexualleben während der Schwangerschaft nachlässt oder eine Weile komplett einschläft, fühlt sich ein Mann ausgeschlossen. Bevor er also sein Kind in den Armen halten kann, muss er sich mit den körperlichen und seelischen Veränderungen der Partnerin beschäftigen. Übelkeit, überempfindliche Brüste, Sexunlust und zahlreiche andere Beschwerden vermischen die Vorfreude mit der Angst und dem Gefühl des Nicht-dabei-Seins.

 


Vaterwerden: nichts für Weicheier?


Das Bild des souveränen Mannes, der die Geburt des Kindes mit Ruhe und Gelassenheit betrachtet, ist ein antiquiertes. Und eines, das nie stimmte. Früher mag vom Mann erwartet worden sein, dass er der starke Part bei einer Schwangerschaft ist. Doch er war es nie. So gesehen ist es nur gut und richtig, dass in der heutigen Zeit der Mann zu seinen Gefühlen und Ängsten stehen kann. Gleichzeitig bedeutet es aber auch für beide Partner neue Herausforderungen, denn nur gemeinsam kann die Zeit der Schwangerschaft erfolgreich gemeistert werden. Die Veränderungen von Mann und Frau bedingen sich gegenseitig. Und sie führen oft zu Streit oder sogar Krisen während der Schwangerschaft. Dem können nur beide gemeinsam begegnen, indem sie sich tolerant und kompromissbereit zeigen. Bei allem Verständnis für die Partnerin ist es durchaus erlaubt, auch Ihre eigenen Probleme in den Raum zu stellen. Eine funktionierende Partnerschaft wird diese Herausforderungen meistern.

 


Ist genug Liebe für das Kind da?


Über kurz oder lang stellt sich wohl jeder Mann die Frage, ob er ein guter Vater sein wird, ob er überhaupt genügend Liebe in sich trägt, um ein Kind großzuziehen. Diese Frage ist nicht nur erlaubt, sie zeugt von Verantwortungsgefühl und Ihrer Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen. Ist das Kind jedoch erst einmal auf der Welt, zeigt sich schnell, wie unfassbar viel Liebe ein Vater in sich trägt. Sie spüren es, wenn Sie das Neugeborene das erste Mal in den Armen halten, das Gefühl ist überwältigend. Aber diese Erfahrung kann man weder vererben noch erklären. Man muss sie einfach machen.

 


Die Schwangerschaft: mittendrin statt nur dabei


Geburtsvorbereitungen sind für beide Partner wichtig und hilfreich. Es ist auch für Sie als Mann bedeutsam, über richtige Atemtechniken informiert zu werden, um die Wehen erträglicher zu machen. Oder Massagetechniken kennenzulernen, die Schmerzen der Frau lindern. Wie bei der Krisenbewältigung geht es um das gegenseitige Verständnis, sozusagen ein neues Kennenlernen zwischen Mann und Frau. Der positive Begleiteffekt ist nicht nur besseres Wissen und Zusammenhalt, sondern auch das Gefühl, nicht „außen vor“, sondern Teil eines großartigen Prozesses zu sein: dem Entstehen von Leben.

 


Bilder gegen die Angst


Eine Schwangerschaft ändert alles. Aber das muss nicht zwingend Angst und Unsicherheit auslösen. Man kann das Neue auch positiv nutzen.

 

  • Ultraschallbilder machen aus einer abstrakten Schwangerschaft etwas ganz Reales. Wenn Sie diese Bilder sehen und auch noch die Herztöne des Kindes hören, finden Sie einen ganz anderen Zugang zu dem, was da heranwächst.
  • In den letzten Monaten vor der Geburt ist das Baby sehr aktiv, es „klopft“ häufig gegen die Bauchdecke. Für den Mann führt das nicht selten zu geradezu kindlicher Begeisterung und dem Verlangen, dem Nachwuchs Kinderlieder vorzusingen.
  • Schwangerschaften bedeuten nicht automatisch das vorübergehende Ende von Sex. Allerdings ist mit fortschreitender Dauer und einem dicken Bauch Fantasie gefragt. Unter Umständen ist es für Ihre Partnerin auch schöner, gestreichelt zu werden, statt Geschlechtsverkehr zu haben. So oder so: Sex löst weder vorzeitige Wehen aus noch gefährdet er das Kind, wie angehende Väter immer wieder befürchten.

 


Jörg Wellbrock, 44, arbeitet als freier Texter und Autor. Neben seinen  hauptberuflichen Texten verfasst er Satiren, Gedichte und  Kurzgeschichten Er tritt regelmäßig auf literarischen Lesungen auf.
Wellbrock ist geschieden und hat einen 15-jährigen Sohn.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de