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4 Juni, 2013 - 02:45
 

Frauen im Wochenbett – was Männer wissen sollten

Das Wochenbett ist die erste Zeit nach der Geburt, in der Mutter und Kind sich von der Geburt erholen, sich aneinander gewöhnen und in den Alltag finden. Männer bleiben da leicht mal außen vor – und werden unter Umständen mit ihnen unverständlichen Dingen konfrontiert. Vaterfreuden bringt Licht ins geheimnisvolle Dunkel.

© Friday - Fotolia.com

Mag unsere Zeit so schnelllebig sein wie sie will, manche Dinge brauchen ihre Zeit. Nach einer Geburt müssen Wunden heilen – meist sind sie körperlich, manchmal auch seelisch. Je mehr Ruhe sich Mütter im Wochenbett gönnen, umso kraftvoller und gestärkter können sie anschließend die neuen Herausforderungen im Alltag meistern.

 

Ruhe für Mutter und Kind

Insgesamt geht die Wochenbettzeit über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Das hört sich lange an, reicht aber gerade mal so aus, damit die frischgebackenen Mütter wieder zu Kräften kommen und mit den Umstellungen fertig werden. Allerdings gönnen sich viele Frauen diese Zeit heute gar nicht mehr, als mehrfache Mutter kommt ein so langes Wochenbett ohnehin kaum in Frage. Frauen, die sich zu früh wieder ins „ganz normale Leben“ stürzen, bezahlen allerdings häufig einen recht hohen Preis: Übermüdung, die gefürchteten Wochenbettdepressionen, Probleme beim Stillen oder sogar ein Wochenflussstau können die Folge sein. Deshalb lautet die Devise: Immer schön langsam. Als Vater sollten Sie Ihre Partnerin in dieser Zeit so gut wie möglich unterstützen. Denn alle Kraft, die sie jetzt schöpfen kann, steht ihr später zur Verfügung.

 

Das Frühwochenbett – die ersten Tage nach der Geburt

Die Zeit, die als Wochenbett bezeichnet wird, ist in unterschiedliche Phasen aufgeteilt. In den ersten zehn Tagen nach der Entbindung sind die körperlichen und seelischen Umstellungen am kräftigsten. Deshalb sollten Frauen in dieser Zeit Haushalt Haushalt sein lassen und mit ihrem Baby im Bett bleiben. Körper und Seele können dann Anstrengungen und Umstellungen leichter und schneller verarbeiten:

 

  • Die Strapazen von Schwangerschaft und Geburt.
  • Der rasche Abbau der Schwangerschaftshormone und die damit verbundenen Stimmungsschwankungen.
  • Die Rückbildung der Gebärmutter, die ab dem zweiten Kind mit heftigen Nachwehen verbunden sein kann.
  • Der starke Wochenfluss.
  • Die ersten Stillversuche und die Milchbildung.

Handelt es sich um das erste Kind, kommt die Gewöhnung an das Gefühl des Mutterseins mit all den damit verbundenen Ängsten und Bedenken hinzu. Während der Phase der Bettruhe außerdem jede Menge Zeit für Körperkontakt und Zuwendung zum Kind. Als Vater bleiben Sie dort keinesfalls außen vor. Ganz im Gegenteil sollten auch Väter diese Zeit nutzen und ein wenig Wochenbettruhe genießen. Nie mehr später besteht die Möglichkeit, so leicht eine Bindung zum Kind aufzubauen. Durch Körperkontakt, durch Aufmerksamkeit, durchs Da-sein.

 

Wochenfluss, Dammnaht und andere Nachwehen

Der Wochenfluss dauert sechs bis acht Wochen und dient dazu, alle verbleibenden Reste aus der Gebärmutter zu spülen. Im Laufe der Zeit lassen die Blutungen mehr und mehr nach und der Wochenfluss wird heller bis klar. Diese Reinigungsphase findet übrigens auch bei einem Kaiserschnitt statt, kann dann aber kürzer und weniger heftig ausfallen. Frauen, die nicht stillen, bekommen oft sechs Wochen nach der Entbindung die erste Menstruationsblutung. Diese bedeutet in der Regel auch das Ende des Wochenflusses und selbstverständlich auch die erneute Empfängnisbereitschaft. Hat eine Frau in der Zeit des Wochenflusses zu viel Stress und Anstrengung, erkennt sie dies häufig daran, dass der Wochenfluss stärker und dunkler wird. Spätestens dann ist Ruhe angesagt.

Bei vielen Geburten kommt es zum Dammriss. Der Damm ist der Bereich zwischen Vagina und After. Kommt das Baby zu schnell oder hat es einen sehr großen Kopf, reißt dieser Bereich, um Platz zu schaffen. Nach der Entbindung wird der Riss genäht. Die Fäden werden zum Ende des Frühwochenbettes von der Hebamme gezogen, die Beschwerden der Frau an der Narbe dauern jedoch häufig noch erheblich länger an.

 

Im Spätwochenbett

Mit Beginn des Spätwochenbettes können Frau und Baby ganz langsam am Alltagsleben teilhaben. Ob und wie lange die Wöchnerin noch im Bett liegen bleibt, hängt auch vom eigenen Empfinden ab. Generell gilt gerade am Anfang dieser Zeit lieber zu viel Bettruhe als zu wenig. Vor allem der durch die Geburt überdehnte Beckenboden muss in den ersten sechs Wochen pfleglich behandelt und maximal geschont werden. Körperliche Anstrengung und langes Sitzen können zu einer gestörten Rückbildung und damit zu langfristigen Beschwerden für die Frau führen.

Die ersten acht Wochen nach der Geburt sollten Frauen sich zurückhalten, was Arbeiten im Haushalt und körperliche Anstrengungen angeht. Schwer heben ist ebenso tabu wie körperlich schwere Arbeit. Damit der Haushalt wenigstens einigermaßen im Griff behalten wird, sollten sich Frauen an die „Eine-Arbeit-pro-Tag“-Regel halten und selbstverständlich sollten Sie als Partner und Vater jetzt mithelfen, wo immer es geht. Mit der Rückbildungsgymnastik können Frauen sechs bis acht Wochen nach der Geburt beginnen, die Bauchmuskeln sollten erst nach etwa drei Monaten aktiv mit angesprochen werden.

 

Baby-Blues und Wochenbettdepression

Eine häufige Begleiterscheinung nach der Geburt ist der Baby Blues, ausgelöst wird diese melancholisch bis depressive Stimmung durch die hormonellen Umstellungen im Körper der Frau. Vor allem in den ersten Tagen sind Frauen häufig besonders empfindsam und schnell den Tränen nahe. Das mag auf den ersten Blick unnötig und lästig wirken, die hohe Sensibilität hat jedoch durchaus einen tieferen Sinn. Die Frau wird damit besonders empfänglich für die Stimmungen und Bedürfnisse des Babys und kann erspüren, was es braucht. Als Vater und Partner sollten Sie sich rücksichtsvoll und verständnisvoll verhalten und etwaige traurige Momente Ihrer Partnerin zwar ernst, aber nicht persönlich nehmen.

Frühzeitig reagieren sollten Sie, wenn sich eine Wochenbett-Depression anbahnt. Andauernde Traurigkeit und Antriebslosigkeit sowie große Ängstlichkeit sind die Anzeichen für diese psychische Erkrankung. Bemerken Sie diese Warnzeichen, dann ist die Hebamme die erste Ansprechpartnerin. Bis zu acht Wochen nach der Geburt kann sie ohne zusätzliche Kosten zur Nachsorge gerufen werden. Die Geburtshelferin kann durch ihr Fachwissen und ihr Verständnis leichtere Fälle von Wochenbett-Depression lösen. Bei ausgeprägteren Symptomen sollten Sie sich an einen Psychologen wenden. Entsteht die Depression als Folge einer schweren Geburt, dann helfen oft Gespräche mit anderen frischgebackenen Müttern. Ohnehin werden Sie erleben, dass Frauen, die entbunden haben, sich immer wieder und in allen Details die Geburt erzählen werden. Das hilft bei der Verarbeitung dieses zwar wunderschönen, doch aber häufig auch traumatischen Erlebnisses.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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