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29 Juli, 2011 - 13:32
 

Sind wir eigentlich schon bereit für ein Kind?- wenn sich Paare noch unsicher sind

Wann ist eine Beziehung stabil genug für ein Kind? Und was zeichnet eine stabile Partnerschaft überhaupt aus? Heißt solide Beziehung gleich bessere Elternschaft?

© WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

In etlichen TV-Formaten dieser Tage wird suggeriert, dass es Kindern von Alleinerziehenden, Patchwork-Geflechten oder auch zu jungen Eltern – sagen wir mal ganz vorsichtig – eher so „mittel“ geht. Pärchen mit Kinderwunsch, die sich diese Sendungen zu Gemüte führen, sitzen bisweilen geschockt vor dem Fernseher und fragen sich logischerweise: Ist unsere Beziehung eigentlich stabil genug für Nachwuchs? Schließlich will man nur das Beste für das Wunschkind.

 

Wir haben ja nicht ewig Zeit!

Vorbei die Zeiten, in denen man sich zum großen Teil in der Jugend kennen gelernt hat und – ob man wollte oder nicht – bis ans Lebensende verheiratet blieb. Und dementsprechend auch für Nachwuchs sorgte. Die Frage „Du Schatz, meinst du wirklich, dass unsere Beziehung schon stabil genug ist für ein Kind?“ konnte man sich bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts kaum vorstellen.

Heute, wo kinderwunschintegrierte Partnerschaften erst nach langen Phasen des Probierens und Austestens sowie oftmals auch erst in einem Alter von 30 plus eingegangen werden, sind solche Überlegungen häufig. Immerhin geben laut einer IfD-Umfrage 86 Prozent aller Befragten zwischen 16 und 44 Jahren an, dass eine stabile Beziehung als zweitwichtigste Voraussetzung für das Kinderkriegen angesehen wird. Höher bewertet wurde nur die Tatsache, dass sich beide Partner ein Kind wünschen.

 

Sicher ist sicher ist sicher

Für die so genannte Stabilität spielen also mehrere Faktoren eine Rolle. Sicherheit und Zukunftszuversicht ziehen viele Paare aus materiellen Umständen. Die Basis für die solide Beschaffenheit einer Beziehung wird quasi durch eine gesicherte pekuniäre Zukunft gefestigt. Um eine Familie gründen zu wollen, möchten sich viele Paare finanziell unabhängig und abgesichert sehen. Unter anderem deswegen, weil Elternschaft nicht mehr länger als uneingeschränkt erstrebenswertes Abenteuer als vielmehr eine Zeit der potentiellen Geldsorgen und finanziellen Einschränkung gesehen wird.

Dazu kommt natürlich das Bestreben, dass die beiden Neu-Elternteile in ihrer Ausbildung bzw. ihrem Job eine gewisse Sicherheit und Kontinuität erkennen möchten. Frauen oder Männer, die sich lediglich in einem befristeten Arbeitsverhältnis, einem Studium oder etwa einem Langzeit-Praktikum befinden, denken noch einmal genauer nach, ob man den Kinderwunsch nicht vielleicht doch hinten anstellt. Vor allem Frauen wird diese Entscheidung immer schwerer gemacht: Heißt doch eine Babypause oftmals zugleich den Anschlussverlust bzw. eine Herabsetzung der eigenen Qualifikation im Beruf. Aber auch Männer, die immer mehr die Möglichkeit der Vaterzeit annehmen, machen sich natürlich Gedanken darüber, wie es eben nach dieser Zeit weitergeht. Weitere Job-Begleiterscheinungen (Ist der Mann beruflich viel unterwegs? Hat er eine 60-Stunden-Woche?) spielen ebenfalls eine Rolle, um die Stabilität einer Partnerschaft zu bewerten. Die entscheidende Frage lautet dann oft „Job oder Familie?“, die so manches Paar vor einen langwierigen Entscheidungsprozess stellt.

 

Das Kind als „Projekt“

Während früher das Kinderkriegen ein natürlicher Begleitumstand einer Ehe war, ist es heute zu einer aktiven Entscheidung in einer Partnerschaft geworden. Ein Kind verändert – nicht nur in den Augen der Eltern – das Leben von Grund auf und stellt damit auch die Beziehung der Eltern auf eine harte Probe. Da man wahrscheinlich auch viele Beispiele aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis kennt, wo die Beziehung einer reinen Elternschaft gewichen ist, wird man – gerade im fortgeschrittenen Alter – stets skeptischer und prüft lieber noch einmal mehr die Standfestigkeit des reinen Duos.

Um die Kraft, die Geduld und auch den Mut aufzubringen, die das „Projekt Kind“ vermeintlich mit sich bringt, gilt vielen die stabile Beziehung als Bedingung. Das partnerschaftliche Zusammenfinden bis zu dem Punkt der Kind-Bejahung dauert dabei bei den einen länger, bei den anderen kürzer. Aber klar ist: Je älter das Paar ist, umso kürzer ist natürlich die Zeit, in der man die Beziehung auf Stabilität prüfen kann. Denn, so schlimm wie es auch klingen mag: Die biologische Uhr tickt! Dieses Gefühl empfinden Frauen naturgemäß intensiver als Männer. Und so kommt es dann häufig zu der Situation, dass Frauen dieses Thema schon früh im Laufe einer Beziehung ansprechen und Männer oftmals erst durch dieses Ansprechen auf das Thema gebracht werden. An diesem Punkt beweist sich meist schon ein gewisser Grad an Stabilität: Nämlich genau dann, wenn von der weiblichen Seite ein bedingungsloses „Ja“ kommt und von der männlichen ein unentschlossenes „Weiß noch nicht“. Sind Sie dann in Ihrer Beziehung schon so weit, dass Sie nicht nur die eigenen Interessen im Blick haben? Sind Sie bereit, sich auf intensive, oft langwierige Gespräche zu diesem Thema einzulassen? Können Sie auch auf die Wünsche und Hoffnungen des Partners eingehen? Ihn verstehen? Seine Argumente nachvollziehen? Hier wird sich entscheiden, wie gefestigt die Beziehung wirklich ist. Denn eines darf man nicht vegessen: Der Faktor „Kind – ja oder nein?“ ist einer der häufigsten Trennungsgründe überhaupt.

 

Verliebtheitsphasen abwarten

Deswegen: Wie unromantisch das auch klingen mag, so sollte man auf jeden Fall die akute Verliebtheitsphase vergehen lassen, um sich ernsthaft mit dem Thema Kinderkriegen auseinander zu setzen. Selbst wenn man glaubt, dass die Zeit drängt. In der ersten Zeit kann man sich ja kaum vorstellen, wie das Leben ohne den anderen sein könnte oder dass man sich jemals trennen könnte. Nüchternere Betrachtungen können Männlein wie Weiblein meist erst vornehmen, wenn ein wenig Zeit ins Land gestrichen ist und man die rosarote Brille auch mal wieder abzusetzen bereit ist.

Gerade weil der Kinderwunsch heute ein aktiver Prozess geworden ist, sollte man dies auch als Vorteil nutzen. Nämlich als Chance, gründlich und intensiv für sich, für seine Beziehung und nicht zuletzt für das Kind selbst nachzudenken. Denn ohne Zweifel ist es das Erstrebenswerteste, wenn Sie genau mit der richtigen Partnerin das ersehnte Familienglück komplettieren können. Und diese Beziehung auch die harten Proben einer Elternschaft übersteht.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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