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16 Januar, 2017 - 23:30
 

Unerfüllter Kinderwunsch – wenn der gemeinsame Traum zur Belastung wird

Verzweiflung macht sich breit, weil sich die lang ersehnte Schwangerschaft nicht einstellen will. Der unerfüllte Kinderwunsch ist allgegenwärtig, die Anspannung steigt, „gemeinsam“ schwanger zu werden. Darunter leidet nicht nur der Alltag, sondern unweigerlich auch die Beziehung. Wie können Sie als Paar damit umgehen und wann sollte der Mann medizinischen Rat einholen?

© WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Endlich haben Sie sich entschieden, gemeinsam das Abenteuer Elternschaft einzugehen, der perfekte Moment ist gekommen oder liegt eventuell sogar schon eine Weile zurück, aber das Vater- und Mutterglück will sich partout nicht einstellen. Häufig ist dann folgendes Szenario zu beobachten:

  • Verwunderung tritt ein, weil der Kinderwunsch unerfüllt bleibt
  • mit zunehmender Zeit wächst die Verunsicherung beider Partner, Gefühle wie Scham, Wut oder Ärger machen sich breit
  • das Vertrauen lässt nach, auf natürlichem Wege Kinder zu bekommen, die Suche nach empfängnisfördernden Maßnahmen beginnt (Ernährungsumstellung, Einnahme von Mineral- und Vitaminpräparaten, Sex nach Plan mit optimalen und abstinenten Zeiten)

Doch was tun? Es weiter probieren oder medizinischen Rat in Anspruch nehmen? Ein „richtig“ oder „falsch“ gibt es nicht. Vor allem sollten Sie sich als Paar einig sein und den zukünftigen Weg gemeinsam beschreiten.


Wann ist eine medizinische Untersuchung sinnvoll?

Dieser Frage sollten Sie nachgehen, wenn der Kinderwunsch auch nach einem Jahr, trotz regelmäßigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs, unerfüllt bleibt. Stellt sich auch im zweiten Jahr keine Schwangerschaft ein, ist eine medizinische Untersuchung ratsam. So kann die Unfruchtbarkeit der Frau oder die Zeugungsunfähigkeit des Mannes ausgeschlossen oder nachgewiesen werden.  

Interessant: Trotz medizinischer Ursachensuche lässt sich bei rund 15 Prozent der Paare kein genauer Grund für die bisherige Kinderlosigkeit finden. In so einem Fall kann es hilfreich sein, zusammen zur psychologischen Beratung zu gehen. Dafür stehen verschiedene Beratungsstellen (beispielsweise pro familia, AWO oder SKF) sowie niedergelassene Psychologen und Psychotherapeuten zur Auswahl.


Von wem lasse ich mich als Mann untersuchen, was erwartet mich dort?

Erste Anlaufstelle für Männer ist zunächst eine urologische oder eine andrologische Praxis. Dort erfolgen unter anderem:

  • die Untersuchung des äußeren Genitals,
  • ein Spermiogramm, bei dem die Spermienqualität beurteilt wird
  • und eine mikrobiologische Untersuchung auf Genitalinfektionen.

Für das Spermiogramm wird eine Spermienprobe benötigt. Die Vorstellung das Ejakulat in einer Arztpraxis abgeben zu müssen, mag unangenehm erscheinen. Daher kann es hilfreich sein, sich vorher über die Bedingungen der jeweiligen Praxis zu informieren. Manchmal ist es auch möglich, das Ejakulat zu Hause zu sammeln. Befragen Sie dazu Ihren Arzt. Allerdings dürfen bis zur Untersuchung der Samenprobe nur 60 Minuten verstreichen, um ein brauchbares Ergebnis zu erhalten.


Wir sind beide gesund. Warum bleibt es beim unerfüllten Kinderwunsch?

Wird sowohl bei Ihrer Frau als auch bei Ihnen keine medizinische Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit gefunden, mag das zunächst erleichternd sein. Auf der anderen Seite stellt sich dann aber die Frage: „Woran liegt es und was können wir noch tun?“ Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es immer mal wieder vorkommt, dass Frauen und Männer gleichermaßen unfruchtbare Phasen durchleben, die nicht von Dauer sind. So können körperliche und seelische Überlastung verantwortlich für einen unerfüllten Kinderwunsch sein. Darüber hinaus wirken sich Faktoren wie ungesunde Ernährung, Übergewicht, bestimmte Umwelteinflüsse, Alkohol- und Nikotinkonsum negativ auf die Fruchtbarkeit aus.


Tatsächlich zeugungsunfähig – und nun?

Sollte das Ergebnis der medizinischen Untersuchung tatsächlich negativ ausfallen und die Schwangerschaft auf natürlichem Wege ausgeschlossen sein, ist das verständlicherweise erst einmal ein Schock. Manche Männer trauen dem Untersuchungsergebnis nicht und glauben an eine Verwechslung. Ergibt eine Zweitmeinung eines anderen Arztes kein anderes Ergebnis, zweifeln einige Betroffene an ihrer Männlichkeit. Schließlich wird die Zeugungsfähigkeit leicht mit der Männlichkeit verknüpft. Das Gefühl der Urheber für den unerfüllten Kinderwunsch zu sein führt zusätzlich zu Schuldgefühlen und Versagensängsten. Und dann ist da noch die Partnerin: Wie wird sie auf die Zeugungsunfähigkeit reagieren?

Ganz wichtig ist es, Ruhe zu bewahren, offen und ehrlich mit sich selbst und der Frau an seiner Seite zu sein, um aufkommende Konflikte zu klären. Zwar mag der Traum einer natürlichen Empfängnis geplatzt, die Familienplanung muss deswegen aber noch lange nicht abgeschlossen sein. Klären Sie, ob eine künstlichen Befruchtung möglich ist und für Sie beide in Frage kommt.

Methoden, die zum Einsatz kommen, wenn die Fruchtbarkeitsstörung vor allem beim Mann liegt, sind unter anderem die Insemination (Samenübertragung kommt zur Anwendung bei geringer Anzahl oder zu wenig beweglichen Spermien), die In-vitro-Fertilisation (IVF) oder die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSC). Beide Behandlungsmethoden finden Anwendung, wenn nur wenige Samenzellen produziert werden oder kaum bewegliche Spermien im Ejakulat vorhanden sind.

Folgende Fragen und Gespräche mit der Partnerin können bei der Entscheidungsfindung helfen, den Weg einer künstlichen Befruchtung zu wählen:

  • Können wir beruflich zurückstecken, wenn zeitaufwändige und belastende Behandlungen anstehen?
  • Gibt es persönliche Gründe, die gewisse Behandlungsansätze ausschließen?
  • Wie viel können und wollen wir für die Behandlung ausgeben? Wo liegt die Grenze?
  • Wenn ein Schwangerschaftsversuch gescheitert ist, wollen wir einen erneuten Versuch wagen? Wann ist Schluss? Wollen wir eine andere Option ausprobieren, sofern das machbar ist?
  • Wie würden wir mit einer möglichen Mehrlingsschwangerschaft umgehen und wie stark würde das unsere finanzielle Situation beeinflussen?

Vielleicht können Sie sich auch mit dem Gedanken einer Adoption oder der Aufnahme eines Pflegekindes anfreunden oder Sie finden einen ganz anderen Weg mit dem unerfüllten Kinderwunsch umzugehen, der zu Ihnen als Paar passt.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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