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9 Januar, 2018 - 08:41
 

Vom Kinderwunsch zum Baby – oft nicht so einfach wie gedacht

Fast jeder scheint in seinem Bekanntenkreis den Fall einer ungewollten Schwangerschaft zu kennen. Über die Schwierigkeiten von Paaren, die sich ein Kind wünschen und bei denen es mit der Schwangerschaft nicht oder nicht so einfach klappt wie gewünscht, wird selten berichtet. Dabei ist dies beileibe nicht mehr die Ausnahme. Die Geschichte eines Paares und seinem Weg zur Familie – einer Achterbahn der Gefühle.

© Boggy - Fotolia.com

Nach sieben Jahren Partnerschaft und vielen gemeinsam durchgestanden Turbulenzen kamen meine Frau und ich zu dem Entschluss, dass wir zusammenbleiben und eine Familie gründen wollten. Wir beschlossen, zu heiraten und danach das Projekt „wir wollen ein Baby“ aktiv anzugehen.

Als der Zeitpunkt gekommen war, die Pille abzusetzen, ließ sich meine Frau von ihrer Gynäkologin eingehend untersuchen. Diese befand, dass grundsätzlich nichts gegen eine Schwangerschaft spräche. Schon im ersten Zyklus nach dem Absetzen der Pille könne meine Frau schwanger werden. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass es nicht so schnell klappen würde. Zum einen seien wir biologisch beide nicht mehr wirklich jung – meine Frau Ende Dreißig, ich Mitte Vierzig – zum anderen betrüge die Wahrscheinlichkeit selbst bei besten Umständen – gesundes Paar, Sex zum perfekten Zeitpunkt – gerade einmal ein Drittel. Wir sollten uns also keine Gedanken machen, wenn es nicht gleich mit einer Schwangerschaft funktioniere und mit Spaß an die Sache herangehen.


So schnell wir erhofft klappt es meist nicht mit der Schwangerschaft

Das taten wir dann auch. Wir hatten einfach häufig Sex, ganz ohne Gedanken an den Zyklus meiner Frau. Wir hatten Spaß, waren locker und malten uns aus, wie es denn sein würde, wenn wir denn zu dritt wären. Allerdings stieg mit jeder Periode meiner Frau die Enttäuschung, dass es auch diesmal nicht geklappt hat. Nach Rückfrage meiner Frau bei ihrer Ärztin sagte sie uns, wir sollen uns weiter keine Sorgen machen. Wenn es nach einem Jahr intensiver Versuche nicht klappe, dann sollten wir uns bei einem Facharzt auf unsere Fruchtbarkeit untersuchen lassen.


Kinderwunsch-Sex macht nach einer Weile wenig Spaß

Also machten wir weiter, wenn auch mit mehr gefühltem Druck. Wir achteten sehr genau auf den Zyklus meiner Frau, hatten rund um den errechneten Termin eines Eisprungs häufig Sex, um dann den Rest des Monats jedoch lustloser zu sein. Geschlechtsverkehr nach Plan ist eben einfach unsexy. Wir lasen nach, was wir tun können, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen – gesund leben und als Mann die Hoden vergleichsweise kühl halten (weite Hosen und Unterhosen, keine Sitzheizung) – und taten, was wir tun konnten. Je näher das Ende des ersten Jahres kam, desto mehr Gedanken machten wir uns – und ja, beim Kinderwunsch-Sex kam schon Stress auf.

Nach gut einem Jahr ließ ich die Qualität meines Spermas bei einem Urologen untersuchen (hier ist der Becher, da das Zimmer, geben sie ihn dann nachher bei der Dame ab) – zum Glück alles im Rahmen. Meine Frau fing an, den Termin ihres Eisprungs mit Hilfe eines „Pinkeltests“ genauer zu messen. Dabei stellte sich heraus, dass der Termin ihres Eisprungs im Vergleich zu den üblichen Tabellen etwas verschoben war. Folge: wir hatten zum falschen Zeitpunkt „Baby-Sex“ gehabt. Mit Hilfe des Tests („Clearblue“) wussten wir nun sehr genau, wann meine Frau ihre fruchtbaren Tage hatte. Sechs Wochen später hatte meine Frau den ersten positiven Schwangerschaftstest. Unsere Freude – und auch Erleichterung war groß.


Es hat geklappt – wir sind schwanger

Die Gynäkologin freute sich mit uns. Allerdings riet sie uns dazu, es noch nicht allen zu erzählen. Die Gefahr von Fehlgeburten sei insbesondere innerhalb der ersten 12 Wochen noch sehr groß. Auch, wenn selten darüber gesprochen werde – jede zweite Frau habe im Laufe ihres Lebens irgendwann eine Fehlgeburt. Und dies seien nur diejenigen, die man wahrnehme. Viele befruchtete Eizellen stürben innerhalb der ersten Wochen, ohne dass man etwas davon merken würde.

In den folgenden Wochen lebten wir das Leben von werdenden Eltern. Wir dachten an das Baby und wie es unser Leben verändern würde, wir machten Pläne und freuten uns darauf, wie unsere Eltern reagieren würden, wenn wir ihnen die frohe Botschaft überbringen würden. Wir beschlossen, dass wir die Schwiegereltern besuchen und es ihnen am Geburtstag der Mutter meiner Frau – in diesem Jahr passenderweise am Muttertag – erzählen würden. Das wäre dann am Ende der zwölften Schwangerschaftswoche gewesen. Doch dazu kam es nicht. Am Ende der zehnten Woche fühlte sich meine Frau unwohl, bekam Blutungen und verlor das Baby, wie die Untersuchung der Gynäkologin ergab.  Die Enttäuschung war natürlich sehr groß bei uns. Der Fötus musste operativ entfernt werden – zwar nur eine ambulante OP, aber dennoch eine psychische Belastung für meine Frau.


So schlimm es war – auch die Fehlgeburt hatte etwas Positives

In die Trauer nach der Fehlgeburt mischte sich die Hoffnung, dass wir es wieder schaffen könnten, schwanger zu werden. Schließlich hatte es einmal geklappt – ganz ohne künstliche Befruchtung etc. Tatsächlich wurde meine Frau drei Zyklen später erneut schwanger und brachte gute acht Monate später eine gesunde Tochter zur Welt. Hätte die erste Schwangerschaft geklappt wäre unsere Tochter Lilly nun nicht unter uns - und das wäre ein schwerer Verlust für alle, die sie nun kennen. Insofern kann man in diesem Fall sagen: Ende gut, alles gut.

Etwa eineinhalb Jahre nach der Geburt von Lilly – nicht zufällig bald nachdem sie aus dem Elternschlafzimmer ausgezogen war – kam uns der Gedanke, dass ein zweites Kind doch eine schöne Sache wäre – und wir machten uns wieder gut gelaunt ans Werk. Auch diesmal ließ die Schwangerschaft auf sich warten – trotz genauer Messung des Eisprungs wollte es einfach nicht klappen. Dazu trug mit Sicherheit unser Alter seinen Teil bei – meine Frau war inzwischen über 40, ich fast 50 Jahre alt. Es ist ganz normal, dass in diesem Alter die Fruchtbarkeit abnimmt.


Mit der zweiten Schwangerschaft kommen neue Ängste

Nach einem guten Jahr vergeblicher Versuche wurde meine Frau schwanger. Die Erleichterung und Freude war groß. Allerdings waren während dieser Schwangerschaft die Sorgen größer. Ab einem Alter der werdenden Mutter von 35 Jahren gilt jede Schwangerschaft in Deutschland als Risikoschwangerschaft – und meine Frau war über 40. Inzwischen gibt es viele Vorsorgeuntersuchungen für werdende Mütter, in denen die Wahrscheinlichkeit von Gendefekten ermittelt wird – und einer der Faktoren, der die Wahrscheinlichkeit solcher Defekte deutlich erhöht, ist das Alter der Eltern. Früh sagte uns unsere Gynäkologin, dass die Wahrscheinlichkeit von Trisomie 21 bei der Schwangerschaft einer 35 Jahre alten werdenden Mutter bei etwa 1:175 liege, bei einer 40-jährigen bei etwa 1:50 und bei einer 45jährigen bei etwa 1:13. Sie sagte uns auch, dass in Deutschland über 90% der Föten, bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit von Trisomie 21 festgestellt werden – und es ist im frühen Stadium einer Schwangerschaft nur eine Wahrscheinlichkeit, wenn man keine invasiven Untersuchungen durchführen lässt – abgetrieben würden.

Wir hatten uns daraufhin entscheiden, lediglich die Nackentransparenz des Fötus in der Kombination mit einem Blutttest der Mutter messen zu lassen und von invasiven Techniken wie einer Fruchtwasserpunktion oder einer Chorionzottenbiopsie abzusehen. Zum Glück fiel die Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie 21 oder 18 sehr niedrig aus, so dass wir uns hier keine weiteren Gedanken gemacht haben. Meine Frau und ich hatten noch nicht ausdiskutiert, was wir gemacht hätten - die Entscheidung gegen eine Trisomie 21 hätte ich nicht treffen wollen…


Die Gefahr durch Kinderkrankheiten von Kind Nummer eins

Um die neunte Schwangerschaftswoche herum hing am „Krankheitsbrett“ der Kinderkrippe unserer Tochter plötzlich eine Warnung vor „Ringelröteln“. Bei meiner Frau schrillten alle Alarmglocken, als wir das Schild in der Kombination mit den roten Backen unserer Tochter sahen. Bei Ringelröteln handelt es sich um eine Kinderkrankheit, gegen die man sich nicht impfen kann (anders als bei herkömmlichen „Röteln“ etwa). Etwa 60 Prozent aller Erwachsenen sind dagegen immun, weil sie sich in der Vergangenheit einmal angesteckt hatten. Bei meiner Frau war das nicht der Fall und ein Bluttest ergab, dass sie sich angesteckt hatte. Infiziert sich die Mutter, so besteht die Möglichkeit, dass sich auch das Baby ansteckt. Bei einer solchen Infektion sterben etwa ein Drittel der Föten im ersten Schwangerschaftsdrittel. Auch später besteht noch die Gefahr von Wassereinlagerungen im Kopf des Fötus, weswegen eine Schwangerschaft mit einer Ringelrötel-Infektion unter besonderer Beobachtung steht. Als Folge verbrachten wir bei dieser Schwangerschaft viel Zeit bei spezialisierten Gynäkologen – und zum Glück ging letztlich alles ohne weitere Komplikationen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die zweite Schwangerschaft auf jeden Fall diejenige war, die weniger entspannt verlief – obwohl wir je zuvor bereits Erfahrungen gesammelt hatten. Gerade die Episode mit den Ringelröteln, machte uns lange Sorgen. Zum Glück brachte meine Frau am Ende nah am errechneten Termin eine zweite gesunde Tochter zur Welt, worüber wir letztlich sehr erleichtert waren. Damit erklärten wir unsere Familienplanung für abgeschlossen.


Eltern zu werden ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle – und kein Spaziergang

Letztlich sind meine Frau und ich extrem dankbar, zwei gesunde und tolle Kinder zu haben.  Der Weg zu ihnen war ein kleines Abenteuer und häufig auch eine Achterbahnfahrt der Gefühle – aber unsere beiden Kids sind jede Sorgenfalte, die wir ihretwegen bekommen haben, wert. Viele Paare haben nicht dieses Glück – und sie können keine Kinder bekommen oder es klappt nicht bei Kind Nummer zwei. In unserem Freundeskreis kennen wir beide Fälle. Was wir aus unserer „Reise zum Kind“ gelernt haben: schwanger zu werden und ein Kind zu bekommen ist – insbesondere für Paare im fortgeschrittenen Alter - kein Spaziergang. Wenn ein Paar einen Kinderwunsch hat, dann sollte es ihn nicht auf die allzu lange Bank schieben


Allen Paaren in einer solchen Situation wünschen wir viel Spaß beim Baby-Machen und „gutes Gelingen“.
Keine Angst!!!

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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