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18 August, 2012 - 20:12
 

Die Patchworkfamilie – Familienkonzept des 21. Jahrhunderts

Etwa jede sechste deutsche Familie ist eine sogenannte Stief- oder Patchworkfamilie, Tendenz steigend. Bis aus dem Flickwerk verschiedener Restfamilien eine emotional wärmende Familiendecke wird, vergehen durchschnittlich fünf Jahre. Eine große Aufgabe für alle Beteiligten, die jedoch unter Beachtung einiger Regeln gut zu meistern ist.

© Michaela Steininger - Fotolia.com

In der neuen Familienkonstellation treffen verschiedene Lebensmodelle und unbekannte Charaktere und Temperamente aufeinander. Vor allem dann, wenn beide Partner Kinder mitbringen, dauert es eine ganze Zeit, bis alle ihren Platz in der Familie gefunden haben. Die Erziehungsstile der Elternteile müssen koordiniert werden und es braucht unbedingt einen Konsens, was die Regeln im Zusammenleben angeht. Hier gilt gleiches Recht für alle – und das noch mehr, als in einer Ursprungsfamilie. Gerade in der ersten Zeit, in der die Familie zusammenwächst, ist allerdings weniger Autorität als vielmehr Verständnis, Kooperation und die Findung von Kompromissen gefragt. Thema wird dies noch einmal besonders, wenn das Paar zusammen ein eigenes Kind bekommt. Gerechtigkeit und die Gleichbehandlung aller Kinder sind dann enorm wichtig, wenn auch nicht immer leicht durchzuführen.


Wichtige Regeln – So kann es klappen


1.    Das Projekt Patchworkfamilie bedeutet eine große Investition an Zeit, Energie und Emotionen. Bevor Sie sich darauf einlassen, müssen Sie mit Ihrem alten Leben und Ihrer alten Partnerschaft abgeschlossen haben und bereit für neue Wege sein.


2.    Steht eine neue Partnerschaft und ein Zusammenleben im Raum, müssen Sie realistisch bleiben und nicht zu hohe Erwartungen haben. Die neue Lebenssituation wird anfangs wahrscheinlich mehr neue Probleme schaffen als alte zu lösen. Die Zeit, die Sie mit Ihrer neuen Partnerin als Paar verbringen, wird knapp bemessen sein.


3.    Überstürzen Sie nichts. Bevor Sie planen, mit Ihrer neuen Partnerin und eventuell deren Kindern zusammenzuleben, müssen sich alle erst einmal behutsam und gründlich kennenlernen und sehen, ob ein Zusammenleben überhaupt machbar ist. Die Entscheidung muss wohlüberlegt sein, denn die größte Katastrophe für die Kinder wäre, wenn die neue Familie bereits nach kurzer Zeit wieder zerbrechen würde.


4.    Beziehen Sie alle Beteiligten in die Planung der neuen Familie mit ein. Auch die Kinder haben ihre Wünsche und Meinungen, die berücksichtigt werden wollen. Obwohl mit Sicherheit nicht alle Wunschvorstellungen berücksichtigt werden können, sollten sich vor allem die Kinder gehört und ernstgenommen fühlen.


5.    Ein gutes Verhältnis der neuen Partner mit dem jeweiligen Ex-Partner ist wichtiger denn je. Kinder brauchen beide Elternteile und in der Patchworkfamilie ist der Organisationsaufwand hoch – wenn auch die anderen leiblichen Elternteile mitmachen und kooperativ sind, sind viele Hürden leichter zu meistern.


6.    Im Optimalfall beginnen Sie das neue Leben auch in einer neuen Wohnung. Das vermeidet einen Heimvorteil für einige Familienmitglieder und schafft eine gleiche Ausgangsbasis für alle.


7.    Einigen Sie sich über den Erziehungsstil. Dieser ist einer der häufigsten Streitthemen in Patchworkfamilien. Alle Kinder müssen gleich behandelt werden und die Elternteile müssen sich einig sein und eine Linie fahren.


8.    Nehmen Sie verletzende Aussagen der Kinder, wie zum Beispiel „Du hast mir gar nichts zu sagen, du bist nicht mein Vater!“ nicht allzu persönlich. Kinder geraten schnell in Loyalitätskonflikte gegenüber den leiblichen Elternteilen und versuchen sich durch solche Äußerungen abzugrenzen und zu schützen. Eine Harmonisierung kann hier nur Vertrauen bringen und das braucht Zeit zum Wachsen.


Zwei „Restfamilien“ zu einem neuen Ganzen zusammenzuführen ist eine schwierige und langwierige Aufgabe, die jede Menge Geduld, Engagement und Zeit erfordert. Gelingt es jedoch, dann haben alle Beteiligten das Glück in einem spannungsreichen Familiengeflecht mit vielen wertvollen Impulsen zu leben. Vor allem die Kinder haben durch die vielen Bezugspersonen und die unterschiedlichen Naturelle der Familienmitglieder die Chance, große soziale Kompetenzen zu entwickeln.

 

 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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