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14 März, 2012 - 12:47
 

Casting-Shows - Chance oder Gefahr?

Adele, Robbie Williams, Xavier Naidoo – sie haben es geschafft, haben den Olymp der Popmusik erklommen und könnten sich dort oben eigentlich pudelwohl fühlen. Viele Stars kommen allerdings mit der dünnen Ruhmes-Luft nicht immer zurecht und machen durch Drogen- oder Alkoholexzesse auf sich aufmerksam. Für Jugendliche ist das nicht abschreckend, sie sehen ihre Helden in glänzendem Licht. Und wollen am liebsten selbst reich und berühmt werden. Die Anmeldung bei einer Casting-Show scheint da die einzig richtige Entscheidung zu sein. Oder vielleicht doch nicht?

© Foto-Ruhrgebiet - Fotolia.com

Das Leben als Model muss herrlich sein. Oder das eines Popstars oder eines berühmten Erfinders. Zumindest ist das die weit verbreitete Meinung unter Jugendlichen. Um aus dem Alltag aussteigen zu können und ein Leben in Glamour zu genießen, begeben sich daher viele Jugendliche gern in die Hände einer Jury, die darüber urteilt, ob sie gut sind in dem, was sie tun, oder eben nicht. Von der vermeintlich großen Chance auf Ruhm und Ehre bis hin zur Demütigung bieten Casting-Shows tatsächlich alles. Mit zum Teil gravierenden Folgen für die Jugendlichen.


Casting-Show ist nicht gleich Casting-Show

Von „den“ Casting-Shows ganz allgemein zu sprechen, würde der Sache nicht gerecht. Ob ein junger Mensch die Teilnahme daran als Gewinn erlebt oder als grauenvolle Erfahrung, hängt im Wesentlichen vom Format der Sendung ab. Als Klassiker kann man sicherlich die zuweilen schon fast obszönen Kommentare bezeichnen, mit denen Dieter Bohlen einst seine Kandidaten bedacht hat. Selbst er ist zwar inzwischen ein wenig zurückhaltender geworden. An der herablassenden Art und Weise ändert das jedoch nichts. Andere Casting-Shows gehen behutsamer mit den Jugendlichen um, die sich der Herausforderung stellen.

Ein weiterer Punkt ist die Auswahl der Teilnehmer. Jugendliche, die sich bei solchen Wettbewerben anmelden, haben nicht immer eine realistische Selbstwahrnehmung. Das kann dazu führen, dass junge Menschen, die ganz offensichtlich „talentfrei“ sind, trotzdem vor einem großen Publikum auftreten – und sich maßlos blamieren. Die Folgen werden erst klar, wenn sie auf YouTube bloßgestellt werden oder in der Schule Thema Nummer 1 sind - allerdings ganz anders, als sie sich das vorgestellt hätten. Die Verantwortlichen seriöser Casting-Shows achten bereits im Vorfeld darauf, dass wirklich nur auf die Bühne darf, wer auch ein besonderes Talent hat. Alle anderen müssen gewissermaßen „draußen bleiben“. Das mag hart klingen, ist im Zweifel aber tatsächlich ein Schutz. Ein Schutz vor Demütigung, Trauer, Tränen und Mobbing.


Plötzlich prominent

Das Leben eines jungen Menschen ändert sich durch die Teilnahme an einer Casting-Show komplett. Schon bevor es wirklich auf die Bühne geht, bestimmt der Wettbewerb für einen gewissen Zeitraum das Leben des Jugendlichen. In dieser Zeit kann es passieren, dass ein gewisser Realitätsverlust eintritt, der sich auf den Alltag unangenehm auswirken kann. Plötzlich scheint nichts mehr richtig wichtig zu sein - alles Denken dreht sich nur noch um die Show und darum, möglichst gut auszusehen und möglichst weit zu kommen. Doch viel schwieriger wird es, wenn die Teilnahme tatsächlich von Erfolg gekrönt ist. Wie soll es dann weitergehen?

Die Gewinner einer Casting-Show sind in einer tückischen Situation. Beflügelt durch den Erfolg, der ganz sicher auch gerechtfertigt ist, treiben sie auf einer Wolke blumiger Gedanken. Wer als Gewinner einer Casting-Show nicht mit dem Verlust des Realitätssinns zu kämpfen hat, muss schon sehr besonders sein, denn die Reaktion ist normal und nachvollziehbar. Allerdings ist das gute Gefühl des Rampenlichts, das einem selbst gilt, üblicherweise nur von kurzer Dauer. So hart man auch daran gearbeitet haben mag, und so sehr man sich über die Belohnung für all die Mühe gefreut hat, zeitlos ist die Prominenz nur in den allerwenigsten Fällen. Gewinner von Casting-Shows verschwinden in den meisten Fällen schon kurze Zeit später wieder in der Versenkung. Die wenigsten erhalten danach dauerhaft weitere Angebote, können CDs aufnehmen oder spielen in erfolgreichen Filmen mit. Über kurz oder lang setzt diese Erkenntnis ein, früher oder später wird deutlich, dass der Alltag eben doch anders aussieht und dass die Teilnahme an der Casting-Show etwas war, das in der persönlichen Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Sie letztlich aber nicht maßgeblich beeinflusst.


Dabei sein ist alles!

Das gilt ganz besonders für die Eltern von Teilnehmern an Casting-Shows. Für die ganze Familie wirkt sich die Show aus, auf den Alltag, auf die Zukunft, auf die Persönlichkeit der Jugendlichen. Ein paar Dinge helfen, den Umgang mit der Casting-Show zu erleichtern. Denn Verbote bewirken in der Regel Kämpfe und im schlimmsten Fall anhaltenden Vertrauensverlust.

  • Reden Sie mit Ihrem Kind über die Show. Versuchen Sie herauszufinden, wie stark es davon dominiert wird und versuchen Sie, sanft gegenzusteuern.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind, bestärken und bekräftigen Sie es, vermitteln Sie aber darüber hinaus eine realistische Sicht der Dinge. Wenn Sie es richtig anstellen, bleibt Ihr Kind nah dran an einer realistischen Denkweise.
  • Besonders wichtig ist die Zeit nach der Casting-Show. Selbst wenn es nicht zum ganz großen Erfolg gereicht hat, stehen oft windige Geschäftemacher und Betrüger vor der Tür, die alles versprechen und nichts halten. Außer ihrer Ankündigung, dass es ihren Erfolg nicht umsonst gibt.


Casting-Show als Berufschance?

Bei aller Begeisterung für die jeweilige Casting-Show sollten Sie Ihrem Kind helfen, seine Chancen richtig einzuschätzen. Bei einem Format wie „Deutschland sucht den Superstar“ bewerben sich jedes Jahr etwa 30.000 Kandidaten. Von diesen gibt es einen Gewinner, der in der Regel eine Weile gut von seinem Gewinn leben kann – ohne je ein Superstar zu werden. Viele der Gewinner werden mittelfristig Musical-Darsteller. Auch dies ist ein harter Job. Machen Sie Ihrem Kind – auch, wenn es Talent hat – klar, dass man für seinen Erfolg hart arbeiten muss. Egal, ob in der Schule, beim Sport oder in der Musikbranche. Die Chancen, es in letzterer wirklich zu schaffen, sind gering. Eine gute Ausbildung hingegen ist immer etwas wert.

 

 


Verboten gut, verboten schlecht


Es ist -wie erwähnt- nicht sinnvoll, dem Nachwuchs die Teilnahme an einer Casting-Show zu verbieten. Schon gar nicht, wenn es eine offensichtliche Begabung gibt. Wenn die eigene Wahrnehmung des Jugendlichen jedoch so sehr verfälscht ist, dass eine Blamage bereits im Vorfeld zu erkennen ist, kann es doch ratsam sein, das Vorhaben zu verbieten. Häufig kann es aber auch genügen, wenn die Freude des Jugendlichen sich skeptisch äußern. So oder so – achten Sie darauf, um welche Casting-Show es sich handelt. Es gibt da gewaltige Unterschiede. Und raten Sie Ihrem Kind in jedem Fall, von Dieter Bohlen die Finger zu lassen.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de