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7 Februar, 2014 - 12:36
 

INPP – Therapie an den Wurzeln

Ihr Kind ist unkonzentriert, übersensibel oder leicht reizbar, obwohl Sie ihm die besten Bedingungen liefern und keine organische Erkrankung diagnostiziert ist? Sie haben die Diagnose ADHS und kommen mit den herkömmlichen Therapien nicht weiter? Dann könnte die INPP-Therapie eine Lösung sein.

© fasphotographic - Fotolia.com

Lernschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten betreffen eine Vielzahl von Eltern und Kindern in mehr oder weniger starker Form. Die Therapie- und Fördermöglichkeiten sind heute vielfältig. Noch relativ neu ist der Behandlungsansatz der Neurophysiologischen Entwicklungsförderung (INPP). Diese Methode wurde in den 1970er Jahren in England entwickelt, und setzt direkt an den Wurzeln einer Störung an.

 

Das Problem bei den Wurzeln packen

Verhaltensauffälligkeiten und Defizite bei Kindern können zahlreiche Ursachen haben. Die INPP-Therapie setzt ganz am Anfang an, nämlich bei den frühkindlichen Reflexen. Diese Reflexe werden im Mutterleib entwickelt und sind ausgesprochen wichtig für das Baby, die Geburt aktiv mitzugestalten. Zu den bekanntesten gehört der Moro-Reflex, ein Schreckreflex, der dafür sorgt, dass das Baby nach der Geburt seinen ersten Schrei tut. In der Regel bilden sich diese Reflexe in den ersten Lebensmonaten zurück, denn sie werden nicht mehr gebraucht.

Allerdings gibt es Gründe, warum diese Rückbildung nicht, oder nur unvollständig vor sich geht. Kaiserschnitte, Sturzgeburten oder Stress in der Schwangerschaft können aus dem nützlichen Reflex ein hemmendes und störendes Element im Leben eines Kindes machen. Denn die Reflexe wirken in vielen Situationen weiter und sorgen für zahlreiche Symptome, die der ganzen Familie das Leben schwer machen. Wird der Moro-Reflex zum Beispiel nicht zurückgebildet, kommt es immer wieder zu scheinbar unangemessenen Schreckreaktionen – die Sensibilität aller Sinne ist und bleibt enorm gesteigert, das Kind wirkt überempfindlich und übersensibel. Dadurch ist eine „angemessene“ Verarbeitung der Reize nicht möglich und es kommt zu Auffälligkeiten aller Art. Die bekannteste ist ADHS.

Die INPP-Therapie packt dieses Problem tatsächlich direkt bei der Wurzel und ermöglicht es, dass der Organismus die sogenannten persistenten Reflexe verarbeitet und auflöst. Dies geschieht über speziell auf die Problematik abgestimmte Übungen. Eine Veränderung wird in der Regel schnell sichtbar.

 

Der Ablauf der INPP-Therapie

Eine INPP-Therapie beginnt mit einem dreistündigen Test, bei dem analysiert wird, welche Reflexe des Kindes noch in ihm „wüten“. Das klingt anstrengend für die Kinder und ist es auch. Allerdings macht der Test den Kindern meist auch Spaß und es gibt individuelle Pausen. Im Rahmen der Auswertung der Testergebnisse legt der INPP-Therapeut fest, welche Übungen durchgeführt werden sollen. Die Körperübungen sind so konzipiert, dass sie dem kindlichen Organismus ermöglichen, die Reflexe noch einmal auszuleben und anschließend abzubauen. Durchgeführt werden müssen diese Übungen täglich und zu Hause. In regelmäßigen Abständen erfolgt eine Kontrolluntersuchung durch den Therapeuten. Hierbei werden Fortschritte überprüft und der Behandlungsplan wird angepasst. Vom ersten Test bis zum Abschluss der Behandlung setzen Therapeuten einen Zeitraum von 1,5 bis 2 Jahren an. Das verlangt viel Durchhaltevermögen von Eltern und Kind, aber der Erfolg lohnt sich. Sind die störenden Reflexe gelöst, dann stehen dem Kind zahlreiche neue Möglichkeiten offen, sich ungestört zu entwickeln.

Hinsichtlich der Kostenübernahme gibt es unterschiedliche Modelle: Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten, zum Teil kann die Behandlung auch im Rahmen einer Ergotherapie mit abgerechnet werden. Schließlich besteht die Möglichkeit, die Therapie als Privatleistung selbst zu bezahlen.

 

Für welche Kinder eignet sich die INPP-Therapie?

Die INPP-Therapie ist für viele Symptome und Diagnosen geeignet und kann den Stresslevel des Kindes deutlich senken bei:

•    ADHS
•    Dyslexie, Dyskalkulie
•    Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen
•    Ängste und Panikstörungen
•    Emotionale Anpassungsschwierigkeiten
•    Asperger Syndrom

Stellen Sie als Eltern bei Ihrem Kind folgende Auffälligkeiten und Schwierigkeiten fest, dann sollten Sie über eine INPP-Therapie nachdenken:

•    Gleichgewichts- und motorische Probleme, zum Beispiel beim Radfahren oder Schwimmen lernen
•    Reiseübelkeit
•    Unruhe und Zappelei
•    Probleme beim Schreibenlernen, vor allem bei der Schreibschrift
•    Agression
•    Überempfindlichkeit gegenüber emotionalen Anforderungen, Geräuschen oder Licht
•    Schlechte Hand-Augen-Koordination
•    Sprechprobleme

 

Das optimale Alter

Je früher, umso besser – dies gilt auch für die INPP-Therapie. Als ideales Alter wird das Einschulungsalter angesehen, meist kommen die Kinder mit acht bis zehn Jahren zur Therapie. Allerdings gibt es keine wirkliche Altersgrenze. Selbst Erwachsene können durch die Übungen profitieren und unverarbeitete Reflexe ausleben und auflösen.

Alle Informationen über diese neue und in vielen Fällen sehr erfolgreiche Therapieform sind auf der Webseite des Instituts für Neuro-Physiologische Psychologie (INPP) Deutschland zu finden. Dort gibt es auch einen Fragebogen zum Download, mit dem Eltern sich orientieren können, ob eine INPP-Behandlung für ihr Kind sinnvoll sein könnte.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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