Skip to main content

Suche

6 April, 2016 - 08:33
 

Keine Lust auf gar nichts – Wenn Kinder depressiv sind

Wir wünschen uns glückliche Kinder und häufig ist das auch so. Immer fröhlich, die Augen strahlend erkunden unsere Kleinen die Welt. Aber es kann auch anders sein: Zwischen 0,3 und 2,5% aller Kinder unter 12 leiden an Depressionen. Hier ist professionelle Hilfe gefragt.

© Oleg Kozlov - Fotolia.com

Je älter Kinder werden, umso stärker steigt die Zahl der Depressionen. Zwischen 12 und 17 Jahren gibt es immerhin bereits zwischen drei und zehn Prozent depressive Jugendliche. Die Ursachen sind letztendlich die gleichen wie auch bei Erwachsenen. Psychische, aber auch körperliche Störungen können die Lust am Leben nehmen und eine Depression auslösen.


Warum Kinder depressiv werden

Kinder gehen unbeschwert und lustvoll durchs Leben. Durch tragische Ereignisse in der Familie kann diese Lebenslust extrem ins Gegenteil umschlagen. Stirbt ein Elternteil oder ein anderes enges Familienmitglied, wird das Kind misshandelt oder vernachlässigt, kann dies depressives Verhalten auslösen. Selbst eine Scheidung oder ein kranker Elternteil kann ein Kind dort hineintreiben. Schuldgefühle oder das Empfinden, eine Last zu sein, verstärken die Stimmung zusätzlich. Besonders dann, wenn ein Elternteil selbst depressiv ist, besteht die Gefahr, dass auch das Kind an dieser Erkrankung leidet. Zum einen ist eine genetische Disposition vorhanden, die das Kind für Depressionen anfällig macht, zum anderen können depressive Eltern die Bedürfnisse des Kindes nach Nähe, Zuwendung und Aufmerksamkeit oft nicht erfüllen. Schließlich lernt ein Kind durch Nachahmung und kann eine Depression dadurch als Verhaltensmuster bei Problemen übernehmen. Außerhalb der Familie können neue schwierige Situationen wie ein Schulwechsel oder ein Umzug das psychische Gleichgewicht eines sensiblen Kindes so sehr stören, dass es depressiv wird.


Diagnose Depression

Stimmungsschwankungen gehören zur Entwicklung von Kindern dazu. Wenn Ihr Kind allerdings über längere Zeit schlecht gelaunt, antriebs- und freudlos oder ganz offensichtlich todunglücklich ist, sollte man den Ursachen auf den Grund gehen. Ob eine Depression vorliegt, kann nur ein Arzt entscheiden. Bei folgenden Symptomen sollten Sie diesen aufsuchen und eine Depression entweder bestätigen oder ausschließen lassen:

  • Kinder im ersten Lebensjahr können durch den Verlust einer engen Bezugsperson oder durch eine generelle Vernachlässigung in Depressionen verfallen. Apathie sowie eine verzögerte körperliche und geistige Entwicklung sind hier die ersten Anzeichen.
  • Kleinkinder zwischen einem und drei Jahren können ebenfalls depressiv reagieren, wenn sie vernachlässigt werden oder eine Bezugsperson verlieren. Auch hier ist die Entwicklung in mehreren Bereichen verzögert. Sie lernen später laufen und sprechen, sind allgemein unsicher und feinmotorisch schwach entwickelt. Schlafstörungen, Essstörungen und übermäßige Weinerlichkeit und Anhänglichkeit sind weitere Symptome einer möglichen Depression. Aufmerksam werden sollten Sie vor allem auch dann, wenn Ihr Kind teilnahmslos ist, hospitalistische Züge oder selbstzerstörerische Tendenzen zeigt.
  • Depressive Kinder im Kindergartenalter zeigen gleiche oder ähnliche Symptome wie Kleinkinder auf, zusätzlich sind sie noch auffallend ängstlich und können sich kaum von den Eltern trennen. Sie machen in ihrer Entwicklung Rückschritte, sind nicht neugierig und experimentierfreudig und entwickeln sich dementsprechend kaum weiter. Häufig wird hier das erste Mal das Gefühl nicht geliebt zu werden artikuliert: Keiner will mit mir spielen!
  • Während bei Kleinkindern mehr die körperlichen Entwicklungsverzögerungen auf eine Depression hinweisen, treten im Schulkindalter zwischen sechs und 12 Jahren immer häufiger auch psychische Symptome auf. Die Kinder sind niedergeschlagen, lustlos und ängstlich. Schuldgefühle, übermäßige Selbstkritik, aber auch Konzentrationsstörungen und Gedächtnisstörungen können jetzt beobachtet werden. Depressive Kinder spielen kaum und können sich nicht selbst beschäftigen, andererseits können Sie aber auch extrem zappelig und unruhig sein oder durch aggressives Verhalten auffallen. Immer geht jedoch eine große Freudlosigkeit mit einher. Ab diesem Alter besteht bereits Suizidgefahr.
  • Traurig, grüblerisch, freud- und hoffnungslos. So stellen sich depressive Teenager dar. Sie haben ein sehr geringes Selbstwertgefühl und isolieren sich von der Umwelt. Gerade in diesem Alter ist die Selbstmordgefahr bei Depressionen groß. Laut Schätzungen haben etwa 10% aller depressiven Jugendlichen zumindest einen Selbstmordversuch hinter sich.


Nach der Diagnose

Ist die Diagnose Depression gestellt, dann müssen Eltern erst einmal umdenken. Das Verhalten des Kindes wird jetzt in einem anderen Blickwinkel bewertet. Es ist krank und nicht böse, dumm oder faul, wie man vielleicht vorher insgeheim vermutet hatte. Schuldgefühle mischen sich mit Scham, die emotionalen Belastungen für die Eltern sind groß. Das Wichtigste ist jetzt, dem Kind schnell zu helfen aus der Depression herauszufinden. Je eher dies geschieht, umso früher hat das Kind die Chance, die Stationen seiner Kindheit so zu durchlaufen, dass es sich zu einem gesunden Erwachsenen entwickelt. Professionelle Hilfe vermittelt Ihnen der Kinderarzt. In der Regel werden depressive Kinder ambulant behandelt, wenn keine besonderen Umstände vorliegen. Sollte Ihr Kind allerdings zu selbstzerstörerischem Verhalten neigen, stark suizidgefährdet sein oder sind regelmäßige Medikamentengaben nötig, kann eine stationäre Behandlung nötig werden.


Therapieformen für depressive Kinder

Therapien für Kinder und Jugendliche müssen besonders sorgfältig durchgeführt und abgestimmt werden. Es gibt verschiedene Therapieformen, die Auswahl erfolgt unter Berücksichtigung des Alters und der Entwicklung. Weiterhin wichtig sind die soziale Situation, das Umfeld und auch die Kompetenz von Eltern und Freunden, was die Unterstützung der Therapie angeht. Im Wesentlichen unterscheidet man folgende mögliche Formen:

  • Psychotherapien können entweder als tiefenpsychologisch ausgerichtete Psychotherapie oder Psychoanalyse, als Gesprächstherapie, als Verhaltenstherapie oder als Familientherapie durchgeführt werden.
  • Die Spieltherapie verwendet das Spiel und damit das ureigenste Ausdrucksmittel von Kindern.
  • Bei sehr kleinen Kindern kommen häufig sogenannte Mutter-Kind-Trainingsprogramme zum Einsatz, die den Kontakt zwischen Kind und Bezugsperson verbessern und intensivieren.
  • Medikamentengaben können die einzelnen Therapieformen unterstützen, allerdings sind die meisten Medikamente bisher wenig erforscht. Eine richtige Dosierung und eine regelmäßige längerfristige Einnahme sind hier besonders wichtig.


Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Kind depressiv ist, sollten Sie sofort handeln. Denn an jedem Tag, den Sie Ihr Kind in diesem freudlosen Zustand belassen, geht ihm ein Stück seiner Kindheit verloren.

 

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
randomness