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1 Dezember, 2017 - 08:43
 

Kindliche Proportionen – Entwicklung vom Baby zum Jugendlichen

Von der Geburt bis zum Erwachsen werden verändern sich die menschlichen Proportionen mehrmals. Daraus ergeben sich für Kinder Besonderheiten in Bezug auf Verletzungsgefahren, Bewegungsabläufen und der Temperaturregulation.

© NiDerLander - Fotolia.com

In den ersten Lebensjahren ist das Wachstum eines Menschen am größten. Dabei wachsen nicht alle Körperteile gleichzeitig, so dass es in manchen Entwicklungsstufen zu scheinbar unharmonischen Körperproportionen kommt. Besonders auffällig in den ersten zwei Lebensjahren ist der große Kopf. Die Größe des Kopfes ist der Grund dafür, dass ein Menschenbaby diesen nicht einmal anheben kann und daher nach der Geburt völlig hilflos ist – ganz anders als bei den meisten Säugetieren.

Die Form des Kopfes entwickelt sich im ersten Lebensjahr, die Größe ergibt sich zum einen aus dem anfangs überdurchschnittlichen Gehirnwachstum des Kindes. Evolutionsbiologisch ist der große Kopf ein Vorteil, bedient er doch das Kindchenschema, das die Fürsorge der Erwachsenen steigert.


Charakteristische Gesichtszüge und ein großer Kopf

Bei Kindern ist der Kopf überproportional groß, die Stirnregion ist dadurch sehr ausgeprägt, die großen Augen, Nase und Mund sitzen relativ weit in Richtung Kinn. Der österreichische Zoologe Konrad Lorenz prägte für diese Merkmale den Begriff Kindchenschema. Die charakteristischen Proportionen und Gesichtszüge vermitteln den Eltern und auch anderen Erwachsenen Schutz- und Hilfsbedürftigkeit. Während Fürsorge und Schutzverhalten ausgeprägt sind, werden Aggressionen dadurch abgemildert. Das Gehirn eines Babys wächst mit am schnellsten. Aus diesem Grund erscheint der Kopf im Vergleich zum Rest des Körpers groß. Im Zusammenhang mit den übrigen Proportionen ergibt sich ein ungünstiges Verhältnis zwischen Volumen und Oberfläche – dies ist der Grund dafür, warum Babys so schnell auskühlen und warum Neugeborene in den ersten Lebenstagen eine Mütze tragen sollen. Durch die Größe des Kopfes und die allgemein schwächere Muskulatur bedingt, steigt auch die Gefahr von Verletzungen und Gehirnerschütterungen. Dies ist einer der Gründe, warum der Kopf bei Kindern stets besonders geschützt werden sollte: durch Kindersitze im Auto, die bei Baby entgegen der Fahrtrichtung stehen müssen oder warum später Kinder immer einen Fahrradhelm tragen sollten.

Ist der Kopf ungewöhnlich groß, dann wird der Kinderarzt zuerst nach den familiären Merkmalen schauen. Meist ist ein großer Kopf genetisch veranlagt. In sehr seltenen Fällen kann ein Wasserkopf vorliegen. Dieser entsteht durch ein Übermaß an Hirnflüssigkeit, dem sogenannten Liquor.


Entwicklung der Körperproportionen

Zum Ende des ersten Lebensjahres verlangsamt sich das Längenwachstum und das Kind nimmt an Gewicht zu, Muskel- und Fettmasse wachsen an. Jetzt erscheinen die Beine und vor allem auch die Arme relativ kurz. Gleichzeitig stabilisiert sich das Skelett, die Körperbeherrschung verbessert sich. Das Kind ist jetzt in der Lage, laufen zu lernen.

Durch die Proportionen im Kindesalter ist die Oberfläche im Vergleich zum Körpervolumen groß. Aus diesem Grund kühlen Kinder leicht aus. Dies gilt umso mehr, je kleiner sie sind. Mit zunehmendem Alter gleichen sich die Körperproportionen an die eines Erwachsenen an. Liegt das Verhältnis zwischen Kopf und Körper mit zwei bis fünf Jahren bei 1:5, haben Grundschulkinder bereits ein Verhältnis 1:6, beim Erwachsenen liegt das Verhältnis Kopf zu Körper bei 1:7.


Wachstumsschübe – Proportionen in der Pubertät

Im Alter von etwa elf bis vierzehn Jahren findet der sogenannte zweite Gestaltwandel statt. In dieser Zeit findet ein letzter großer Wachstumsschub statt, in dem sich der kindliche Körper in den eines Erwachsenen verwandelt. Dieser Schub findet bei Jungen etwa um das 15. Lebensjahr herum statt, Mädchen sind im Durchschnitt zwei Jahre früher dran. Das Wachstum findet teilweise sehr abgegrenzt statt. So wachsen etwa plötzlich die Beine, während der restliche Körper sich nicht verändert oder Hände und Füße machen einen Schub durch. Das hat zur Folge, dass sich die Jugendlichen zum einen körperlich unwohl fühlen, das Selbstwertgefühl leidet, die Bewegungen wirken ungelenk und holprig. In extremen Fällen leidet sogar die Grobmotorik. In der Harmonisierungsphase, die anschließend erfolgt, passen sich die Proportionen nach und nach an und die Jugendlichen finden sich in ihren „neuen“ Körper ein und mit ihm zurecht.


Unharmonische Körperproportionen wie große Köpfe oder ungewöhnlich kurze Extremitäten sind nur in den seltensten Fällen krankheitsbedingt. In der Regel gleichen sie sich im Laufe der Zeit aus. Durch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt können bedenkliche Abweichungen schnell entdeckt und die Ursache diagnostiziert werden.

 


Zum Weiterlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kindchenschema
http://www.swissmom.ch/baby/medizinisches/beim-kinderarzt/medbabykopfumfang.html

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de