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24 Februar, 2010 - 19:41
 

Tragehilfen für Baby und Kleinkind

Die Hände frei und das Baby trotzdem nah am Körper- Tragehilfen sind seit der Erfindung des Kinderwagens zum Ende des 19. Jahrhunderts in Europa fast in Vergessenheit geraten. Seit einigen Jahren geht der Trend dorthin zurück. Eltern behalten ihre Bewegungsfreiheit und das Kind erhält ganz nebenbei den so wichtigen Körperkontakt.

© RomainQuéré - Fotolia.com

Prinzipiell unterscheidet man zwei Arten von Tragehilfen: Tragetücher und Fertigtragehilfen. Tragetücher sind großformatige, fest gewebte Stoffbahnen, die Kinder von 0 bis 4 Jahren in den unterschiedlichsten Varianten am Körper der Eltern fixieren. Fertigtragehilfen werden mittels verstellbarer Bänder, Gurte und Schnallen so eingestellt, dass das Kind sicher am Körper der Eltern sitzt. Während es beim Tragetuch vor allem auf die passende Bindeweise und gute Festziehtechnik ankommt, muss bei Tragehilfen darauf geachtet werden, dass sie zu Größe und Statur von Kind und Tragendem passen und sich variabel verstellen lassen.

Die natürliche Haltung des Babys mit gerundetem Rücken, angehockten und leicht gespreizten Beinchen wird von guten Tragehilfen und geeigneten Bindeweisen unterstützt. Sicher eingebunden und mit gestütztem Rumpf muss das Kind keine eigene Halteenergie aufwenden und die Wirbelsäulenentwicklung wird gefördert. Durch eine gesunde Anhock-Spreiz-Haltung wird die Hüftreifung unterstützt.

Gerade wenn das Baby noch nicht frei sitzen kann, ist die Stützung des Rückens und (wenn es schläft) des Nackens enorm wichtig. Sicher gestützt wird ein Zusammensacken vermieden und die Atemwege bleiben frei.

 

Warum ist es gut, Kinder zu tragen?

Kinder, die getragen werden, weinen nachweislich weniger und auch frühkindliche Beschwerden wie zum Beispiel Blähungen werden durch die Wärme des Körperkontaktes, die Körperhaltung und die Bewegung meist schnell gelindert. Tragehilfen brauchen wenig Platz und sind sowohl zu Hause als auch unterwegs praktisch. Sie sparen sich das Ein- und Ausladen des Kinderwagens, das Rangieren in öffentlichen Verkehrsmitteln und das Schleppen der Babyschale. Außerdem haben Sie beide Hände frei und (meist) ein zufriedenes Kind, das seine Zeit mit wach sein, schlafen, schauen und genießen, ganz dicht bei Ihnen verbringt. Kinder lieben den Körperkontakt und die Bewegung – und sind auf Augenhöhe mit dabei, sicher beschützt von Papa oder Mama.

Damit das Tragen bequem und gesund für alle Beteiligten ist, sollten bestimmte Dinge beachtet werden.*

  • Ist der Rücken meines Kindes gut gestützt und kann er sich runden, wenn das Kind schläft?
  • Ist mein Kind seitlich gut abgestützt und trage ich es in aufrechter Position?
  • Bleibt mein Kind dicht an meinem Körper, wenn ich mich vor- oder zurücklehne?
  • Kann der Kopf meines Kindes bei Bedarf gestützt werden, z.B. mit dem oberen Tuchrand oder mit einer Kopf-/Nackenstütze?
  • Reicht der Stoff unter dem Popo bzw. der Steg der Tragehilfe dem Kind von Kniekehle zu Kniekehle?
  • Sind die Unterschenkel und Füßchen des Kindes frei beweglich?
  • Sind die Beinchen des Kindes angehockt und dabei leicht gespreizt?
  • Habe ich beide Hände frei? Kann ich mich gut bewegen?
  • Kann ich eine aufrechte Haltung einnehmen?
  • Ist die Bindeweise/Tragehilfe auch nach längerer Tragedauer bequem für mich?

Die beliebteste und bekannteste Trageweise für Neugeborene ist die aufrechte Position vor dem Bauch, Herz an Herz mit Mama oder Papa. Wenn das Baby größer und neugieriger wird (etwa ab 3 Monaten), ist es an der Zeit „umzuziehen“. Auf der Hüfte oder auf dem Rücken sieht das Baby mehr, kann sich aber jederzeit zurückziehen, wenn es das möchte.

Nicht zu empfehlen: Das Baby mit dem Blick nach vorn vor dem Bauch zu tragen aufgrund der Haltung von Kind und Tragendem sowie den vielen Eindrücken, die so auf das Kind einwirken. Wird das Kind dem Träger zugewandt getragen, kann es selbst entscheiden, wann es genug hat und und sich einfach ankuscheln und einschlafen.


Kriterien für gute Tragetücher/Ringslings:*

  • diagonalelastische Webart (Kreuzköper, Diamantköper, Jacquard)
  • doppelt umgenähte Tuchkanten
  • Farben und Muster, die dem (Haupt-) Träger.gefallen und zu dessen Kleidungsstil passen
  • richtige Länge für die gewählte Bindeweise, ein zu langes Tuch ist unpraktisch
  • Schadstoff- und kunstfaserfreies Gewebe sowie speichelechte Farben

Wichtig: die passende Bindeweise, korrekt gebunden

Beim Einüben der Bindetechnik helfen Bindevideos, erfahrene Trageeltern oder ausgebildete Trageberater/-innen. Papieranleitungen sind meist schwer verständlich und ungenau.

Das Tuchbinden verlangt Übung, lässt sich jedoch recht schnell lernen und bietet vielfältige Möglichkeiten, das Kind zu tragen. Ein Tragetuch ist die einzig wirklich mitwachsende Tragehilfe, die man von Geburt bis zum Ende der Tragezeit (und darüber hinaus als Hängematte, Schaukel oder Decke) nutzen kann. Je nach Situation bieten sich unterschiedliche Bindeweisen an, die mit Tüchern verschiedener Länge realisiert werden können. Die meisten Eltern kommen gut mit einem Tuch von 3,60m oder 4,20m über die gesamte Tragezeit. Verkauft werden jedoch häufig zu lange Tücher.


Tragehilfen

Wer keine Lust auf Tuchbinden hat, kann genauso bequem mit einer Fertigtragehilfe tragen, sofern er eine findet, die wirklich zu Kind und Tragendem passt.

Das Grundprinzip einer Fertigtrage: Rückenteil (Beutel) mit Trägern und Hüftgurt zum Binden oder mit Schnallen. Durch Festziehen der Träger/Straffen der Gurte wird das Kind so fest und dicht wie möglich an den Körper gebracht.

Für Neugeborene und kleine Babys sind Tragehilfen mit einem Rückenteil aus Tragetuchstoff, welches sich der Körperform anschmiegt und sicher stützt, und bei denen die Träger unabhängig vom Kind gebunden werden, zu empfehlen.

Gut zu wissen: Es gibt KEINE Fertigtragehilfe, die von Gr. 50 bis Gr. 104 passt, auch wenn Hersteller mit Angaben wie „von 3 bis 18 Kilo“ oder „von 0 bis 3 Jahre verwendbar“ werben. Gute Tragehilfen wachsen dank Verstellmöglichkeiten wenigstens eine Zeit lang mit, meist passen sie dann entweder im 1. oder im 2. und 3. Lebensjahr.

Die unterschiedlichen Tragehilfen wie Mei Tai, Wrap Conversion, Halfbuckle, Fullbuckle und Onbuhimo finden Sie hier beschrieben.


Kriterien für eine gute Tragehilfe:*

  • individuell anpassbar an Tragling und Tragenden
  • Unterstützung der Anhock-Spreiz-Haltung
  • passender Steg (Stoff von Kniekehle zu Kniekehle) ohne Überspreizung
  • Unterschenkel und Knie frei beweglich
  • umfassende Stützung des gerundeten Rückens, kein Flachdrücken durch am Rückenteil befestigte Träger
  • regulierbare Nacken-/Kopfstütze
  • bequem auch bei längerem Einsatz, gute Gewichtsverteilung
  • Tragen vor dem Bauch und auf dem Rücken möglich

Wichtig: verstellbarer Steg, mitwachsendes Rückenteil, regulierbare Nacken-/ Kopfstütze.
Eine Tragehilfe sollte vor dem Kauf mit eigenem Baby ausgiebig getestet werden um einen Fehlkauf zu vermeiden.

Je mehr Schnallen, desto praktischer?
Nein, nicht unbedingt. Viele Schnallen bieten viele Verstellmöglichkeiten, können aber auch nerven, wenn sich Mama und Papa mit dem Tragen abwechseln. Eine Tragehilfe mit Trägern zum Binden hat dieses Problem nicht und passt sich durch Festziehen jedes Mal neu an Kind und Tragenden an.


Zum Weiterlesen:
www.tragenetzwerk.de
www.trageportal.de


* mit freundlicher Genehmigung vom Tragenetzwerk e. V.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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