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16 Oktober, 2015 - 22:33
 

Deutsch als zweite Sprache - so helfen Eltern ihrem Kind

In einem Land, das so voller Vielfalt steckt wie Deutschland ist es naheliegend, dass Deutsch für einige Kinder nicht die Muttersprache ist. Damit Kinder dennoch gut zurechtkommen und später bessere Chancen haben, ist es wichtig, Deutsch als zweite Sprache zu lernen. Dabei sollte man auf einige entscheidende Aspekte achten.

© granata68 - Fotolia.com

Viele junge Eltern sind bemüht, ihren Nachwuchs zweisprachig aufwachsen zu lassen. Nicht nur, dass es der Entwicklung guttut, mit mehreren Sprachen aufzuwachsen und die Kreativität und Toleranz fördert. Auch für den späteren beruflichen Werdegang kann es hilfreich sein, mehr als eine Sprache zu sprechen. Doch die beliebtesten Fremdsprachen sind nicht nur Englisch, Französisch oder Spanisch. Eltern mit ausländischen Wurzeln wollen vielfach, dass ihre Kinder Deutsch lernen. Für die gesamte Entwicklung eines Kindes ist es gut, eine Fremdsprache zu sprechen. Doch die Methodik sollte stimmen, sonst vergeht dem Kind die Lust und – was noch wichtiger ist – die Freude an der fremden Sprache.


Eltern und Kind müssen sich in der Lernsituation wohlfühlen

Zahlreiche Ratgeber beschreiben die wichtigsten Voraussetzungen für ein effektives und gelungenes Lernen von Fremdsprachen. Zu ihnen gehört auch der Deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl). Er wendet sich an Eltern, deren Kinder Deutsch lernen sollen. Er tut dies nicht nur in Deutsch, sondern auch in anderen Sprachen. Der Grund dafür: Die Eltern müssen sich ebenfalls gut fühlen und eine gute Lernatmosphäre kann nur entstehen, wenn das Gefühl vorhanden ist, sich auf sicherem „Terrain“ (also der Muttersprache) zu befinden. Das gilt übrigens auch, wenn das Kind in den Kindergarten kommt und die deutsche Sprache noch nicht beherrscht. Die Motivation, Deutsch zu lernen, kommt in den meisten Fällen von selbst, wenn eine Kindertagesstätte besucht wird.

 

Wie Eltern ihr Kind motivieren können

Eine neue Sprache zu lernen, ist nicht immer leicht und bringt auch hin und wieder Frustrationen mit sich. Daher ist es wichtig, dass Eltern ihr Kind in seinen Anstrengungen unterstützen.

  • Interessieren Sie sich für die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten Ihres Kindes und loben Sie Ihr Kind für seine Fortschritte.
  • Ihr Kind muss einen Sinn darin sehen, Deutsch zu lernen. Sagen Sie ihm, warum es wichtig ist, deutsch zu sprechen.
  • Geben Sie Ihrem Kind Anreize, die Sprache zu lernen: Schenken Sie ihm Bücher in Deutsch, die sein Interesse wecken oder sehen sie mit ihm einen Film in Deutsch an, der ihr Kind interessiert.
  • Um eine Sprache sehr gut zu lernen, muss man sich ständig mit ihr umgeben, sie häufig hören und sprechen. Fördern Sie, dass Ihr Kind deutsche Kinder trifft und sich mit ihnen anfreundet. Wenn bei Ihnen zu Hause der Fernseher oder das Radio läuft, dann sehen Sie zu, dass dort auch regelmäßig deutsche Programme zu sehen bzw. zu hören sind.

Unterwegs

Theorie und Praxis sind oft völlig unterschiedliche Welten. Das gilt in der deutschen Sprache in ganz besonderer Art und Weise. Die Regeln im Deutschen sind kompliziert, gespickt mit Ausnahmen und manchmal nicht im geringsten nachvollziehbar. Es ist ein bisschen wie mit dem Axiom in der Mathematik, das nun einmal an- und hingenommen werden muss. Weil es zum Gesetz der Mathematik gehört, bestimmte Dinge nicht zu diskutieren, sondern zu akzeptieren. Kinder, besonders wenn sie klein und lernwillig sind, brauchen die graue Theorie zunächst einmal nicht oder kaum. Die Empfehlung lautet also: Raus mit den Kindern! In den Kindergarten, zu Freunden, auf Spiel- oder Fußballplätze. Je mehr Erfahrungen sie „in der großen weiten Welt“ machen und je mehr soziale Kontakte dabei entstehen, umso schneller und einfacher wird das Lernen der deutschen Sprache.


Vermischtes oder Sprachstörung?

Wenn man einen Amerikaner hört, der sich an der deutschen Sprache versucht (wobei das selbstverständlich nicht nur Amerikaner betrifft), stößt man meist auf ein Phänomen, zumindest wenn er bei der Sprache unsicher ist. Der Satzaufbau oder auch die Verwendung von Artikeln ist eher brüchig, man könnte auch sagen: nicht korrekt. Das geht Deutschen, wenn sie in einer fremden Sprache nicht zuhause sind, auch nicht anders und wird als ganz normal empfunden. Kinder erleben etwas ganz Ähnliches. Wenn sie mit zwei Sprachen aufwachsen, kann es passieren, dass zuweilen beide miteinander verknüpft werden. An folgende Beispielen kann das deutlich werden:

  • Das Kind verwendet sowohl die eigene als auch die fremde Sprache: „Du cleanst Dein teeth.“
  • Aus „das Auto“ kann schon einmal „die Auto“ werden.
  • Auch mit den Präpositionen wird es manchmal schwierig: „Ich stehe bei die Baum“ statt „Ich stehe am Baum.“
  • Hin und wieder werden auch Wörter weggelassen, Beispiel: „Ich klettere auf Baum“ statt „Ich klettere auf den Baum.“

Wenn ein Kind solcher Vermischungen vornimmt oder Wörter vergisst, ist das keineswegs ein Grund zur Sorge. Meist geben sich die Auffälligkeiten im Laufe der Zeit von ganz alleine. Nur wenn sich das Phänomen über einen längeren Zeitraum hält, ist es ratsam, eine spezielle Sprachförderung in Angriff zu nehmen.


Wie wär's mit einer dritten Sprache?

Kinder sind durchaus in der Lage, eine dritte Sprache zu lernen, ohne dass es sie überfordert. Allerdings sollte es sich in der zuvor gelernten Fremdsprache zunächst recht sicher bewegen können. Ist das nicht der Fall besteht die Gefahr des „Halbgaren“, zwei Sprachen können also im Ansatz gesprochen, aber nicht fehlerfrei angewendet werden. Hinzu kommt die Motivation des Kindes. Es muss eine weitere Fremdsprache auch wirklich lernen wollen, sonst wird das Vorhaben schnell zur Quälerei für alle Beteiligten.

Wer feststellt, dass der Wortschatz des Kindes nur sehr eingeschränkt ist, die Sätze auch nach längerer Zeit einfach bleiben und die Aussprache insgesamt undeutlich ist, sollte sich Gedanken darüber machen, ob nicht doch eine Sprachstörung beim Kind vorliegt. Die genannten Symptome können zwar bei einer Fremdsprache auch über einen längeren Zeitraum auftauchen, ungewöhnlich ist es aber schon. Wenn die Schwierigkeiten sogar in der Muttersprache bestehen, liegt es nahe, dass eine Sprachstörung vorliegt. Gerade, wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen, ist der Unterschied zwischen Lernverhalten und Sprachstörung nicht leicht auszumachen.

Dazu ein Tipp: Ruhe bewahren. In den meisten Fällen wird die Fremdsprache im Laufe des Lernprozesses immer „runder“. Erst wenn sich in auffälliger Weise keine Verbesserung abzeichnet, sollten sprach-therapeutische Maßnahmen ergriffen werden.  


 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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