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31 Januar, 2015 - 11:47
 

Kinderfotografie – Tipps und Tricks vom Profi

Es kann schwierig und schweißtreibend sein, Kinder zu fotografieren. Wirklich gute Kinderbilder entstehen bei Hobby-Fotografen meist erst nach viel Übung. Eine Spezialistin für Kinderfotografie gibt Tipps, wie Sie die Qualität Ihrer Kinderfotos schnell grundlegend verbessern können.

© photoart-muenchen.de

Direkt nach der Geburt des eigenen Kindes beginnt das Leben als Paparazzo. Man möchte jede Situation und noch so kleine Veränderung festhalten. Die Kamera ist startklar und liegt meist griffbereit.

Heutzutage ist es mit digitalen Fotoapparaten einfach, viele Bilder zu produzieren. Doch erst nach dem Sichern auf dem PC bemerkt man wie viel Ausschuss dabei ist. Ich hoffe, Sie können nach meinen Tipps diesen Ausschuss minimieren. Schon wenn Sie ein paar kleine Dinge berücksichtigen gelingen Ihnen noch bessere Bilder als bisher.


Welche Ausrüstung ist notwendig?

Die kleinen Digitalkameras sind gut, um Schnappschüsse jeglicher Art festzuhalten, bieten aber oft nicht die Möglichkeit die Bildgestaltung selbst zu steuern. Ich empfehle Ihnen daher beim Kauf darauf zu achten, dass Ihre neue Kamera verschiedene Belichtungsmöglichkeiten/ Automatiken hat. Zum Beispiel P = Programmautomatik, M = manueller Belichtungsmodus, Av = Zeitautomatik, Tv = Blendenautomatik. Ebenfalls ist es wichtig die Empfindlichkeit des Sensors entsprechend der Lichtverhältnisse anpassen zu können. (ISO)

Die Hersteller bieten Ihnen verschiedene Modelle mit festen Objektiven und Brennweiten von 18 bis 200 mm oder gar mehr. Diese Modelle haben den Vorteil, dass Sie immer und überall die Möglichkeit haben, zu zoomen um die Entfernung zum Motiv zu variieren. Nachteil kann eventuell der langsame Zoom sein, oder eine geringe Lichtstärke des Objektives (so können Sie die Blende nur bis zu einer bestimmten Größe öffnen).

Eine weitere Möglichkeit sind digitale Spiegelreflexkameras. Diese sind inzwischen schon sehr klein geworden sind und passen in jede Tasche. Es gibt oft sehr günstige Angebote, „Kits“, die aus einem Kamerabody und zwei Objektiven bestehen. Diese Kombination reicht für den Anfang aus und kann jederzeit je nach Erfahrung erweitert werden. Natürlich besteht der Nachteil im ständigen Objektivwechsel. Doch Sie zoomen hier mit der Hand nicht mit Tasten.
Meine Empfehlung vor dem Kauf: Informieren Sie sich ausreichend, probieren und testen Sie die Modelle. Vielleicht haben Freunde oder Bekannte schon eine Kamera und Sie dürfen diese testen. Die beste Beratung bekommen Sie im Fachhandel oder Sie lesen Erfahrungsberichte in diversen Foren. In meinem Bericht spreche ich immer von einer digitalen Spiegelreflexkamera.


Erste Aufnahmen nach der Geburt

Nach der Geburt wird oft ein Foto gemacht, um es allen Freunden, Bekannten und Familienangehörigen zu schicken. Am Besten lassen Sie das Baby eingepackt mit Mütze und Bettdecke. Leicht zu fotografieren ist Ihr Baby auch, denn es wird schlafen. Wählen Sie in der Zeitautomatik eine offene Blende zum Beispiel 5,6, so wird Ihr Kind scharf und der Rest des Bettes wird unscharf. Wenn möglich schieben Sie das Bettchen an ein Fenster, so haben Sie schönes natürliches Licht. Die Belichtungszeit wird kürzer und Sie haben keine Verwacklungsgefahr. Bewegen Sie sich, gehen Sie auf die Knie neben das Bettchen. Wenn Ihr Baby auf dem Bauch liegt, können sich auch vorsichtig das kleine Händchen neben den Kopf bewegen. Auch ein schönes Motiv ist, wenn Ihr Baby bei der Mama auf der Brust liegt. Lassen Sie Ihre Frau diese Situation genießen, mit Ihrem Baby kuscheln. Dabei entstehen sehr intime Bilder und es ist nicht unbedingt notwendig, dass Ihre Frau in die Kamera blickt. Zumal Sie dies nach einer langen Geburt  womöglich auch nicht unbedingt möchte.

Besonders schöne Bilder bekommen Sie wenn der Kopf Ihres Babys an der Schulter Ihrer Frau abgelegt ist und sie den Rücken zu Ihnen dreht. Detailaufnahmen der Hände und Füße beim Greifen oder Strecken.
Tolle Aufnahmen entstehen auch beim Aufwachen. Begeben Sie sich dafür auf die Höhe des Gesichts. Wenn nötig legen Sie sich auf den Bauch und auf die Lauer.
Nutzen Sie das Tageslicht an den Fenstern. Stimmungsvolle Bilder gibt es während des zu Bett bringen oder beim abendlichen Ritual in der Badewanne. Hierfür erhöhen Sie einfach nur die Empfindlichkeit und öffnen die Blende bei der Zeitautomatik.


Immer bereit für die nächste Aufnahme

Ihre Kamera sollte immer mit einem vollen Akku und einer leeren Speicherkarte bereit liegen. Lassen Sie die Belichtungseinstellung anfangs ruhig immer auf der Zeit- oder Blendenautomatik eingestellt. So können Sie zu jeder Zeit und Situation loslegen.
Beobachten Sie Ihr Kind beim Spielen oder Entdecken. Lauern Sie aber nicht an jeder Ecke mit der Kamera, sonst ernten Sie irgendwann nur noch einen genervten Blick. Auch von Kindern.
Beobachten Sie aus einiger Entfernung und lassen Sie Ihr Kind in seiner Welt spielen. Benutzen Sie hierfür Ihren Telebereich und eine offenen Blende. So bekommen Sie einen schönen unscharfen Hintergrund.


Bildgestaltung

Setzen Sie Ihr Kind auch ruhig mal an den Rand des Bildes. So entsteht eine ganz andere Wirkung. Drehen Sie Ihre Kamera auch mal ins Hochformat. So können Sie Ihr Kind komplett ins Bild nehmen, aber dennoch unwichtige Dinge weglassen.
Auf dem Spielplatz können Sie auch mal andere Kinder unscharf in den Hintergrund nehmen. Oder Ihr Kind durchs Fenster blicken lassen. Das bekannte Spiel bei dem Erwachsene fragen „Ja wo ist denn...?“ kann dabei super Bilder hervorbringen.
Spielt Ihr Kind alleine vor sich hin, können Sie es ansprechen und eine Frage stellen. Auf diese kann Ihr Kind antworten und erklären, dabei können lustige Gestiken und Grimassen entstehen.


Kinder in Bewegung sind ein schwieriges Motiv

Möchten Sie Ihr Kind in Bewegung fotografieren, beim Rumtollen, Fußball spielen oder Rutschen, eignet sich eine kurze Verschlusszeit. So werden die Bewegungen eingefroren. Möchten Sie aber mehr Dynamik auf den Bildern sehen, sollte die Verschlusszeit länger sein. So können Sie abdrücken und Ihr Kind verwischt, weil es an Ihnen vorbei rennt. Der Hintergrund aber bleibt scharf.
Eine weitere Technik, die sehr viel Bewegung und Dynamik zeigt, wäre, dass Ihr Kind scharf und der Hintergrund unscharf abgebildet wird. Dies bedarf einiger Übung, aber Ihre Bilder müssen auch nicht von Anfang an perfekt werden.
Die Verschlusszeit sollte länger gewählt werden und Sie müssen während des Auslösens mit der Kamera Ihrem Kind und seiner Bewegung folgen. Stellen Sie den Autofokus Ihrer Kamera auf automatische Schärfennachführung und am Besten auch auf Serienbild. Dann ist bestimmt eines dabei, das Ihnen gefällt.


Wichtige Tipps

  1. Gehen Sie auf die Höhe Ihres Kindes, oder tiefer. So kann Ihr Kind leichter in die Kamera blicken. Auch wir Erwachsene werden nicht von oben nach unten fotografiert.
  2. Setzen Sie den Focus, wo Sie Ihn haben möchten und benutzen Sie die manuellen oder halbautomatischen Belichtungsmodi.
  3. Ist Ihr Kind an einem festen Platz nutzen Sie die automatische Scharfstellung für Einzelbilder. Bewegt sich Ihr Kind wechseln Sie auf die automatische Schärfennachführung.
  4. Zum Beispiel können Sie nur auf die Augen scharf stellen. Der Rest des Bildes wird unscharf durch die offene Blende.
  5. Schlafende Kinder sind am einfachsten zu fotografieren. Dabei können Sie auch einige Funktionen Ihrer Kamera ausprobieren.
  6. Geht Ihr Kind im Garten, Zoo, Spielplatz oder Park auf Entdeckungstour gehen Sie mit. Fotografieren Sie Kind beim Entdecken aber bleiben Sie versteckt. Entdecken Sie dabei immer wieder neue Perspektiven. Bewegen Sie sich um Ihr Kind. So wechselt der Hintergrund. Sie können zum Beispiel auch durch Büsche fotografieren.
  7. Achten Sie auf den Hintergrund auch in Räumen. Treppen, Fenster, Bilder und Lampen können die Wirkung eines Bildes verstärken oder stören. Ebenso draußen, achten Sie auf Personen, Schilder oder Mülleimer im Hintergrund. Schon ein paar Zentimeter nach rechts oder links können viel an der Bildwirkung ausmachen.
  8. Schießen Sie schnell. Kinder sind kleine Wirbelwinde. Seien Sie immer in Bereitschaft und holen Sie das Optimale aus Ihrer Kamera heraus. Draußen eignet sich am Besten die Blendenautomatik, wählen Sie eine kurze Verschlusszeit und den Modus Schärfennachführung, sowie Serienbild. Dann kann Ihnen keine Emotion entwischen.
  9. Ihr Kind muss nicht immer lachen. Besonders nicht auf jedem Bild. Ärger, Wut, Überraschung auf Bildern sind besonders für den Betrachter etwas Schönes, eventuell auch mal zum Lachen.
  10. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über dessen Interessen. Lassen Sie sich zeigen was Superman oder Batman tut. Diese Bilder sind voller Aktion und Emotionen. Lassen Sie sich die Helden erklären. Sie tauchen in die Welt Ihres Kindes und verdienen dessen Vertrauen.
  11. Erzählen Sie Witze oder machen Sie lustige Geräusche. Bringen Sie Ihr Kind zum Lachen. Im Internet gibt es einige Videos, die zeigen, dass Kinder mit den einfachsten Dingen zum Lachen gebracht werden können. Nutzen Sie die Einfachheit.
  12. Kinder wissen, dass man heute nicht mehr auf die Ergebnisse warten muss. Man kann sie sich gleich anschauen, deshalb zeigen Sie Ihrem Kind die Bilder.
  13. Die Kinder posen schon in jungen Jahren gerne. Oft schneiden sie aber einfach nur Grimassen. Diese Bilder sind zwar lustig, aber nicht als Geschenk für die Oma geeignet. Deshalb handeln Sie mit Ihren Kindern einen Deal aus. Zum Beispiel: „Wir machen jetzt 5; 10 schöne Aufnahmen und dann darfst du wieder verrückte Grimassen schneiden.“
  14. Lassen Sie jemanden neben sich sitzen der sich dann auch mal mit Ihrem Kind unterhält. So bekommen die Bilder eine andere Wirkung, denn Ihr Kind schaut nicht immer direkt zu Ihnen und in die Kamera.
  15. Mit einer DSLR können Sie z.B. auch die Blende komplett öffnen. Dann wird der Hintergrund unscharf und Ihr Kind steht im Mittelpunkt.

 

Nach jedem Shooting mit Kindern bin ich völlig erledigt, doch es macht so unheimlich viel Spaß. Ich freue mich jedes Mal wieder auf das nächste. Denn während eines solchen Shootings kann ich auch wieder zu einem Kind werden und begeistere mich an Kleinigkeiten. Kinder fordern mich immer wieder heraus und lassen mich dabei kreativer werden. So kaputt ich danach auch bin, so zufrieden bin ich dann auch. Die Kinder hatten ihren Spaß und ich ebenfalls.


In jedem von uns steckt doch ein Kind.


Gerne stehe ich Ihnen zur Verfügung, falls Sie Fragen haben oder etwas Unterstützung brauchen.

 


Simone Wuchenauer, seit Februar 2011 als selbstständige, mobile Fotografin unterwegs. In den letzten sieben Jahren und während ihrer Ausbildungszeit hat sie in verschiedenen Studios gearbeitet. Dabei hat sie sich viel mit Kinderfotografie beschäftigt. Ist auf die Wünsche ihrer Kunden, sowie die kleinen Energiebündel eingegangen und findet viel Freude daran Kinder zu fotografieren.
Weitere Informationen finden Sie auf www.photoart-muenchen.de.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de