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26 Mai, 2016 - 09:31
 

Wildes Spielen: Es lebe das Abenteuer!

Kinder müssen vieles lernen in ihrem Leben. Es beginnt schon früh und hört nie auf. Sozialverhalten, Disziplin, Ausdauer, Zuverlässigkeit und vieles mehr fordert von Kindern immer wieder neue Leistungsbereitschaft. Und selbst beim Spielen gibt es Regeln, an die man sich halten muss. Bei so viel geregeltem Leben bleibt nur wenig Platz für unkontrolliertes Spielen. Doch Kinder sind auch kleine Entdecker, die sich austoben und ausprobieren müssen. Wildes Spielen gehört also unbedingt zu einer glücklichen Kindheit dazu.

© aaronbelford - Fotolia.com

Wenn es ums Toben, Klettern, Laufen und Ballspielen geht, sind es meistens die Väter, die dafür verantwortlich zeichnen. Selbst in emanzipierten Familien gehört diese Arbeitsteilung zum festen Bild, an dem kaum gerüttelt wird. Mütter sind für Trost und Ruhe zuständig, Väter für alles, was im weitesten Sinne als „Action“ bezeichnet werden kann. Man kann sicherlich Bücher darüber schreiben, woher diese Aufteilung kommt und darüber, ob sie gut und richtig ist oder nicht. Den Kindern wird es letztlich egal sein, solange sie nur genügend Freiraum zum wilden Spielen bekommen.


Wilde Ballspiele

Der Auer-Verlag hat sich mit der Thematik des wilden Spielens im Zusammenhang mit Ballspielen beschäftigt. Er zitiert die Ergebnisse der Spielforschung, die zum Schluss kommt, dass kindliches Spiel zunächst einmal nicht zielgerichtet ist. Ballspiele unterstützen dieses ziellose Spielen im positiven Sinne. Bei kleinen Kindern kann es also nicht darum gehen, für das Spielen mit dem Ball Regeln aufzustellen, das spontane Spielen und Bewegen reicht völlig aus. Bei älteren Kindern kann man anders vorgehen. Beispielsweise kann bei einem Ballspiel lediglich das Ziel des Spiels besprochen werden. Mögliche Regeln werden erst nach und nach geklärt, also wann ein Foul vorliegt, wo Unklarheiten auftauchen oder Probleme entstehen (zum Beispiel, wenn ein anderes Kind den Ball nicht wieder hergeben will). Durch diese Mischung aus Spielen und dem gemeinsame Entwickeln von Regeln bleibt das Kind frei und wird an der Formung des Spiels beteiligt.


Ab ins Unterholz!

Der Wald ist wild. Viel wilder, als die meisten Kinder denken. Und er ist spannend und aufregend. Wildes Spielen im Wald entspricht eher einer Abenteuer- und Entdeckungsreise, auf der es viel zu sehen gibt. Kinder lernen die Geräusche von Bäumen kennen, bewegen sich auf unebenem Untergrund und erfahren, wie es im Wald riecht. Da werden Stümpfe abgestorbener Baumstämme zu Forschungsobjekten und stinkende Fuchsbauten zur Diskussionsgrundlage über die Frage, wann etwas stinkt oder nicht. Glitschige Pilze werden auf ihre Beschaffenheit hin untersucht, Waldtiere beäugt und ein Insekt beobachtet, das sich bei Gefahr zu einer Kugel formt und bewegungslos daliegt. Die einzige Regel, die es im Wald gibt, ist die, nichts zu zerstören oder zu gefährden. Doch dazu haben die meisten Kinder sowieso keine Lust, sie wollen viel lieber frei erkunden, was es alles zu sehen gibt dort, im Unterholz.


Schnitzeljagd und Krümelmonster

Das Krümelmonster ist in seiner ursprünglichen Form nicht mehr politisch korrekt. Deshalb muss es heute ein Gemüse-Fan sein, Kekse sind schließlich schlecht für die Zähne. Es fällt schwer, den Namen Krümelmonster auch nur ansatzweise in Verbindung mit Gemüse zu bringen, aber die Zeiten ändern sich nun einmal. Auch die Schnitzeljagd kennt heutzutage kein Kind mehr, sie scheint also gewissermaßen ausgestorben zu sein. Tatsächlich ist das, was eine Schnitzeljagd ausmacht, aber heute noch genauso aktuell und beliebt wie früher. Nur heißt es heute Rallye oder Schatzsuche. Allerdings sollten Eltern eines beachten: Sie können (und sollten) zwar bei der Vorbereitung einer Rallye dabei sein und maßgeblichen Anteil an der Gestaltung haben. Mitspielen aber sollten Sie keinesfalls. Es geht darum, dass die Kinder den Weg alleine finden, die Spuren deuten und abwägen, wo ihnen eine falsche Fährte gelegt wurde. Eltern stören da nur.


Noch mehr wilde Spiele

Die Definition von „wild“ kann weiter gefasst werden, als man zunächst denkt. So kann ein Ausflug mit dem Kompass für Kinder als äußerst wild empfunden werden, weil die Orientierung auf eine ganz neue Probe gestellt wird. Auch Stockbrot hat etwas Wildes und Abenteuerliches, weil das Kind sieht, wie es entsteht statt es einfach aus dem Regal im Supermarkt zu nehmen. Nachtwanderungen haben einen ganz besonderen Charme und lassen Kinder ihre Umgebung in ganz neuem „Licht“ erscheinen. Der Bau einer eigenen Holzhütte fördert Kreativität und Planungsfähigkeit, von den handwerklichen Fähigkeiten ganz zu schweigen. Jedes wilde Spiel muss selbstverständlich an das Alter des Kindes angepasst werden und darf es nicht überfordern. Sicher ist jedoch eines: Sie können gar nicht früh genug damit anfangen!


Weg vom Sofa, raus an die Luft!

Die Spielräume werden immer seltener. War es früher oft möglich, einfach vor die Tür zu gehen, um zu spielen, sind heute die Wege meist weiter. Selbst Verabredungen sind häufig nur durch Autofahrten möglich, Grünflächen und Spielplätze verschwinden zunehmend aus den Städten. Doch auch wenn die Wege weiter sind, es lohnt sich, sie zurückzulegen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Kinder der heutigen Zeit mit viel mehr Bildschirmaktivitäten aufwachsen als zu vergangenen Zeiten. Und da der PC, das Handy und der Laptop auch Teil der beruflichen Zukunft unserer Kinder sind, wäre es gewagt, diese Dinge zu verdammen. Trotzdem muss zusätzlicher Platz geschaffen werden. Für wildes Spielen. Denn auch das nimmt Einfluss darauf, wie unsere Kinder sich in Zukunft entwickeln.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de