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2 März, 2015 - 11:32
 

Der kleine Tim - der siebte Tag

Tim ist gerade einmal eine Woche alt. Im Gegensatz zu anderen Babys kann er reden - und er hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Er ist sich noch nicht sicher, was er von der neuen Situation halten soll...

© Nicole Effinger - Fotolia.com

Ich habe mir das Ganze nun eine Weile angesehen und möchte mich beschweren. Es ist alles gegen meinen Willen passiert und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das, was mit mir geschehen ist, auch so möchte.

Neun Monate habe ich in meiner perfekt klimatisierten all-inclusive Höhle gelebt und habe mich richtig wohl gefühlt. Es war alles so entspannend. Angenehm dunkel mit voller Verpflegung, im Hintergrund immer ein regelmäßiger kräftiger Beat und ab und wenn es hell war meist auf gedämpfte Stimmen. Wenn es draußen zu laut wurde, dann konnte man gegen die Wand klopfen und es wurde sofort ruhiger. Dann kam meist so ein Schatten von außen, eine große Fläche mit fünf Auswüchsen, die sich auf die Außenwand gelegt hat und für noch mehr angenehme Dunkelheit sorgte.

Gut, die letzten Wochen wurde es dann immer enger. Ich hatte auch etwas zugelegt - kein Wunder, wenn man sich kaum noch bewegen kann. Aber ich wollte doch nicht raus. Das ganze hatte etwas von einer Zwangsräumung. Ich wurde herausgepresst und an mir wurde gezogen, als ob ich ein Schwerverbrecher wäre. Draußen war es so schrecklich hell, dann waren da viele Menschen ganz in weiß, die sehr aufgeregt zu sein schienen. Und es war ... kalt. Ein Gefühl, das ich bis dahin gar nicht kannte (wie gesagt, bisher war die Umgebung perfekt klimatisiert). Irgendjemand hielt mich an den Beinen hoch und gab mir einen Klaps auf den Hintern. Macht man das bei jemandem, den man kaum kennt? Kein Wunder, dass ich gleich Radau gemacht habe. Aber auch das schien die Leute zu freuen. Menschen können schon ganz schön seltsam sein.

Immerhin hat man mich zu diesem Menschen mit den langen Haaren gelegt (inzwischen weiß ich, dass die Mama heisst). Die roch ziemlich gut und auch irgendwie vertraut. Ihre Stimme kam mir wirklich bekannt vor. Und es war warm und kuschelig. Kein Wunder, dass ich mich dann beruhigte. Dann kam da noch so ein anderer Typ, dessen Stimme ich schon gehört hatte. Er roch nicht so gut und war auch etwas ungewaschen. Ehrlich - er sah ziemlich fertig aus. Die Mama auch, aber irgendwie besser. Er hat sein Gesicht an mich gelegt und das kam mir ganz schön kratzig vor. Überhaupt fühlt sich Mama viel besser an. Sie hat so weiche und kuschelige - Brüste nennt man sie. Ich muß euch sagen, Brüste sind klasse. Sie sind warm und weich und fühlen sich einfach toll an. Was das beste ist - sie schmecken auch gut, geben Milch und machen satt. Also Brüste - vor allem die von Mama - sind wirklich das Allerbeste. Da hat Papa echt einen Nachteil. Mal sehen, wozu er nütze ist.

Und trotzdem, ich weiß nicht, ob mir das alles gefällt. Da kommen Empfindungen auf einen zu, die man vorher gar nicht kannte. Wärme, Kälte, Hunger - ich hatte erwähnt, dass meine vorherige Behausung all-inclusive und vollklimatisiert war, oder? Von der braunen Pampe, die sich ständig in meinen Windeln wiederfindet möchte ich gar nicht reden. Ich sage nur: un-an-ge-nehm! Ich muß aufhören, sonst ärgere ich mich nur. Und dann fange ich an zu schreien. Ist ja kein Wunder bei all den Emotionen. Es ist eben einfach zuviel. Das stresst mich alles, deswegen bin ich auch so häufig müde.

Immerhin sind wir nun umgezogen. Der Schlafsaal mit den anderen Schreiern war nur nervig. Wie soll man sich da entspannen können? Nun habe ich immerhin mein eigenes Zimmer. Sieht riesig aus, soweit ich es erkennen kann. Aber irgendwie ist alles noch etwas verschwommen. Da kommt Mama gerade. Es ist wieder Zeit für - die BRÜSTE! Hatte ich eigentlich schon gesagt, dass Brüste toll sind? 

 

Bis bald,

Euer Tim

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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