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15 Dezember, 2015 - 11:33
 

Tussi trifft auf Testosteron – als ich meinen Jungs eine Hello-Barbie kaufte

Ein Papa kauft jedem seiner Jungen eine eigene Barbie-Puppe – der Nachwuchs soll ja umfassend gendermäßig erzogen werden. So gibt es nun zu Star Wars und Piraten also auch eine Puppe, sozusagen als weibliches Element, mit dem die Jungs Empathie, faires Teamplay und Sinn für Ästhetik lernen sollen. Für die arme Puppe beginnt ein Überlebenskampf in der rauen Männerwelt ;-)

© Mara Zemgaliete - Fotolia.com

Ich habe die Schnauze voll von diesem Star Wars – Kram, dem Piratengedöns und unserem Indianergeheul.

Die Jungs bekamen jetzt alle eine Barbie. Jeder eine. Und wer bei rosa fiepst, bekommt eine auf’s Maul. Arschbacken zusammenreißen und Barbie spielen. Punkt.

Es geht meinem umfassenden Vaterverständnis selbstverständlich um Empathie, Rollenspiele, Hineinversetzen in andere Charaktere, faires Teamplay und Sinn für Ästhetik. Barbie halt.

Hey, schauen Sie nicht so! Meine Jungs staffieren manchmal auch ihre Dinos aus. Armbrust ran, Munitionsgürtel umgeschnallt und, wo es not tut, auch mal eine schwarze Augenklappe. Da wird verkleidet, was das Zeug hält. Passt also.


Mit Barbie neue Männerrollen lernen

Gemeinsam mit ihren neuen Barbiepuppen sollten die Jungs kochen, neue Kleidchen anziehen, staubsaugen, das Puppenhaus ausstaffieren und damit einen Einblick in das Mannsein des nicht mehr ganz soo taufrischen Jahrtausends erhalten.

Ich halte ja nichts von den Überwachungsfunktionen dieser modernen Puppe. Also ausgeschaltet und die Jungs mal selbst spielen lassen. Die Barbies und die Jungs sollen mögliche Konflikte untereinander ausdiskutieren. Drohnentechnik haben wir schon genug im Haus.

Nach zwei Tagen Dauertest hatten zwei von drei Barbies noch alle Arme und Beine. Bestnote. Fairerweise muss gesagt werden, in etwas unnatürlicher Körperhaltung. Alle drei Barbies zeigten die üblichen Gebrauchsspuren: Insbesondere das wallende, blonde Haar war angesengt (in einem Fall), abgeschnitten (ein weiterer Fall) und schwarz angemalt (dritter Fall: mit der Begründung, würde sonst nicht zu Darth Vader passen).


Die Sprachlernfunktion führt zu erstaunlichen Ergebnissen

Wichtiger war mir die Sprachlernfunktion, die wir gleich ausprobieren konnten, als Tante Mathilde und Onkel Eberhardt zu Besuch waren. Genderneutrale Erziehung ist für die so was wie das Mantra der Zeit.

Die einen riestern, ich baue lieber auf das Erbe der kinderlosen Verwandtschaft. Individuelle Anlagestrategie nennt man so was.

Es stellte sich allerdings als Risikostrategie mit Totalverlust heraus: Hochrot kamen Onkel und Tante aus dem Kinderzimmer. Die Barbies, gefüttert mit dem Wortschatz unserer Kinder, antworten auf die wohlmeinenden Fragen der Verwandtschaft à la „Hallo, wer bist denn Du?!“ anscheinend mit: „Selber Klugscheißer!“; „Geh weiter, bei drei schieße ich!“; „Dein Skalp gefällt mir gut!“ Weitere Zitate sind unter der Würde des Autors.

Achso, als ich dann später die Jungs fragte, meinten die, dass die Barbies echt okay wären. Wenn ich mehr besorgte, könnten sie da so eine Art Martial Arts – Truppe aufstellen.

Gendertuning geglückt.

 

zum Autor:
Andreas Clevert, Jahrgang 1970, ursprünglich aus Esslingen stammend, lebt mit seiner spanischen Frau und seinen drei Jungs/Söhnen  (*2008, *2010 und *2013) in Bonn. Mehr von seinen Erlebnissen lesen Sie unter www.vaterdasein.wordpress.com

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de