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7 Dezember, 2009 - 18:51
 

Papa, wer bist Du im Tor?

Wenn mein Sohn Quentin diese Frage stellt, fühle ich mich wieder selbst wie ein Kind. Und an manchen Tagen schaffe ich für einige Minuten die Verwandlung und bin Buffon oder Lehmann. Selbstredend bin ich auch mal Angreifer – am liebsten Ronaldo oder Gomez. Mit meinem Sohn auf dem Fussballplatz zu stehen bereitet mir unglaubliche Freude, ebenso wie viele andere Elemente der gemeinsamen Zeit mit Quentin und mit meiner Tochter Annika. Beide liebe ich über alles. Was jedoch die gemeinsamen Hobbys angeht, muss ich gestehen, dass die Schnittmenge der Themen mit Quentin höher ist.   Schon in der Schule mochte ich weder Kunst noch Technisches Werken und meine Freizeit verbrachte ich lieber mit Bällen auf Sportplätzen anstatt mit Klebstoff und Papier. Während Annika hier auf allen musisch künstlerischen Ebenen brilliert, bin ich bei vielen der von ihr geliebten Hobbys eher Zaungast. Aber es gibt Ausnahmen. Hierzu gehört alles was mit Musik zu tun hat. Am liebsten das Zuhören und Mit-Entdecken beim Klavierspielen, aber auch das „Singstar“-Karaoke auf der Playstation.   Ist es nicht schön erwachsen zu sein und sich mit den eigenen Kindern die Wünsche zu erfüllen, die man als Kind nicht realisieren konnte? Die Einkäufe der letzten Jahre erfüllten uns (und mir) Wünsche wie eine Carrera Bahn, eine Playstation und so ziemlich jedes Brett- oder Computerspiel worauf wir Lust hatten. Herrlich! Dass meine Freizeit unter der Woche mit den Kindern und für das Kind in mir auf ein Minimum reduziert ist, steht auf einem anderen Blatt, aber das soll hier und heute nicht das Thema sein.   Neulich habe ich nach 38 Jahren die allerersten Fussballschuhe meines Lebens gekauft. Echte schwarze Schuhe aus Kalbsleder, allerdings von Nike und nicht die begehrten drei Streifen meiner Kindheit. Da gab es allerdings noch keine Nike-Schuhe in Deutschland – zumindest nicht in meinem Horizont. Mit diesen neuen flachen Schuhen habe ich tatsächlich das Gefühl ein wenig mehr Einfluss auf die Flugbahn des Balles nehmen zu können und das ist wichtig, denn wenn ich Ronaldo bin, muss die Technik stimmen und den harten Torschuss kann ich mir gerade noch verkneifen, weil ja mein kleiner Spross im Tor steht.   Womit wir wieder beim Fussball sind und einem typischen Männerwochenende, was wir ab und an mal haben, wenn meine beiden weiblichen Schätze unterwegs sind.   Wir starten mit einem tollen Frühstück und frischen Brötchen. Die Zeitung gibt uns Aufschluss, wen wir heute in der Bundesliga in der Sportschau sehen können und was es an Infos zum Spieltag gibt. Nach zwei Spielen auf der Play Station pilgern wir bepackt mit unserer blauen IKEA-Tasche, die voll Sportequipment steckt zum Schulhof meines Sohnes, wo wir wann immer wir Lust und Laune haben unseren Sporttrieb befriedigen können. Dort gibt es Handballtore, einen Fussballrasenplatz, Basketballkörbe, Tischtennisplatten, ein Volleyball-/Tennisfeld. Und das Beste – alle Netze hängen noch. Hier schlüpfen wir in unsere wechselnden Identitäten und haben einen Riesenspass.   Nach einem kurzen Frischmachen fahren wir mit dem Auto ca. 2 Stunden nach Freiburg und schauen uns ein Bundesligaspiel an. Mit kurzer Rast beim Burger King auf halber Strecke (noch so eine gefühlte no-go-Area aus meiner Jugend) und der Vorfreude auf das Fussballspiel ist diese Anfahrt mit Quentin auf dem Beifahrersitz ein weiteres schönes Erlebnis. Die Freiburger Fussball-Kulisse kann ich jedem empfehlen. Total familienfreundlich, nette Leute auf der Tribüne, Rücksicht und keine Chaoten. Hier macht das Zuschauen Spass, auch wenn meistens die Gegner die Punkte mit nach Hause nehmen. Egal. Die Stimmung ist gut, Schmähgesänge hört man kaum, stattdessen positive Unterstützung für das eigene Team. So sollte Fussball und sein Umfeld sein. Am Ende des Spiels geht es dann nach Hause. Auch diese Fahrt und der Austausch zum Spiel sind wunderschön. Zuhause angekommen gibt es zwei Optionen. Entweder noch eine Stunde die Aufzeichnung der Sportschau ansehen, oder etwas spielen. Meistens spielen wir, da wir die Ergebnisse der anderen Partien kennen und genug Fussball konsumiert haben. Also spielen wir Tipp-Kick, am Tchibo Kickertisch (kann ich jedem empfehlen auch zu viert haben wir tolle Turniere!) oder ein Wilde-Kerle-Kartenspiel, bei dem ich regelmässig für die „Unbesiegbaren Sieger“ auf dem virtuellen Fussballfeld auflaufe. Schön auch wenn Quentin, der Witze, Geschichten und Zitate aufsaugt wie ein Schwamm, hier und da etwas zum Besten gibt, wie etwa „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“. Die Insider wissen, dass Andi (Susi) Möller der Urheber dieses Zitates war.   Am Ende eines langen Tages liest Quentin dann noch in seinem Fussball WM Buch von 2006, dem Jahr, in dem er vollends mit dem Fussballvirus infiziert wurde. Solch einen intensiven Tag verbringen wir mehrmals pro Jahr.   Ich geniesse es und hoffe, dass wir noch viele solche Tage gemeinsam verbringen werden, bevor andere Interessen, Freunde und Aktivitäten dazukommen, die ein anderes, schönes Kapitel aufschlagen. Wie so oft die letzten Jahre wäre es wieder einmal schön, die Zeit anzuhalten – und wenn ich zurückblicke ist es gut, dass sie immer weiterging.  

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Autor

Christian