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22 Januar, 2017 - 09:58
 

„Wie, Ihr geht nicht zum Baby-Yoga???“ – was von den neuesten Förderungstrends für Babys zu halten ist

Kaum kann das Baby halbwegs aufrecht sitzen, schon haben viele Eltern das beklemmende Gefühl, dass sie ihr Kind nicht ausreichend fördern. Zahlreiche Kurse für Säuglinge werden angeboten, die Abhilfe schaffen sollen. Fraglich ist jedoch, ob sie wirklich so sinnvoll sind oder eher die Eltern beruhigen sollen.

© Hannes Eichinger - Fotolia.com

Vielleicht ist er Ihnen ja auch schon aufgefallen. Dieser Druck, unter dem Sie stehen, seit Ihr Nachwuchs auf der Welt ist. Nein nein,  nicht der Schlafmangel oder die Tatsache, dass sich seither alles nach seiner kleinen süßen Nase richtet, sogar die Zeiten, zu denen Sie die Toilette aufsuchen dürfen…


Das schlechte Gewissen regt sich im Gespräch mit anderen Eltern

Vielmehr diese gewisse Erwartungshaltung, die sich von außen an Sie heranschleicht, sobald Sie mit dem Kleinen in der Babyschale das Krankenhaus verlassen. Spätestens wenn Sie sich als gut informierte und gewissenhafte Neu-Eltern zum ersten PeKip-Kurs angemeldet haben und die Unterhaltung der anderen Eltern mit anhören, dann wissen Sie, was gemeint ist.

"Ja, also wir machen ja noch Babyentspannung, Babyschwimmen, Klangschalenmassage, Tiefenrelaxionsmeditation für Säuglinge und jeden zweiten Donnerstag ist musikalische Frühförderung, das wird ja auch empfohlen. Oh, und Eltern-Kind-Floating wollten wir uns nächste Woche auch mal anschauen. Ach, habt Ihr schon. UND?? Ist das nicht eine un-glaub-liche Erfahrung? Soll ja richtig bewusstseinserw… ja, nicht wahr? Es ist ja so wichtig, dem Kind möglichst früh… genau, die ganzen Synapsen, die bilden sich ja JETZT, da muss man ja… Du, pass auf, dein Konstantin-Vladimir pinkelt der Luna-Sophie schon wieder…“

Sie als zufälliger Zuhörer fragen sich da natürlich sofort, ob Sie eigentlich genug dafür tun, dass sich bei ihrem Kind möglichst viele Synapsen bilden und zwar genau JETZT. Lassen Sie mich Ihnen meine Meinung zu dem Thema sagen: entspannen Sie sich. Denn genau davon profitiert Ihr Baby in den ersten Wochen und Monaten am allermeisten. Spielen Sie mit Ihrem Kind. Lachen Sie mit Ihrem Kind. Wiegen Sie es sanft im Takt Ihres Herzschlages. Machen Sie von mir aus Fingerspiele und zeigen Sie ihm Tücher in verschiedenen Farben. Gehen Sie mit ihm hinaus in die Natur, lassen Sie es Geräusche hören, Lichter sehen…  Merken Sie etwas? In allen diesen Beispielen stehen SIE im Mittelpunkt und zwar gemeinsam mit Ihrem Kind. In den ersten Monaten seines Lebens sind Sie es, den Ihr Kind am meisten will und braucht. Alles, was zur Stimulierung seiner Sinne nötig ist, das können Sie ihm geben.


Was braucht ein Baby wirklich?

Lassen Sie sich also bitte nicht einreden, dass Dinge wie PeKip, Schwimmen, Yoga, Chi Gong, Klangschalengedöns und Konsorten nötig sind, damit sich Ihr Kind gut entwickelt. Sehen Sie entspannt darüber hinweg, wenn man Sie im befreundeten Elternkreis anschaut, als würden Sie an Ihrem Kinde einen nie wieder gut zu machenden Schaden anrichten, wenn Sie all diese Dinge nicht mit ihm tun. Kein Kind – und lassen Sie sich da bitte nichts anderes erzählen – braucht diese Riesenmenge an seltsamem Input, der in solchen Kursen angeboten wird. Kein Kind, das diese hippen, angeblich so wichtigen Kurse besucht hat, hat später gegenüber jenen, die das nicht getan haben, statistisch gesehen einen belegbaren Vorteil. Eifrig nach allen Regeln der Kunst und der Elternschaftsmode geförderte Kinder lernen später nicht schneller, sind nicht besser in der Schule, sind nicht sozialkompetenter und auch sonst nicht wissenschaftlich beweisbar im Vorteil.


Warum dann diese immer ulkiger anmutenden Kurse immer noch weiter wie Pilze aus dem Boden schießen? Weil sich mit nichts so gut und verlässlich Geld verdienen lässt wie mit dem Appell  an das Gewissen eines noch jungen und daher leicht zu verunsichernden Elternpaares.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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