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12 Februar, 2015 - 09:51
 

Der Daumen – als Tröster für Kinder immer an Ort und Stelle

Nicht umsonst heißt ein neugeborenes Baby auch Säugling. Das Saugbedürfnis ist ein lebenswichtiger Reflex für ein Kind. Während manche Babys mit der Mutterbrust oder dem Fläschchen ihre Lust am Saugen ausreichend stillen, brauchen andere Kinder mehr und nehmen einen Schnuller oder eben den eigenen Daumen.

© Marinou M - Fotolia.com

Wenn Neugeborene saugen wollen, dann greifen sie sich erst einmal alles, was in erreichbarer Nähe ist. Im besten Fall ist das die mütterliche Brust, manchmal muss es sich eben mit der eigenen Hand zufrieden geben. Manche Babys lutschen bereits im Mutterleib am Daumen, andere gewöhnen es sich später an. Ob ein Kind zum Daumenlutscher wird oder nicht, lässt sich nicht voraussagen. Zahn- und Kinderärzte warnen vor dem Daumen als Dauertröster, doch er hat durchaus auch seine praktischen Seiten.


Erlauben oder Verbieten

Diese Frage stellt sich grundsätzlich, wenn das Kind anfängt, gehäuft am Daumen zu lutschen. Eltern sollten das Nuckeln als natürliches Grundbedürfnis des Kindes akzeptieren. Beobachtet man etwas ältere Kinder, dann wird man schnell feststellen, dass das Daumenlutschen auch einen großen Vorteile hat: Kinder, die herumkrabbeln, spielen, malen oder basteln, brauchen beide Hände und so erledigt sich das Daumenlutschen in diesen Zeiten von ganz allein. Beim Schnuller ist das anders. Er kann theoretisch zu allen Gelegenheiten abgesehen vom Essen und Zähneputzen im Mund bleiben. Da es praktisch kaum möglich ist, das Daumenlutschen zu unterbinden, sollten Eltern erst gar nicht versuchen, es dem Kind zu verbieten. Das Saugbedürfnis muss gestillt werden.


Was die Mediziner sagen

Zahnärzte und Kieferorthopäden geben zu bedenken, dass der Kiefer eines Babys noch sehr verformbar ist. Durch häufiges Daumenlutschen kann durch die Form des Daumens und den ausgeübten Druck beim Nuckeln der Kiefer lang und spitz nach vorn gezogen wird. Dadurch ist nicht genug Platz für die Zähne. Ein offener Biss ist ein weiteres Problem: Der Oberkiefer wird beim Daumenlutschen nach vorn gezogen, der Unterkiefer dagegen nach hinten gedrückt. Einige Kinderärzte sind jedoch genau gegenteiliger Meinung und vertreten die Ansicht, dass der Daumen mundgerechter sei als ein Schnuller.

Problematisch wird der eine wie der andere erst dann, wenn das Nuckeln exzessiv wird. Gelegentliches Daumenlutschen zum Einschlafen oder in Stresssituationen ist kein Grund zur Besorgnis. Wird der Daumen aber nur zum Essen und Sprechen aus dem Mund genommen, dann sollten Eltern aufpassen – nicht nur, weil das dem Kiefer ihres Kindes schaden könnte, sondern auch deshalb, weil exzessives Daumenlutschen oft mehr ist als eine schlechte Angewohnheit. Spätestens wenn die Kinder in den Kindergarten kommen, sollte sich das Daumenlutschen ganz von allein legen. Ist das nicht der Fall, wird es Zeit etwas zu unternehmen und nach eventuellen Ursachen zu forschen.


Daumenlutschen im Kindergartenalter

Bei größeren Kindern ist das Daumenlutschen oft ein Anzeichen für Probleme. Dies kann fehlende Zuwendung sein, aber auch zu viel Stress zuhause oder im Kindergarten. Oft tritt das Daumenlutschen dann auf, wenn ein neues Baby in die Familie kommt. Das Nuckeln wird zum Trost und trägt zum emotionalen Ausgleich und zur Beruhigung bei. Entscheidend ist hier wieder die Häufigkeit des Nuckelns. In bestimmten Situationen ist das Daumenlutschen auch in diesem Alter unbedenklich, nimmt es überhand, sollten die Eltern aufmerksam werden.


Daumenlutschen abgewöhnen

Die schlechte Nachricht zuerst: Es ist nahezu unmöglich, einem Kind das Daumenlutschen gegen seinen Willen abzugewöhnen. Bittere Cremes, Pflaster oder Handschuhe in der Nacht stören die meisten Kinder wenig. Die gute Nachricht ist, dass selbst das hartnäckige Daumenlutscher-Kind irgendwann damit aufhört. Manche Kinder lutschen allerdings bis in die Pubertät hinein ab und an am Daumen. Es wird aber auf jeden Fall mit steigendem Alter immer weniger. Bei älteren Kindern kann man aber durchaus die Abgewöhnung unterstützen, zum Beispiel mit einem Belohnungssystem. Jeder Tag, an dem nicht gelutscht wird, gibt im Kalender eine Sonne oder ähnliches und es gibt eine kleine Belohnung. Strafen und Schimpfen dagegen ist zwecklos und verstärkt das Daumenlutschen noch mehr.

 

Geduld ist wieder einmal angesagt. Sie wird den Eltern so oft abverlangt und beim Daumenlutschen ist es nicht viel anders. Irgendwann sind die Zeiten vorbei, in denen ihr Kind am Daumen lutscht. Schiefe Zähne kann der Kieferorthopäde regulieren. Eine schiefe Seele, die durch den Ärger wegen dem Daumenlutschen entsteht, ist erheblich schwerer wieder ins Lot zu bringen.

 

 



 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de