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11 Januar, 2016 - 00:37
 

Die optimale Stillzeit – eine kontroverse Frage

Muttermilch ist die ideale Nahrung für Babys, das Stillen wird deshalb von Medizinern und Hebammen ausdrücklich empfohlen. Woran sich die Geister scheiden ist die die ideale Länge der Stillzeit. Sechs Monate ausschließlich Stillen, lauten viele Empfehlungen, britische Forscher sind allerdings anderer Meinung und halten diese Zeit für zu lang.

© Valeriy Velikov - Fotolia.com

Nachdem es Zeiten gab, in denen das Stillen komplett abgelehnt wurde, stillen aktuell etwa 90% der deutschen Frauen ihre Babys, mehr oder weniger lang. Einige halten sich an die Empfehlung, viele Frauen füttern bereits im vierten Monat oder früher zu, andere wiederum stillen deutlich länger. Das wiederum ruft Kritiker auf den Plan, die der Meinung sind, zu langes Stillen wäre schädlich für die kindliche Entwicklung.


Empfehlungen zur Stillzeit

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation), die Bundesgemeinschaft freier Stillgruppen e.V. (AFS) und zahlreiche weitere Institutionen empfehlen eine Stillzeit von sechs Monaten. In dieser Zeit werden alle Vorteile des Stillens optimal ausgeschöpft: der Säugling wird ideal mit Nährstoffen und Kalorien versorgt und erhält ausreichend Körperkontakt und Zuwendung. In diesen ersten sechs Monaten soll das Baby außer der Muttermilch keine andere Nahrung erhalten, anschließend kann der Speiseplan langsam mit der Zugabe von Beikost ergänzt werden. Die Stillmahlzeiten werden reduziert und durch Brei und andere kindgerechte Ernährung ersetzt.

Zusätzlich zu dieser Grundempfehlung raten verschiedene Einrichtungen wie die Amerikanische Kinderärztevereinigung zum Weiterstillen und zwar solange es Mutter und Kind gut tut und gefällt.


Erlaubt ist, was gefällt

Die Empfehlungen von offizieller und kompetenter Seite setzen Mütter unter Druck - und zwar in beide Richtungen. Frauen, die bereits vor den empfohlenen sechs Monaten zufüttern, haben oft insgeheim das Gefühl, sie würden ihr Baby nicht richtig versorgen. Mütter, die deutlich länger stillen, fühlen sich seltsam und werden häufig mit Sprüchen wie: Was, Du stillst immer noch?“ verunsichert.

Entscheidend für die ideale Stillzeit sind aber weder Empfehlungen noch schräge Blicke der Umwelt: Wichtig ist, dass Mutter und Kind sich wohlfühlen und danach richtet sich meist auch ganz automatisch die Stillzeit. Ein Baby, das nicht mehr gestillt werden will, wird die Brust irgendwann einfach ablehnen. Frauen, die das Stillen innerlich ablehnen oder keine Lust mehr dazu haben, stellen nach und nach die Milchproduktion ein. Oft hilft das Baby mit, denn es fühlt sich an der Brust nicht mehr wohl und trinkt automatisch weniger.


Vor- und Nachteile des Langzeitstillens

Attachment Parenting, das Stillen über einen langen Zeitraum, ist jüngst in die Schlagzeilen geraten und hat wieder einmal die Frage aufgeworfen: Schadet langes Stillen dem Kind in seiner Entwicklung? Für das lange Stillen sprechen nach wie vor alle Vorteile, die das Stillen ohnehin für Mutter und Kind mit sich bringt. Es befriedigt das Bedürfnis nach Nähe und Körperkontakt, die Psyche wird dadurch stabilisiert. Körperlich sichert das Stillen die Versorgung mit Nährstoffen und Kalorien, selbst wenn schon zugefüttert wird. Die Nachteile, die dem Langzeitstillen zugeschrieben werden, sind zum Teil auch Vorurteile sowie die Vermutung, dass sich langzeitgestillte Kinder nur schwer lösen, verweichlicht und verwöhnt werden. Echte Einschränkungen gibt es für die stillenden Mütter allerdings dadurch, dass sie verstärkt zur Verfügung stehen müssen, was auch einen beruflichen Wiedereinstieg erschweren kann. Hinzu kommt der Verzicht auf Drogen wie Alkohol und Nikotin. Zurückstecken müssen eventuell auch die Männer, die den Körper ihrer Frau länger als gedacht mit dem kleinen Wesen teilen müssen.

Hinsichtlich der neuen Studien, die eine Reduktion der Stillzeit von sechs auf vier Monate empfehlenswert erscheinen lassen, ist übrigens Vorsicht geboten. Experten wie die deutsche Stillkommission oder die britische Hebammen-Vereinigung sehen darin einen Rückschritt und Lobbyarbeit der Babynahrungsmittelindustrie, die natürlich ein Interesse daran hat, dass Babys so früh wie möglich mit Beikost gefüttert werden.

 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de