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25 Juli, 2016 - 08:26
 

Dreimonatskoliken – das steckt dahinter!

Schreiende Babys, ratlose Eltern und kluge Verwandte, die darauf hinweisen, dass es sich hierbei ja wohl nur um die berühmt-berüchtigten Dreimonatskoliken handeln könne. Damit haben viele Eltern in den ersten Lebensmonaten zu kämpfen, die Babys leiden ganz offensichtlich, oder? Was steckt wirklich hinter den Schreiattacken unserer Jüngsten?

© Vivid Pixels - Fotolia.com

Die Diagnose Dreimonatskolik wird gerne und oft bemüht, löst sie doch scheinbar ein Dilemma, das vor allem frischgebackene Eltern kaum ertragen: Nicht zu wissen, was dem Kind fehlt und vor allem, nichts dagegen tun zu können. Bevor man sich auf diese Diagnose stützt, gibt es noch so einiges, was sonst Ursache für das Dauergeschrei sein kann. Hilfreich ist vor allem auch, einmal mit verschiedenen Mythen aufzuräumen, die sich um dieses Phänomen ranken.


Mythos Dreimonatskolik

Mittlerweile festigt sich immer mehr die Annahme: Mit echten Koliken haben die Dreimonatskoliken gar nichts zu tun. Der Begriff ist irreführend bis falsch, denn während es sich bei einer Kolik um eine Verdauungsstörung handelt, liegen die Probleme ganz wo anders. Neben diesem nach wie vor hartnäckig verbreiteten Irrglauben ranken sich noch weitere Geschichten um die Dreimonatskolik

  • So zum Beispiel die Dauer. Ja, manchmal dauern die Koliken wirklich drei Monate und sind dann plötzlich verschwunden. Viel häufiger zieht sich das Geschrei allerdings über vier bis sechs Monate hin und dauert bei manchen Kindern sogar das komplette erste Lebensjahr an.
  • Um allergische Symptome handelt es sich bei den Koliken ebenfalls nicht. Die betroffenen Babys sind unter den Stillkindern ebenso häufig wie unter Flaschenkindern zu finden. Eine echte Unverträglichkeit liegt nur in den wenigsten Fällen vor.
  • Die bekannten Mittel gegen Blähungen wie sie den Babys häufig verabreicht werden, zeigen in der Regel wenig bis gar keine Wirkung. Kein Wunder – liegt die Ursache für das Schreien ja auch nicht im Verdauungstrakt. Es gibt bislang überhaupt kein Medikament, das die Dreimonatskoliken zuverlässig und dauerhaft beseitigt.
  • Jungen sind mehr betroffen als Mädchen. Auch das ist ein Mythos. Statistisch gesehen gibt es unter den Mädchen ebenso viele Schreibabys.


Dreimonatskoliken in der modernen Medizin

Die moderne Schulmedizin wie auch die Erziehungswissenschaft hat längst erkannt, dass es sich bei den Dreimonatskoliken weniger um ein Verdauungsproblem als vielmehr um eine Entwicklungsstufe handelt. Bei manchen Kindern besteht in den ersten Lebensmonaten nur eine geringe Fähigkeit, mit den Umwelteindrücken fertig zu werden. Man spricht hier auch von einem Regulationsproblem von dem geschätzt 10 bis 20 % der Babys betroffen sind. Dieser Anteil hat sich seit den 1960er Jahren nicht maßgeblich verändert. Einfach gesagt kommt es zu einer Störung, was den Informationsfluss zwischen Darm und Hirn angeht. Der Verdauungstrakt ist mit einer Vielzahl von Nerven ausgestattet und reagiert empfindlich auf Stress. Bei Überempfindlichkeit schlägt dies dem Baby sprichwörtlich auf den Magen – und löst so die gefürchteten Schreiattacken aus. Je älter das Baby wird, umso besser können die Impulse verarbeitet werden und so lassen irgendwann auch Geschrei und Dreimonatskoliken nach.


Ruhe und Rhythmus – die beste Medizin

Gegen Stress helfen Ruhe und Überschaubarkeit im Leben. Genau das müssen Eltern ihrem Baby bieten, wenn es an den Dreimonatskoliken und Schreiattacken leidet. Es ist manchmal in unseren schnellen Zeiten der Reizüberflutung gar nicht so leicht, seinem Baby diese Ruhe und Beständigkeit zu gönnen, weshalb manche Experten bereits von einer Zivilisationskrankheit sprechen. Wenn Sie ein Schreibaby zuhause haben, sollten Sie dennoch tun, was möglich ist, um die Unruhe aus dem Leben Ihres Kindes fern zu halten. Dazu gehört neben viel Rhythmus auch, dass Sie nicht ständig neue Methoden testen, um Ihr Kind zum Schweigen zu bringen. Verbreiten Sie eine ruhige Atmosphäre, bleiben Sie so gelassen wie möglich, seien Sie bei aller Anstrengung mitfühlend und respektieren Sie das Bedürfnis Ihres Babys, den angestauten Stress durch Schreien abzubauen – damit helfen Sie ihm am meisten.
 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de