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18 Februar, 2010 - 13:05
 

Dreimonatskoliken – Tortur für das Kind und Test für die Eltern

Die ersten drei Monate mit Baby. Eine schwere Zeit, vor allem für das Baby. Es schreit viel und ist oft nur schwer zu beruhigen. Was vielen Kindern oft und im wahrsten Sinne des Wortes Bauchschmerzen bereitet, sind die Dreimonatskoliken. Eine Insuffizienz des Magen-Darm-Traktes, die das Baby mit starken Krämpfen und wehenartigen Schmerzattacken quält. Schwer zu ertragen für alle, aber besonders für Ihr Kind. Daher bewahren Sie bei langen Schreiattacken die Ruhe und schenken Sie Ihrem Kind Liebe, Nähe und Geduld.

© Vivid Pixels - Fotolia.com

Mein kleiner Sohn krümmte sich, ballte die Fäustchen, sein Kopf war hochrot. Der Bauch war gebläht, die Beinchen an den Körper gezogen. Er hatte Schmerzen, starke Schmerzen. Wir waren hilflos, besorgt und traurig und doch konnten wir ihm nicht helfen, meine Frau und ich.
Der Kleine hatte Dreimonatskoliken, wehenartige Schmerzen und Krampfattacken, die vielen Neugeborenen einen schmerzhaften Start ins Leben bescheren.
 

Die berüchtigten Dreimonatskoliken

Die Koliken sind deswegen berüchtigt, weil viele schon davon gehört und es einige Theorien zu dem Thema gibt. Jedoch wird immer noch diskutiert, was genau die Ursachen für die Koliken sind. Eine Theorie lautet, die Koliken könnten durch Luftschlucken bei der Nahrungsaufnahme (Aerophagie) verursacht werden. Eine Kuhmilchprotein-Allergie oder ein gestörtes Mutter-Kind-Verhältnis sind weitere Theorien.
Die wahrscheinlichste Ursache für die Dreimonatskoliken ist jedoch der unreife Magen-Darm-Trakt des Kindes. Wenn das Baby zur Welt kommt, ist das Verdauungssystem noch nicht ausgereift. Die Darmflora und die biochemischen Prozesse darin brauchen für ihre Entwicklung ca. zwölf Monate. Eben drei Monate über die Schwangerschaft hinaus. Wenn ein Baby also unter den Koliken leidet, so dauert die Leidenszeit in der Regel drei Monate. Die Leidenszeit kann jedoch auch bis zu sechs Monate andauern.

In den ersten Wochen wunderten wir uns: Was kann mit unserem Sohn los sein? Ist er krank, haben wir etwas falsch gemacht? Das Kind lässt sich überhaupt nicht beruhigen, fängt immer Nachmittags an zu schreien und das bis tief in die Nacht hinein. Wir fragten die Hebamme, erste Ansprechpartnerin für ratlose Eltern. Die sagte, es handele sich dabei wahrscheinlich um die Dreimonatskoliken, eine weit verbreitete Erscheinung bei Säuglingen in den ersten drei Monaten. Ein Blick auf den Kalender verriet: noch zehn Wochen Schreien! Doch am allerschlimmsten ist es für das Baby.

Da die Magen-Darm-Krämpfe starke Schmerzen verursachen, schreit das Baby oft stundenlang, den halben Tag oder bis tief in die Nacht hinein. Meist treten die Krämpfe nach der Nahrungsaufnahme auf, denn dann werden Magen und Darm wieder beansprucht. Kritisch sind die mit den Koliken einhergehenden Schlafstörungen. Das Baby findet keine Ruhe und ist müde und überreizt, weil es wieder und wieder von Magenkrämpfen aus dem Schlaf gerissen wird.
 

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Es war schwer, das eigene Kind so leiden zu sehen. Es machte mir Sorgen, dass mein Kind so viel schrie und sich nicht beruhigen ließ. Doch was konnte ich tun, um ihm das junge Leben etwas zu erleichtern?

Alles, was das Baby braucht, wenn es mit den Dreimonatskoliken zu kämpfen hat, ist Zuneigung und Geduld. Sie müssen dem Baby suggerieren, dass Sie für es da sind und es auffangen, wenn es Schmerzen hat und sich schlecht fühlt.
Wiegen Sie das Baby auf Ihren Armen, tragen Sie es mit dem Bauch auf dem Unterarm liegend umher, singen Sie, spielen Sie beruhigende Musik (das könnte eventuell auch Ihnen selbst ein wenig helfen), streichen Sie im Uhrzeigersinn über den Bauch des Babys, immer um den Nabel herum und schaffen Sie dem Baby eine ruhige Umgebung ohne zusätzliche Reize.
Ein besonderer Hinweis: In der Zeit der Dreimonatskoliken werden Sie als Vater auf eine harte Probe gestellt! Wenn Ihr Kind stundenlang schreit, gelangen Sie vielleicht an die Grenzen Ihrer Geduld. In diesem Falle ziehen Sie sich zurück und gönnen Sie sich eine kleine Pause, denn es ist enorm wichtig für das Kind, dass Sie selbst ruhig bleiben. Wechseln Sie sich mit Ihrer Frau oder einer anderen Person aus der Familie ab, wenn Sie merken, dass die Grenzen Ihrer Belastbarkeit erreicht sind.
 

Alles hat ein Ende

Irgendwann werden die Monate der Koliken vergangen sein. Es wird Ruhe einkehren. Alle werden aufatmen.
Man merkt es an den Schreiphasen. Der Magen-Darm-Trakt des Kleinen muss sich weiterentwickelt haben. Die Verdauung des Babys funktioniert prächtig, das kann man mit allen Sinnen genießen.
Es stellen sich jetzt Schlafphasen und ein Schlafrhythmus ein, eine Belohnung, auch für die Eltern. Und tatsächlich, das erste Mal seit Monaten sitzen meine Frau und ich wieder gemeinsam auf der Couch und führen ein längeres Gespräch, sehen einen Film zusammen, essen zusammen zu Abend. Es ist herrlich! Dann schreit er doch wieder – aber nur weil auch er noch sein Abendessen bekommt. Danach schläft er zufrieden wieder ein und meine Frau darf zu mir zurück.



Zum Weiterlesen:

Das Baby – Informationen für Eltern über das erste Lebensjahr. Infoheft der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Weinendes Baby – Ratlose Eltern, Jutta Riedel-Henck

http://www.dreimonatskolik.de


 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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