14 Juli, 2010 - 13:28
 

Entwicklung der kindlichen Motorik in den ersten vier Lebensjahren

Motorik ist der Oberbegriff für die Fähigkeit von Menschen, sich zu bewegen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen bewusster und unbewusster Motorik (Reflexe) sowie zwischen Fein- und Grobmotorik. Die Motorik eines Kindes entwickelt sich besonders beeindruckend in den ersten 18 Lebensmonaten.

Ein Kind beginnt sich bereits in der achten Schwangerschaftswoche zu bewegen. Schwerelos schwebt es im Fruchtwasser und entwickelt dort die ersten motorischen Fähigkeiten. Mit der Geburt macht das Kind erste Erfahrungen mit der Schwerkraft und ist nun völlig auf die Unterstützung der Eltern angewiesen.
 

Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo
 

Die Entwicklung der Motorik ist ein Reifungsprozess, der bei jedem Kind unterschiedlich abläuft: Während das eine bereits mit zehn Monaten laufen kann, braucht das andere 18 Monate für die ersten eigenen Schritte und versetzt damit die ganze Familie in Unruhe. Letztendlich lassen sich die motorischen Fähigkeiten nicht durch frühzeitiges Üben beschleunigen. Wenn ein Kind allerdings einmal eine Fähigkeit wie zum Beispiel das Laufen erlernt hat, dann ist Übung notwendig, um die Bewegungsqualität zu verbessern. Zwischen der Entwicklung von Fein- und Grobmotorik und anderen Entwicklungsschritten wie etwa der Sprache oder der kognitiven Fähigkeiten bestehen keine Zusammenhänge. Oft ist es vielmehr so, dass ein Kind, dass in der einen Hinsicht ein Spätzünder ist, sich in anderen Bereichen besonders schnell entwickelt.
 

Vor der Geburt
 

Bereits im Mutterleib lernt ein Baby verschiedenste motorische Fähigkeiten: Beugen und Strecken der Arme, Kopfdrehung, Atembewegungen, Streckbewegungen, Gähnen, Trinken und das Öffnen des Mundes lernen Babys lange vor der Geburt und das ist auch gut so. Denn so sind sie auf die Anforderungen vorbereitet, die nach der Geburt auf sie zukommen und die lebenswichtig sind:

  • Atmen, Saugen und Schlucken
  • Organfunktionen
  • Muskelentwicklung
  • Eintritt in den Geburtskanal
     

Diese Bewegungsmuster sind bis zur 14. Schwangerschaftswoche voll ausgebildet und werden für den Rest der Schwangerschaft geübt und vervollkommnet.
 

Die ersten drei Monate
 

Der Säugling entwickelt in dieser Zeit die Kopfkontrolle, mit ca. drei Monaten können Babys den Kopf selbständig halten. Die hauptsächlichen Bewegungsmuster in dieser Zeit sind zufällig und wirken wie hilf- und zielloses Strampeln und Zappeln. Darüber hinaus gibt es motorische Reflexbewegungen, die überlebenswichtig sind: Der Mororeflex (Klammerreflex, Umklammerungsreflex) und der Greifreflex stammen noch aus der Frühzeit der Menschheitsgeschichte.

In den ersten Monaten braucht der Säugling Körperkontakt und Bewegung. Dieses Bedürfnis kann sehr gut durch ein Tragetuch oder eine Tragehilfe befriedigt werden. Der Säugling sollte abwechselnd in verschiedenen Positionen gelagert werden. Dadurch ermöglichen Sie Ihrem Kind, unterschiedliche Bewegungen zu üben und die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen.
 

Vom vierten bis zum neunten Monat
 

Der Säugling wird zusehends mobiler und lernt verschiedene motorische Fähigkeiten:

  • 5 bis 7 Monate: Drehbewegungen zur Seite, von Rücken- in Bauchlage und wieder zurück.
  • 7 bis 10 Monate: Robben und krabbeln, auf Hände und Knie abstützen
  • 9 Monate: sich selbständig aufsetzen und stabil sitzen.
     

Die Entwicklung dieser Fähigkeiten kann nicht beschleunigt werden. Besonders beim Sitzen ist es wichtig, dass das Kind dies selbstständig lernt, da frühzeitiges Sitzen die noch weiche Wirbelsäule schädigen kann. Auch wenn die meisten Kinder das Drehen, Robben, Krabbeln und Sitzen in diesem Alter lernen, gibt es Kinder, die diese Fähigkeiten entweder früher oder aber auch viel später entwickeln. Besorgte Eltern können organische Ursachen vom Kinderarzt ausschließen lassen und dann einfach darauf warten, bis ihr Kind soweit ist. Dies gilt auch für andere Entwicklungsschritte wie Laufen, Sprechen oder feinmotorische Fähigkeiten.

In dieser Zeit ist eine kindersichere Wohnung besonders wichtig. Sie ermöglichen damit Ihrem Kind, sich so frei wie möglich zu bewegen und zu entwickeln. Besonders achtsam sollten Sie in Bezug auf folgende Punkte sein:

  • Das Kind sollte während des Spiels in das Familienleben integriert sein – besser ist eine Spielecke im Wohnzimmer oder in der Küche als im abgeschiedenen Kinderzimmer.
  • Kindersicherungen an Steckdosen; kippsichere Regale und Sperren an Ofen, Herd oder Treppe ermöglichen dem Kind einen sicheren und doch uneingeschränkten Bewegungsraum, in dem es sich selbst überlassen ist.
  • Gefahren und Risiken wie Putzmittel, herabhängende Kabel oder giftige Pflanzen sollten kindersicher aufbewahrt sein.

 

Zehn Monate bis zwei Jahre
 

Die Fortbewegung steht nun im Mittelpunkt des Interesses. Die Art der Fortbewegung kann dabei ganz verschieden sein. Während manche Kinder früh laufen, robben oder krabbeln andere noch, ziehen sich an Möbeln und Geländern entlang oder bevorzugen die elterliche Hand. Die ersten freien Schritte finden in der Regel um den 12. bis 14. Monat statt, die Abweichungen nach unten und oben sind jedoch groß. Besonders in der Zeit, in der das Kind das Laufen lernt, ruhen alle anderen Entwicklungen wie etwa die Sprachentwicklung. Der freie aufrechte Gang erfordert die ganze Aufmerksamkeit des Kindes.
 

Drittes und viertes Lebensjahr
 

Das Kind hat nun die wesentlichen Bewegungsmuster erlernt. Es kann gehen, greifen, halten. Im Alter zwischen zwei und vier werden diese Fähigkeiten erweitert. Das Kind lernt zu rennen, es wirft einen Ball und fängt ihn wieder (frühestens mit vier), es hält einen Stift und beginnt zu malen. Auch die Fähigkeit, Fortbewegungsmittel zu nutzen, entwickelt sich in diesem Zeitraum. Ab zwei können viele Kinder bereits Laufrad fahren, mit zweieinhalb lernen sie, sich mit dem Dreirad fortzubewegen und zu schaukeln. Ab drei ist der Gleichgewichtssinn so gut entwickelt, dass das Kind Roller fahren kann und um den vierten Geburtstag herum lernen die meisten Kinder Radfahren.
 

Bewegungsfreudige und faule Kinder
 

Wie gern sich ein Kind bewegt und wie groß seine Lust am eigenen Körper ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Veranlagung – Bewegungsfreude ist nicht nur erlernt, sondern wird auch vererbt.
  • Alter – Im dritten Lebensjahr werden Kinder besonders aktiv und ihr Bewegungsdrang steigert sich bis zum Alter von sechs Jahren. Anschließend nimmt die Bewegungsfreude wieder ab und hat in der Pubertät ihren Tiefpunkt.
  • Geschlecht – Jungen sind vor allem in der Gruppe meist aktiver.
  • Gelegenheiten – Kinder, denen es nicht ermöglicht wird, sich regelmäßig auszutoben, werden unruhig und unzufrieden und erwecken oft den Anschein, sie wären besonders bewegungsfreudig oder gar hyperaktiv.
  • Körperliches Unwohlsein oder beeinträchtigtes Wohlbefinden – Kinder, denen es nicht gut geht, werden oft motorisch unruhig, um die negativen Gefühle abzubauen.
     

Kinder brauchen Gelegenheiten und Möglichkeiten, um ihre motorischen Fähigkeiten zu entwickeln und ihren Bewegungsdrang auszuleben. Wenn Sie zuhause keine Möglichkeit haben, Ihr Kind ausreichend toben zu lassen, ist es wichtig, ihm die Gelegenheit auf dem Spielplatz, beim Waldspaziergang oder in anderen geschützten Bereichen zu bieten.
 

Zum Weiterlesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Motorik

http://www.knetfeder.de/kkp/motorik.html

http://www.fruehkindlichereflexe.de/doc/www-Antje-Burmester-18.htm
 
 
Büchertipp:

http://www.amazon.de/gp/product/3492257623/ref=pd_lpo_k2_dp_sr_1?pf_rd_p=471061493&pf_rd_s=lpo-top-stripe&pf_rd_t=201&pf_rd_i=3492233198&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_r=1JBB9FV4HRJMZAXD6XFJ

 

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