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3 April, 2016 - 09:41
 

Heidideididei – Baby-Grapscher auf der Pirsch

Babys sind wirklich süß. Und wenn sie dann auch noch anfangen zu lächeln, ist es meist geschehen um die Eltern. Sie geraten in Verzückung und möchten der ganzen Welt mitteilen, dass das eigene Baby das schönste und tollste auf der ganzen Welt ist. Bis sie plötzlich auftauchen, die Baby-Grapscher. Man sieht sie nicht kommen, wie aus dem Nichts erscheinen sie, um an der guten Laune teilzuhaben. Und sie innerhalb kürzester Zeit zu verderben. Doch wie damit umgehen?

© lisalucia - Fotolia.com

Der kleine Robin liegt in seinem Kinderwagen. Das Wetter ist prima, Mama und Papa haben sich ein Eis gegönnt und sitzen in der Fußgängerzone. Die ganze Szenerie hat ein gewisses südländisches Flair, Menschen gehen vorbei, freuen sich des Lebens und Robin genießt es auf seine Art. Er nuckelt an seinen Fingern, dreht sie, soweit es ihm möglich ist und nimmt die Bewegungen um sich herum wahr. Dann macht er einen Fehler. Er kann unmöglich wissen, dass es ein Fehler ist, aber Robin macht ihn. Er signalisiert einem Mann, der sich unbemerkt über den Kinderwagen gebeugt hat, dass er ihn irgendwie sympathisch findet. Jetzt beginnt die Sache, ins Rollen zu kommen.

 

Finger weg!

„Na, dududu, Du bist aber eine Süße“, sagt der Fremde und greift in den Kinderwagen. Nun sind also noch ein paar Finger dazugekommen, an denen Robin spielen kann. Gefragt wurde er danach jedoch nicht. Und wenn er es könnte, würde er sicher auch klarstellen, dass er keine „Süße“ ist, sondern allenfalls ein Süßer. Robins Eltern heißen Andrea und Andreas (sie konnten nichts dafür, als sie sich vor gut 10 Jahren ineinander verliebten, und irgendwie finden sie die ähnlichen Namen inzwischen schön). Sie haben den Fremden nicht bemerkt, waren kurz abgelenkt, als sie sich gegenseitig von ihrem Eis probieren ließen. Nun sitzen sie da und sind ratlos. Der Mann, der sich an ihrem Kinderwagen zu schaffen macht, ist im Grunde nicht unsympathisch, er wirkt nett. Einerseits. Andererseits tut er etwas, das die Beiden gar nicht mögen. Doch bevor sie sich eine Strategie überlegen können, fährt der Mann fort mit seinem vermeintlichen Dialog mit Robin.

„Und wie alt bist du, kleine Dame?“

Die „Dame“ blickt den Mann verständnislos an und widmet sich wieder seinen Fingern, die er dann doch interessanter findet. Aber der freundliche Mann, der gern mit einem weiblichen Baby sprechen würde, ist noch nicht fertig. 

„Was hast Du denn für süüüüße kleine Bäckchen“, sagt er. „Und wie alt ist unsere kleine Prinzessin?“

Andreas ist noch immer wie paralysiert, Andrea dagegen platzt der Kragen. Das ist ihr alles zu viel. Sie hat einen Jungen geboren. Einen Jungen! Und dieser Junge weiß nicht, wie alt er ist, in diesem Alter ist er noch nicht. Er ist auch noch nicht in der Lage, seinen Namen zu nennen, zu buchstabieren oder etwas über die Herkunft dieses Namens zu sagen. Und seine süüüüßen Bäckchen sind keine Äpfel, die man erst einmal betastet, bevor man sie in die Korb legt. 

„Finger weg!“, ruft Andrea lauter, als sie selbst das wollte. Und lauter, als Andreas das für möglich gehalten hätte. „Das ist keine Prinzessin“, fährt Andrea fort, es ist ein Junge, er heißt Robin und ist … aber das geht Sie überhaupt nichts an! Wie kommen Sie darauf, einfach Ihre Hände in den Kinderwagen zu stecken und an meinem Baby rumzufummeln?“

Der Baby-Grapscher zuckt zusammen. Er fühlt sich ertappt, überrascht, zudem sehen sich ein paar Leute um, weil Andrea ausgesprochen gut zu vernehmen war. Nun wählt der Mann die Flucht nach vorn.

„Warum sind Sie denn so unfreundlich? Ich habe es doch nur gut gemeint.“

„Das mag ja sein“, sagt Andrea, „aber ich mag es nicht, wenn jemand einfach mein Kind begrapscht. Und ich erwarte, dass das respektiert wird.“

„Meine Güte, ist ja gut“, grunzt der Mann, „wenn Sie so empfindlich sind ...“

 

Wie Sie Baby-Grapscher begegnen können

Das Gespräch brechen wir an dieser Stelle ab und widmen uns der Frage, wie man am besten auf Baby-Grapscher reagiert. Zunächst einmal sei festgehalten: in den seltensten Fällen kommt es zu Auseinandersetzungen wie der zwischen Andrea und dem Fremden. Meist sind die Eltern tatsächlich eher ratlos und reagieren gar nicht oder sehr zurückhaltend. Die Gründe sind unterschiedlich. Zum einen meinen es Menschen, die in fremde Kinderwagen greifen, in aller Regel wirklich nicht böse. Schon deswegen ist die Reaktion vieler Eltern eher zurückhaltend. Zum anderen gehört es meist zur Erziehung von Kindern, aus ihnen höfliche Erwachsene zu machen. Und das ist sicher auch gut so.

Andererseits bedeutet es aber nicht, dass das ungefragte Anfassen von Babys einfach als nette Geste hingenommen werden muss. Sie können und sollten also Fremden klarmachen, dass sie das nicht wünschen. Meist reicht ein Hinweis. Zum Beispiel können Sie offen sagen, dass sie es nicht mögen, wenn Ihr Baby angefasst wird. Sie können auch stellvertretend für Ihr Baby sprechen und dem (oder der) Fremden vor Augen führen, dass das kleine Wesen im Kinderwagen sich noch nicht äußern kann und daher Nichtstun besser ist als einfach nach dem Baby zu greifen. Freundlich um Erlaubnis bitten, hilft ebenfalls. Machen Sie dem Fremden klar, dass Ihr Baby kein Allgemeingut ist. Dieser Hinweis kann bereits zur Entschärfung beitragen, bevor etwas eskaliert. 

Wenn gar nichts hilft (was glücklicherweise nur selten der Fall ist), können Sie immer noch zu deutlicheren Worten greifen. Fakt ist, dass Sie im Recht sind, wenn Sie sich – wie auch immer - gegen das unerwünschte Verhalten wehren. Es gehört gewissermaßen zu ihren elterlichen Aufgaben, denn Ihr Baby kann sich ja nun einmal tatsächlich nicht wehren.

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randomness