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26 Oktober, 2015 - 10:46
 

Plötzlicher Kindstod - Zahlen, Risikofaktoren, Vorsichtsmaßnahmen

Es ist der Alptraum aller Eltern. Nach einer Nacht mit dem Baby im gemeinsamen Bett macht der Nachwuchs am nächsten Morgen die Augen nicht mehr auf. Scheinbar völlig ohne Grund bricht der plötzliche Kindstod über Familien herein und zerstört das Leben, wie es war. Eine neue Studie fördert neue Erkenntnisse zutage.

© Oksana Kuzmina - Fotolia.com

Wohl nur wenige Themen werden so kontrovers diskutiert wie der plötzliche Kindstod. Eine aktuell erschienene Studie wird diese Diskussion sicherlich weiter anheizen. Sie kommt zum Schluss, dass das Risiko des plötzlichen Kindstods um das Dreifache steigt, wenn das Baby im Elternbett schläft. Babys, die jünger als drei Monate sind, erliegen sogar einem fünffachen Risiko. Doch die Analyse bietet nicht nur Schreckensmeldungen, sondern zeigt darüber hinaus auf, was Eltern tun können, um dem Horror des plötzlichen Kindstods zu entgehen.


Wenn nach der Übermüdung der Tod kommt

Die Nächte mit einem Baby können hart sein. Junge Eltern müssen mit einem 24-Stunden-Tag leben und kratzen oft genug an der Grenze des Machbaren bzw. sind der totalen Erschöpfung gefährlich nahe. Da kann es kaum verwundern, dass, wenn das Baby mitten in der Nacht schreit, viele Eltern sich dafür entscheiden, es nach dem Stillen im gemeinsamen Bett weiterschlafen zu lassen. Doch genau hier liegt die große Gefahr. Die Gründe allerdings lagen bisher im Bereich der Spekulation. Im „British Medical Journal“ haben nun Wissenschaftler um James Carpenter von der London School of Hygiene & Tropical Medicine untersucht, in welchem Maße das Risiko des Kindstods allein dadurch steigt, dass das Baby gemeinsam mit den Eltern in einem Bett schläft.


Das ewige Rätsel

Auch James Carpenter und seine Kollegen konnten die Frage nach den genauen Gründen für den plötzlichen Kindstod nicht abschließend klären. Zumindest aber gewisse Risikofaktoren lassen sich nun aufzeigen:

  • Alkoholgenuss oder das Rauchen begünstigen den plötzlichen Kindstod.
  • Wird das Baby in Decken statt eines Schlafsacks gehüllt, steigt das Risiko ebenfalls.
  • Auch die aufgedrehte Heizung in der Nacht stellt einen Risikofaktor dar.
  • Babys, die nicht gestillt werden, sind eher gefährdet als solche, die die Mutterbrust bekommen.

Die Wissenschaftler haben einen recht großen Aufwand für ihre Studie betrieben. Das Forscherteam mit Experten aus Großbritannien, Neuseeland, Irland und Deutschland nahm sich die Daten von 4.700 Kontrollfällen vor und nutzte als Grundlage für ihre Forschungen 19 unterschiedliche Studien zum Thema, die in Europa, Asien, Großbritannien und Australien durchgeführt wurden.


Das empfindliche Kind

Die Studie des Wissenschaftlers James Carpenter macht deutlich, dass vornehmlich sehr junge Babys dem Risiko des plötzlichen Kindstods ausgesetzt sind. Mediziner haben auch ihre Vermutungen und sind beispielsweise der Meinung, dass der Temperaturausgleich bei Babys noch nicht entwickelt genug ist. Damit steigt die Gefahr der Überwärmung bei Babys. Als weiterer Punkt kommt der Atemantrieb infrage, der in den ersten Monaten des Kinderlebens noch nicht voll ausgeprägt und entsprechend unausgereift ist.


Vorsichtsmaßnahmen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat einige Maßnahmen formuliert, die dem plötzlichen Kindstod vorbeugen helfen sollen. Diese sehen folgendermaßen aus:

  • Babys sollten grundsätzlich in Rückenlage schlafen. Die Bauch- oder Seitenlage ist möglichst zu vermeiden.
  • Wie schon weiter oben erwähnt, ist ein Schlafsack besser als eine Bettdecke. Nicht ins Babybett gehören Kuscheltiere, Fell, Kissen oder Nestchen.
  • Nichts spricht dagegen, dass das Baby mit im elterlichen Schlafzimmer schläft. Allerdings im eigenen Babybett, nicht im Elternbett.
  • Die Raumtemperatur ist auf ein angenehmes Schlafmaß zu bringen. Optimal ist laut BZgA eine Temperatur, die zwischen 16 und 18 Grad liegt (auch die Eltern schlafen übrigens besser, wenn es nicht zu warm im Schlafzimmer ist).
  • Babys sollten nachts keine Kopfbedeckung tragen. Diese erhöht die Gefahr des plötzlichen Kindstods und ist zudem sowieso überflüssig.
  • Es ist naheliegend, dass die Eltern auf das Rauchen verzichten sollten. Nikotin ist in jeder Hinsicht ein Gefahrenpotenzial.
  • Babys sollten möglichst sechs Monate lang gestillt werden. Experten konnten nachweisen, dass gestillte Kinder nachts leichter aufwachen. Was für gestresste Eltern mit massivem Schlafentzug eher nach einem Nachteil klingt, ist letztlich vorteilhaft. Denn die Gefahr eines Atemstillstands ist geringer, wenn das Kind leichter wach wird.


Die ersten Monate sind die gefährlichsten

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby den plötzlichen Kindstod stirbt, ist insgesamt als gering einzuschätzen. Dennoch: In den Industrienationen ist dieser plötzliche Tod bei Babys zwischen dem zweiten und zwölften Lebensmonat die häufigste Todesursache. Die gefährlichste Phase ist der Zeitraum zwischen dem zweiten und sechsten Monat. Die Tatsache, dass 80 Prozent der Fälle des plötzlichen Kindstods vor Erreichen des sechsten Monats passieren, belegt das deutlich.

In Deutschland starben allein im Jahr 2010 insgesamt 164 Babys (bei 678.000 Neugeborenen), völlig unerwartet und ohne erkennbaren Grund. Für die betroffenen Familien ist das eine Katastrophe, die nicht zu fassen ist. In der Folge quälen die Fragen nach den Gründen und womöglich die über eigenes Verschulden die Eltern zusätzlich zum Verlust des geliebten Kindes. Was letztlich genau zum plötzlichen Kindstod führt, bleibt nach wie vor ungewiss. Doch die genannten Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, kann kein Fehler sein. Lieber ein wenig zu viel machen als eine Kleinigkeit zu wenig. Auch wenn es hundertprozentige Sicherheit leider nicht gibt.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de