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1 Februar, 2016 - 09:41
 

Vorbereitung aufs Leben – Die Neugeborenenreflexe

Neugeborene sind hilflos und auf die Fürsorge der Eltern angewiesen. Doch sie sind auch mit Einigem ausgestattet, was ihnen den Start ins Leben erleichtert. Die Neugeborenenreflexe helfen beim Überleben und Zurechtfinden in der neuen Welt, die sich von der gemütlichen Fruchtblase in nahezu allem unterscheidet.

© Mykola Velychko - Fotolia.com

Unter Reflexen versteht man unwillkürliche Reaktionen des Körpers auf Reize. Die Reize können von außen oder von innen kommen. Das Vorhandensein der Neugeborenenreflexe gibt auch Hinweise auf eine gesunde Entwicklung. Deshalb prüft der Kinderarzt bei jeder Vorsorgeuntersuchung die Reaktionen des Babys.


Suchen, Saugen, Schlucken


Um zu überleben müssen Babys essen. Da sie das allerdings noch nicht wissen, helfen die Reflexe:

  • Der Suchreflex wird ausgelöst, sobald die Wange des Babys berührt wird. Es wendet dann den Kopf und öffnet den Mund.
  • Berühren die Lippen die mütterliche Brust, das Fläschchen oder irgendetwas anderes, beginnt das Baby zu saugen.
  • Der dritte Reflex in diesem Zusammenhang ist der Schluckreflex, der dann beim Trinken selbst ausgelöst wird. Dieser Reflex bleibt das ganze Leben lang bestehen.

Im dritten Lebensmonat verschwinden die ersten beiden Reflexe in der Regel. Das Baby hat genug Erfahrungen gesammelt und steuert die Nahrungsaufnahme ab dann kognitiv und instinktiv.


Schutz- und Regulationsreflexe

Ein wichtiger Schutzreflex des Babys ist die Kopfdrehung in Bauchlage. Automatisch wendet das Baby den Kopf zur Seite, damit die Atmung nicht behindert werden kann. Andere Reflexe, die dem Menschen ein Leben lang erhalten bleiben, sind zum Beispiel der Blinzelreflex, Hustenreflex, Niesreflex und Würgereiz.

Die tonischen Reflexe, die der Muskeln also,  kommen uns oft ausgesprochen drollig vor, sind aber ein Hinweis auf eine gesunde Entwicklung und haben durchaus wichtige Funktionen. Sie regeln das Gefühl für unten und oben, die Stellung der Körperteile und ihren Bezug zueinander und auch die Muskelspannung.

  • Der Schreitreflex reagiert etwa bis zum 3. Lebensmonat auf die Berührung der Fußsohlen mit einer Unterlage: Das Baby macht eine Art Gehbewegung mit den Fußspitzen.
  • Bei der Placing-Reaktion (Steigreflex) macht das Baby einen Schritt nach oben, so als wollte es eine Stufe hochsteigen. Ausgelöst wird der Reflex durch entlang streichen des Fußrückens, zum Beispiel an einer Tischkante. Dieser Reflex verschwindet mit etwa sechs Monaten.
  • Der Rückgratreflex, auch Galantreflex, bezeichnet eine Beugung der Wirbelsäule zur Seite, die auftritt, wenn man das Baby in Bauchlage neben der Wirbelsäule entlang streicht. Dieser Reflex verschwindet ebenfalls mit etwa sechs Monaten.
  • Der Moro-Reflex ist eine klare Überlebensreaktion: Er wird ausgelöst, wenn der Kopf des Babys kurz zurückfällt. Die Reaktion darauf ist ein Umklammerungsreflex, der das Baby davor bewahren soll, herunterzufallen, wenn sich seine Lage ändert. Nach dem sechsten Lebensmonat ist die Moro-Reaktion nicht mehr zu beobachten.
  • Hand- und Fußgreifreflex werden durch Stimulation von Innenhand bzw. mittlerem Fußballen ausgelöst: Die Hand ballt sich zur Faust, die Zehen werden eingekrallt. Während der Handgreifreflex nach vier Monaten verschwindet, bleibt der Fußgreifreflex bis zum 10. bis 12. Lebensmonat erhalten.
  • Der gekreuzte Streckreflex erfolgt bis zum zweiten Lebensmonat dann, wenn Knie und Hüfte eines Beines passiv gebeugt werden. Das andere Bein streckt sich dann mit spitzem Fuß aus.
  • Der asymmetrisch tonische Nackenreflex (AINR) wird ausgelöst, wenn man den Kopf des Babys in Rückenlage zur Seite dreht. Arme und Beine in Blickrichtung des Kopfes werden gestreckt, auf der anderen Seite dagegen gebeugt. Der Reflex ist bis zum vierten Lebensmonat vorhanden.
  • Der symmetrisch tonische Nackenreflex (STNR) sorgt bei einer Beugung des Kopfes dafür, dass sich die Arme im Ellenbogen beugen, die Beine sich dagegen strecken. Streckt man den Kopf, dreht sich die Reaktion der Gliedmaßen um.
  • Als tonischer Labyrinthreflex (TLR) wird die Reaktion des Babys auf eine Streckung der Halswirbelsäule bezeichnet. Der gesamte Körper streckt sich mit. Beugt man die Halswirkelsäule, beugt sich auch der Körper.
  • Oberhalb der Nasenwurzel ist ein Knochenwulst, der als Glabella bezeichnet wird. Wird dieser Punkt beklopft, schließt das Baby die Augen.
  • Beim Babinskireflex streckt das Baby den großen Zeh und beugt die restlichen Zehen, wenn man ihm über die Fußsohle streicht. Dieser Reflex verschwindet mit etwa einem Jahr.
  • Der Babkinreflex löst eine Mundöffnung aus, wenn man dem Baby beidseitig in die Handflächen drückt.

Wollen Sie nun testen, welche Reflexe Ihr Baby so zeigt, ist Vorsicht geboten. Wird der Reflex nicht richtig ausgelöst, kommt es zu Fehlreaktionen, die sie als Eltern nur unnötig in Unruhe versetzen! Überlassen Sie dies lieber dem Kinderarzt.


Was uns die Reflexe sagen

Reflexe sind ein Zeichen für eine gesunde Entwicklung des Organismus. Sie müssen ab einem gewissen Alter verschwinden, um eine Weiterentwicklung möglich zu machen: Bleibt zum Beispiel der Handgreifreflex bestehen, könnte ein Kind nicht in den Handstütz gehen, der wiederum Bedingung für das Krabbeln ist.

Bleiben Reflexe über die Altersgrenze hinaus bestehen, besteht Handlungsbedarf. Es muss vom Arzt geklärt werden, welche Ursachen diese Fehlentwicklung hat, wenn erforderlich und möglich ist eine motorische Therapie nötig.

Je nachdem, um welchen Reflex es geht, kann das ein Hinweis auf eine schwere Erkrankung sein. In anderen Fällen werden motorische Fähigkeiten beeinträchtigt, es kommt zu Entwicklungsstörungen. Baut sich zum Beispiel der asymmetrisch tonische Nackenreflex nicht ab, sind neben einer gestörten Motorik auch eine schlechte Handschrift oder auch Probleme bei der Wahrnehmung von symmetrischen Figuren die Folge. Oft können Kinder die Reflexe lange kompensieren. Im Grundschulalter zeigen sich dann jedoch diverse Probleme und Schwierigkeiten, die ihre Ursache in einem sogenannten persistierenden Reflex haben. Dazu gehören unter anderem Lese-Recht-Schreibschwächen oder Sprachstörungen. Verschiedene Therapieformen wie die Ergotherapie, die Logopädie oder die Reflexhemmungstherapie befassen sich mit dieser Problematik.

Falls Ihnen auffällt, dass Ihr Kind nicht altersgerechte Reflexe zeigt, sollten Sie mit dem Kinderarzt sprechen und gegebenenfalls eine passende Therapie beginnen.

 


Zum Weiterlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChkindlicher_Reflex
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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