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5 Dezember, 2016 - 11:11
 

Was ist eigentlich die orale Phase?

Der bekannte Psychoanalytiker Sigmund Freud hat im Zuge seiner Tätigkeit und der damit verbundenen Beobachtungen eine sogenannte Triebtheorie entwickelt, die sich beim Kind in verschiedene Phasen gliedert. Danach entwickelt sich die kindliche Sexualität über die orale, anale und phallisch-ödipale Phase.

© dinel - Fotolia.com

Die orale Phase eines Kindes ist besonders eindrucksvoll zu erkennen: Das Baby nuckelt an allem, was es kriegen kann. Nach neueren Forschungen hat dies nicht ausschließlich mit der sexuellen Entwicklung zu tun. Das Kind lernt die Dinge dadurch kennen, dass es sie in den Mund steckt, denn Tast- und Geschmackssinn sind anfangs besser entwickelt als das Sehvermögen.


Zunge und Lippen als wichtigste Sinnesorgane

Die orale Phase beginnt etwa im Alter von 5 Monaten, also dann, wenn das Baby anfängt, gezielt nach Dingen zu greifen. Ab diesem Zeitpunkt ist wenig vor ihm sicher: Alles, was sich greifen lässt, wird in den Mund gesteckt und über Zunge, Lippen und Geschmackssinn ertastet. Um Dinge greifen zu können, werden sie vom Baby anfangs zwischen Daumen und Handfläche eingeklemmt – die erste Form des Greifens – ab etwa 9 Monaten beherrschen die Kleinsten dann den Pinzettengriff und können Dinge mit Daumen und Zeigefinger aufnehmen und zielsicher in den Mund schieben.

Beim Kennenlernen von Dingen über den Mund lässt sich feststellen, dass die Reizweiterleitung beim Säugling verzögert ist. Ein Kind, das auf etwas Heißem, Bitteren oder Scharfen herumkaut, merkt erst nach einer ganzen Weile, dass das, was es im Mund hat, nicht schmeckt oder sogar weh tut.


Vorsicht orale Phase!

Diese kindliche Entwicklungsphase stellt Eltern vor die Aufgabe, ihr Kind vor allem, was scharf, spitz oder giftig ist zu schützen, ohne seinen Forscherdrang allzu sehr zu beschneiden. Gleichzeitig ist es wichtig die orale Phase zu unterstützen, damit das Kind diesen Entwicklungsschritt vollständig durchlaufen kann. Mit folgenden Ratschlägen kann ihr Kind sich frei bewegen, ohne in Gefahr zu geraten:

  • Sorgen Sie für eine hygienische Umgebung – Sterilität ist allerdings fehl am Platze. Keime stärken die kindlichen Abwehrkräfte und sind deshalb wichtig. Trotzdem sollte das kindliche Umfeld nicht schmuddelig sein. Kuscheltiere gehören einmal im Monat in die Waschmaschine, das gleiche gilt für Spielzeug aus Kunststoff, denn dort setzen sich besonders gerne Keime und Bakterien fest. Unbehandeltes Holzspielzeug dagegen braucht nicht übermäßig gereinigt werden.
  • Kleinteile müssen außer Babys Reichweite aufbewahrt werden. Das gilt für Geldstücke ebenso wie für Büroklammern, Filzstifte, Murmeln oder Knöpfe, aber auch für bestimmte Nahrungsmittel wie Nüsse oder Weintrauben.
  • Arznei- und Putzmittel gehören außerhalb von Babys Reichweite. Denn selbst kleine Kinder können schon Flaschen oder Dosen aufdrehen und den – eventuell für sie lebensgefährlichen – Inhalt mit dem Mund erforschen.
  • Haben Sie Haustiere? Auch hier ist Vorsicht geboten. Katzenklo, Futternapf und Hunde- oder Katzenspielzeug sollten fürs Baby nicht zugänglich sein.

Darüber hinaus fördern Sie die orale Phase Ihres Babys, indem Sie ihm geeignetes Essen anbieten: Knabbern, Lutschen und Kauen ist gerade „in“ und sorgt zum einen dafür, dass Ihr Baby viele Lebensmittel kennenlernt, zum anderen werden Kau- und Zungenmuskulatur trainiert. Auch hier gilt es, achtsam zu sein: Abgeknabberte Karottenstückchen können in Babys Hals steckenbleiben oder in die Luftröhre geraten – Versorgen Sie Ihr Kind mit weichen Nahrungsmitteln zum Knabbern wie zum Beispiel Gurken, weiche Kohlrabischeiben oder Brötchen.


Die orale Phase in der Psychologie

Jede kindliche Phase ist für die Entwicklung nötig. Dies gilt auch für die orale Phase, die in etwa vom 6. bis zum 12. Lebensmonat andauert. Nach den Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie wird in dieser Zeit auch eine starke Bindung zur Bezugsperson aufgebaut. Das Kind ist noch vollständig abhängig von der sogenannten „Primärgruppe“ - das sind die ersten Personen, zu denen ein Kind eine intensive Bindung aufbaut. Störungen innerhalb der Primärgruppe, die in diesem Lebensalter auftreten, können beim Kind später zu verschiedenen Auffälligkeiten wie Essstörungen, Rauchen, Alkoholmissbrauch, übermäßigem Ehrgeiz und in gravierenden Fällen zu Depressionen und Schizophrenie führen.

 


Zum Weiterlesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Triebtheorie#Triebarten_nach_Freud

http://www.psychology48.com/deu/d/orale-phase/orale-phase.htm

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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