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28 April, 2017 - 07:41
 

Aus Kindern werden Gemeinschaftswesen–soziale und emotionale Entwicklung im Kindesalter

Schaut man sich die Lehrpläne an, fällt auf, dass großer Wert auf die Bildung und die Erfassung von Lernstoff gelegt wird. Die so wichtige soziale und emotionale Entwicklung führt dadurch häufig ein Mauerblümchendasein. 

© Kzenon - Fotolia.com

Kinder lernen in den ersten Lebensjahren, aber auch noch im Grundschulalter, viel über den Umgang mit anderen Menschen. Vorbilder in der Familie und das vorgelebte Sozialverhalten im Kindergarten oder in der Schule sind sein Wegweiser. Dieser Verantwortung sollten wir uns alle bewusst sein und immer daran denken, dass die frühkindliche sozial-emotionale Entwicklung den späteren Erwachsenen prägt.  

 

Kinder - sozial vom ersten Atemzug an

Es ist faszinierend, wie sehr sich Neugeborene für Gesichter interessieren. Sie ahmen Gesichtsausdrücke nach und zeigen schon in diesem frühen Stadium: "Ich brauche soziale Kontakte". Nach und nach verfeinert ein Kind seine Kommunikation durch Lächeln, Gesten und Laute und immer wieder durch Blickkontakt. Mit etwa fünf Monaten erkennt es seine engsten Bezugspersonen und reagiert deutlich auf sie: Mit Glucksen, Zappeln, Strampeln und Lachen. Je älter es wird, umso mehr verstärkt sich die emotionale Bindung zu einzelnen Personen. In der Fremdelphase, die etwa im achten Lebensmonat beginnt, wird dies mehr als deutlich. Mit etwa einem Jahr erkennen die Kinder, dass sie von anderen getrennt sind. Sie entwickeln einen eigenen Willen, wollen ihre Vorstellungen durchsetzen. Andererseits ist ihnen Anerkennung und Bestätigung durch die geliebten Eltern ebenso wichtig. Ein Dilemma, das mit etwa eineinhalb Jahren in einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Trotzphase seinen Höhepunkt finden kann. Das Kind kann sich jetzt in andere hinein fühlen und dadurch Rücksichtnahme und Mitgefühl entwickeln. Mit etwa drei Jahren wendet es sich immer mehr der Außenwelt zu und knüpft soziale Kontakte: zu Gleichaltrigen, zu Erziehern und Lehrern, zu Freunden und Bekannten der Eltern. Es lernt nach und nach zu teilen, aber auch Schuldgefühle zu empfinden, wenn es ein Gebot nicht befolgt hat oder jemanden traurig gemacht hat.

 

Gefühle ernst nehmen – die emotionale Entwicklung

Der Verstand ist ein Leben lang formbar. Unsere emotionalen Erfahrungen prägen uns für unser ganzes Leben. Unsere emotionale Entwicklung ist stark mit unseren Erfahrungen mit anderen Menschen verknüpft. Die Eltern leben uns vor, was wir in bestimmten Situationen fühlen sollen. Immer ist es ein menschliches Grundbedürfnis geliebt, angenommen, respektiert und verstanden zu werden. Säuglinge, die dies von Anfang an fühlen, werden zu starken und selbstbewussten Menschen heranwachsen. Im Gegensatz dazu können Lieblosigkeit, Vernachlässigung, Respektlosigkeit und Misshandlungen zu schweren emotionalen Schäden führen, die kaum reversibel sind. Denn wenn ein Säugling nicht lernt, dass er der Welt und den Menschen vertrauen kann, lässt sich dieses Wissen oder besser noch Fühlen, niemals mehr wirklich nachholen. Um Emotionen zu erlernen, nutzt das menschliche Gehirn die Spiegelneuronen - durch das Beobachten einer Handlung oder Situation werden die entsprechenden Gefühle ausgelöst und verknüpft, ohne dass das Kind selbst diese Situation erlebt hat. Die Art und Weise, wie Eltern mit ihren eigenen Bedürfnissen und Gefühlen, aber auch wie sie untereinander mit sich umgehen, ist dem Kind Vorbild für sein eigenes Gefühlsleben.

 

Geborgenes Kind – starker Erwachsener

Ein Kind, das von seinen Eltern Zuneigung und Respekt erfährt und von Anfang an als fühlendes Wesen akzeptiert wird, lernt zweierlei: Zum einen, dass die Welt eine gute ist, zum anderen, dass es das Recht auf eigene Gefühle und die Erfüllung seiner Bedürfnisse hat. Das Selbstbewusstsein, das daraus entsteht, ermöglicht dem Kind und späteren Erwachsenen, seine Emotionen auszudrücken und sich anderen Menschen gegenüber respektvoll und achtsam zu verhalten. Denn alle Lebewesen lernen aus Erfahrung und geben die eigenen erlebten Situationen und Emotionen an andere weiter, später also auch an die eigenen Kinder. Ebenso wichtig für eine gesunde soziale und emotionale Entwicklung wie die Freiheit und der Respekt sind allerdings auch Konsequenz und klare Grenzen. Wer die Grenzen anderer akzeptieren kann, kann sich auch selbst besser abgrenzen – wieder so eine Erfahrung, die gelebt und weitergegeben wird.

Die sozial-emotionale Entwicklung eines Kindes muss gefördert und sorgsam begleitet werden. Dies hört nicht an der Schwelle des Elternhauses auf. Auch Kindergärten und vor allem die Schulen sind gefordert, hier ihren Beitrag zu leisten. Deshalb sind die Wahl eines geeigneten Kindergartens und die Kommunikation zwischen Eltern und Erziehern so wichtig.

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