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21 Oktober, 2015 - 14:16
 

Autistische Kinder – Leben mit dem besonderen Kind

Eines von 100 Kindern ist von einer Form des Autismus in seinen vielen Ausprägungen betroffen. Für die Eltern, aber auch für die Kinder ist dies eine besondere Herausforderung. Die Erkrankung bewirkt durch ihre Symptomatik, dass die Kinder im normalen Alltag nur schwer zurechtkommen. Sie brauchen deshalb besondere Unterstützung.

© dubova - Fotolia.com

Diagnostiziert wird Autismus durch eine psychologische Diagnostik, die sich zum Beispiel auf eine verspätete Sprachentwicklung oder Auffälligkeiten in der Motorik stützt. Auch stereotypische Verhaltensweisen können Hinweise geben. Steht die Diagnose Autismus, dann ist das für die Eltern meist ein weiterer Schock. Danach steht die Entwicklung eines Konzeptes, mit dem die ganze Familie auf die Besonderheit des Kindes eingeht.


Was ist Autismus?

Die angeborene Störung zeigt sich durch eine vom Standard abweichende Entwicklung des Kindes, insbesondere im sozial-emotionalen Bereich. Theorien besagen, dass die Vernetzung der Synapsen innerhalb des Gehirns auf verschlungenen Wegen läuft, für das Auftreten werden unter anderem genetische Faktoren herangezogen. Weiterhin gibt es während der Schwangerschaft oder der Geburt einige Risikofaktoren, die für das Entstehen der Erkrankung verantwortlich gemacht werden. Autismus gilt als unheilbar, die meisten Therapien ziehen darauf ab, das Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten zu integrieren.

Kinder, die an Autismus in einer seiner Formen erkrankt sind, nehmen die Welt ganz anders wahr als wir. Es fehlt ihnen schwer, ihre Lebensumgebung und die Signale, die dort ausgesendet werden, zu entziffern. Entsprechend anspruchsvoll bis unmöglich ist es für sie, „normal“ darauf zu reagieren. Durch die Frustration kommt es häufig zu einem fortschreitenden Rückzug nach innen, so dass die Kontaktaufnahme zunehmend erschwert wird. Um sich selbst zu beruhigen und innerlich zu ordnen, führen Autisten oft stundenlang stereotype Handlungen durch.


Weil sie nicht funktionieren

In unserer Gesellschaft hat die möglichst reibungslose Integration bei einem gleichzeitigen Maximum an Individualität einen hohen Stellenwert. Wer nicht funktioniert, sich entgegen der Standards und damit auffällig verhält, findet nur schwer einen Platz und die nötige Geborgenheit innerhalb der Gruppe. Durch die fehlende soziale Aktion von autistischen Menschen werden diese zu Außenseitern, die in kein gängiges Schema passen. Das zeigt sich bereits im Kindergarten, später in der Schule. Den Eltern schlägt Unverständnis entgegen, da die Kinder vor der Diagnose oft einfach vom Umfeld als aggressiv, schlecht erzogen und unhöflich eingestuft werden. In Wirklichkeit verstehen sie die Welt um sich herum kein bisschen und können mit den Regeln und Konventionen kaum etwas anfangen.


Umgang mit dem autistischen Kind

Über den Umgang mit dem autistischen Kind scheiden sich seit einigen Jahren die Geister. Während in Deutschland ein liebevoller und von Verständnis geprägter Stil, der auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht, empfohlen wird, geht man in Amerika häufig anders vor: Durch eine intensive Verhaltenstherapie, die sogenannte ABA-Therapie, werden die Kinder darauf trainiert, sich angemessen zu verhalten. Die Therapie wirkt, die Kinder werden dazu befähigt, mit der Außenwelt in Kontakt zu kommen, zu „funktionieren“. Kritiker halten die Therapie für reinen Drill und übertrieben hart. Eltern sollten sich die Frage stellen, ob sie Ihr Kind „funktionstüchtig“ machen möchten oder es in seiner Besonderheit und so wie es eben ist, annehmen und lieben können.

Fakt ist, dass autistische Kinder Förderung und Unterstützung brauchen, um sich zurechtzufinden. Dies wird durch verschiedene Therapieansätze wie Heilpädagogik, Psychotherapie und Medikationen versucht. Ebenso ist es erforderlich, das heimische Umfeld so zu gestalten, dass sich das autistische Kind gut zurechtfindet und geborgen fühlt. Folgende Eckpunkte spielen dabei eine wichtige Rolle:

  • Sicherheit durch Routinen schaffen, denn das autistische Kind wird von Neuem und durch Reizüberflutung schnell überfordert, es kommt zu Rückzug, der sich in destruktiven Verhaltensweisen äußert.
  • Ein offener Umgang im Umfeld wie Schule, Familie und Freundeskreis verstärkt die Akzeptanz. Auch die Geschwister müssen aufgeklärt sein.
  • Auch das autistische Kind sollte aufgeklärt sein, soweit dies möglich ist. Insbesondere beim Asperger-Syndrom, einer leichteren Form des Autismus, ist das Wissen über die Erkrankung in der Regel für die Kinder sehr entlastend.

Umfassende Information über das Krankheitsbild, eine angepasste Therapie und ein möglichst entspannter Umgang mit dem besonderen Kind machen auch den Eltern das Leben leichter. Sorgen Sie für Auszeiten und Erholungspausen und nehmen Sie alle Unterstützung an, die Sie von außen kriegen können. Am wichtigsten ist aber eins: Nehmen Sie Ihr Kind, aber auch die Situation so an wie sie ist, wann immer es geht. Ablehnung verstärkt in der Regel die Probleme, während Akzeptanz für eine deutliche Entspannung sorgt.

 

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