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17 November, 2016 - 12:11
 

Bezugspersonen – So wichtig sind sie für das Kind!

Neugeborene sind zu 100 Prozent darauf angewiesen, dass sie von einer oder mehreren erwachsenen Personen versorgt werden. Und auch in den weiteren Lebensjahren sind Bezugspersonen überlebenswichtig. Zum einen für die Erfüllung der körperlichen Bedürfnisse, zum anderen aber auch als Vorbild und emotionaler Anker.

© goodluz - Fotolia.com

Während es einem Baby anfangs noch fast egal ist, wer es umsorgt, fängt mit etwa sechs Monaten die Bindung an eine primäre Bezugsperson an. Das liegt zum Teil daran, dass Kinder in diesem Alter anfangen, kommunikativ zu werden und die Welt einteilen: Es gibt fremde und bekannte Personen, nahe und ferne. In diesem Alter beginnt häufig auch das Fremdeln, also die strikte Ablehnung von Personen, mit denen das Kind nicht gut vertraut ist.


Stabile Bezugspersonen – glückliche Kinder

Während lange Zeit die Eltern als die einzig „wahren“ Bezugspersonen angesehen wurden, gibt es mittlerweile neuere Thesen und Erkenntnisse. Wichtig für ein Kind ist, dass die Bezugsperson in der Lage ist, eine stabile Bindung zum Kind aufzubauen. Um wen es sich dabei handelt, ist für das Kind weniger entscheidend als die Frage, ob sein Bedürfnis nach Sicherheit und Zuwendung erfüllt wird. Denn erst wenn die Sicherheit im Umfeld und durch die Bezugsperson spürbar ist, kann sich das Kind frei und unbeschwert mit dem Leben beschäftigen und sich erproben und entfalten. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist der Schweizer Kinderarzt Remo H. Largo, der die Problematik der stabilen Bezugsperson in seinem Buch „Glückliche Scheidungskinder“ ausgiebig behandelt.


Wenn die Bezugsperson fehlt

Die Bindung an eine Person oder an eine Gruppe gehört zu den seelischen Grundbedürfnissen des Menschen. Fehlt die Bindung in der von der Psyche verlangten Intensität, dann kann das zu Störungen führen, die als psychische Deprivation bezeichnet werden. Zdeněk Matějček, der den Begriff geprägt hat, nennt vier grundlegende Bedürfnisse, die ein Kind in seiner Entwicklung ausprägt und die erforderlich sind, um stabile und einzigartige Beziehungen aufzubauen:

  • Vielfältige Reize und immer wieder neue Stimulationen
  • Stabilität und eine klare Struktur
  • Abhängigkeit, die sich durch Liebe, Zuwendung und verlässliche Bindungen ausdrückt
  • Unabhängigkeit zur Entwicklung einer eigenen Identität und einer sozialen Rolle innerhalb des sozialen Umfeldes

Zur Befriedigung dieser Bedürfnisse braucht es eine Bezugsperson, die den stabilen Rahmen bietet und als Anker dient. Neben der grundlegenden Erfüllung der genannten Bedürfnisse kommt es auch darauf an, dass die Reize aus der Umwelt kindgerecht sind. Andernfalls können trotz ansonsten guter Bedingungen wie einer stabilen Bezugsperson Schäden während der Entwicklung des Kindes auftreten.


Wenn ein Elternteil fehlt

Fehlt im Leben eines Kindes ein Elternteil, dann fehlt auch immer eine Bezugsperson. So kann es sich auf Jungen ungünstig auswirken, wenn sie nur mit weiblichen Personen konfrontiert sind. Neben der Mutter als primäre Bindungsperson gibt es in Kindergärten und Grundschulen häufig vorwiegend weibliche Erzieherinnen oder Lehrerinnen. Das männliche Pendant und Vorbild fehlt für Jungen dann fast vollständig und erschwert es, die männliche Identität zu entwickeln. Für diesen Fall sollten Mütter auf Männer im familiären oder freundschaftlichen Umfeld zurückgreifen. Denn auch ein verlässlicher Freund der Familie oder der Patenonkel können Bezugsperson sein. Dazu ist – insbesondere bei älteren Kindern – keine dauerhafte Anwesenheit nötig. Viel wichtiger sind echtes Interesse, verbindliche Absprachen und intensiv miteinander verbrachte Zeiten.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de