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26 April, 2015 - 11:37
 

Computersucht – Wenn Ihr Kind nicht mehr vom Rechner wegkommt

Computer sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Schon die Kleinsten sitzen gern auf Papas Schoß, hacken in die Tastatur, reden mit der großen Schwester über Skype oder bestaunen die bunten Bilder im Internet. Dass dies der Anfang einer „verhängnisvollen Affäre“ sein kann, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. 

© Monkey Business - Fotolia.com

Computerspiele, aber auch Chats und Social Media-Netzwerke können Kinder – ebenso wie Erwachsene – so stark in ihren Bann ziehen, dass kaum noch etwas anderes Bedeutung hat. Ist ein Kind einmal in der Falle Computersucht gefangen, ist es an den Eltern, ihm dort wieder hinauszuhelfen. Oft dauert es eine Weile, bis Eltern erkennen, dass Ihr Kind nicht einfach nur „viel am Computer zu tun“ hat, sondern süchtig nach dem ist, was die virtuelle Welt ihm scheinbar bietet.

 

Wie Computersucht entsteht

Die Basis aller Süchte ist ein Wohlgefühl, das immer wieder gefühlt werden will. Bei Drogen wird dieses Wohlgefühl durch körperfremde Substanzen erzeugt, bei anderen Süchten, wie zum Beispiel der Computersucht, wirkt das körpereigene Belohnungssystem. Dies gilt besonders für Online-Spiele. Wer sich in ein PC-Spiel vertieft und sogar noch zu einer anderen (virtuellen) Person wird, dem fällt es leicht, unangenehme Gefühle zu unterdrücken und in eine andere Welt zu versinken. Das Gehirn belohnt diese Flucht aus dem „Real Life“ mit einer Hormonausschüttung – der Anfang zur Sucht. 

Ebenso anziehend sind die zahlreichen Kontakte, die sich im Netz so schnell und unkompliziert knüpfen lassen. In den Chatrooms, aber auch über die Social Media Kanäle findet jeder Freunde. Die Ansprüche sind gering, mehr als ein paar coole Sprüche sind nicht nötig, um in der Chat-Clique beliebt und anerkannt zu sein.

 

Welche Kinder sind gefährdet?

Studien haben ergeben, dass Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren am empfänglichsten für die Ausbildung einer Computersucht sind. Dabei trifft es Jungs weitaus öfter als Mädchen. Insgesamt sind viele computersüchtige Kinder und Jugendliche im Alltag eher einzelgängerisch, tun sich schwer, bei Gleichaltrigen Anschluss zu finden und sich in der Gruppe zu behaupten. Doch auch gut sozialisierte und beliebte Kinder sind nicht immun gegen die Lust am PC, denn auch die eigentlich positiven Aspekte der virtuellen Welt können in die Sucht führen.

  • Internetrecherchen helfen dem Kind bei den Hausaufgaben. Die Möglichkeiten, zu lernen und zu forschen sind so umfassend wie nie zuvor.
  • In den Computerspielen lernen sie – je nachdem, um welches Spiel es sich handelt – durchaus auch Fähigkeiten und erhöhen ihre Kompetenzen, zum Beispiel im Bereich der Problemlösung.
  • Per Chat und Skype können sich auch weiter entfernte Freunde leicht verständigen, Spaß miteinander haben und sich bei den Hausaufgaben helfen.

Diese Vorteile der virtuellen Welt zu nutzen, ist nicht verkehrt, denn für die Generation, die jetzt heranwächst, wird der Computer noch mehr zum Leben gehören als für uns.

 

Welche Computerspiele machen süchtig?

Eine Faszination üben viele Computerspiele aus. Als besonders süchtig-machend gelten jedoch vor allem die Online-Rollenspiele. Bei diesen Spielen geht es nicht nur darum, Levels zu erreichen und Punkte zu sammeln. „MMORPG“ heißen die beliebten Online-Spiele wie zum Beispiel „World of Warcraft“. Die Abkürzung steht für „Massive Multiplayer Online Role-Playing Game“. Tausende von Spielern bewegen sich in einer fortbestehenden virtuellen Welt, deren Türen für jeden immer offen stehen. Mit dem Eintritt in diese Welt schlüpft das Kind auch in einen anderen Charakter, seinen Avatar, und der entspricht in allen Punkten den Wunschvorstellungen des Spielers. Durch Chatmöglichkeiten mit anderen Spielern wird auch die soziale Komponente befriedigt. „Du bist stark und Du bist nicht allein“ – das sind die Hauptbotschaften, die ein Spieler immer wieder empfängt.

 

Das computersüchtige Kind – So erkennen Sie die Anzeichen

Wann die Situation kippt und der Spaß am Internet und an Computerspielen zur Sucht wird, ist oft nicht leicht zu erkennen – weder für das Kind, noch für seine Eltern. Doch es gibt Anzeichen der Sucht, je früher sie bemerkt werden, umso besser:

  • Es ist immer häufiger still im Kinderzimmer. Schauen Sie nach, was Ihr Sprössling treibt, ist es immer wieder das Gleiche: Er oder sie sitzt wie gebannt vor dem PC, ist in ein Computerspiel oder in einen Chat vertieft.
  • Ihr Kind ist bei gemeinsamen Unternehmungen ungeduldig und will möglichst schnell wieder nach Hause. Dort angekommen, führt der Weg fast sofort zum PC.
  • Der PC bleibt kaum mehr aus. Ihr Kind begründet das mit Problemen beim Hochfahren oder anderen fadenscheinigen Erklärungen.
  • Ihr Kind verliert das Interesse daran, mit Freunden etwas zu unternehmen. 
  • Ist die Sucht schon sehr weit fortgeschritten, vernachlässigt das Kind die Körperpflege, die schulischen Leistungen sinken ab.

Wirkt Ihr Kind tagsüber auch noch müde und antriebslos, dann sollten Sie einmal nachts ins Kinderzimmer schauen. Es wird wahrscheinlich völlig vertieft vor dem Computer sitzen.

 

Hilfe –Mein Kind ist computersüchtig!

Ist das eigene Kind süchtig, ist das erst einmal ein Schock, keine Frage. Ist der jedoch überwunden, sollten Sie umgehend Maßnahmen treffen, um Ihr Kind aus diesem Kreislauf heraus- und in die reale Welt zurückzuholen. Erkennen Sie die Sucht in ihren Anfängen, dann sollten Sie mit Ihrem Kind reden und versuchen, klare Regeln zu vereinbaren. 

  • Reden Sie mit dem Kind über seine Vorlieben, sein Verhalten und auch über das Spiel, dass es spielt. Besonders bei jüngeren Kindern sollten Sie auch die Kontrolle darüber behalten, was es im Internet überhaupt tut.
  • Setzen Sie zusammen mit Ihrem Kind ein sinnvolles Zeitlimit fest. Wenn Ihr Kind voll auf ein bestimmtes Online-Spiel abfährt, dann sollte dieses Limit pro Woche gelten, denn nur 30 Minuten online zu spielen, bringt wenig.
  • Achten Sie darauf, dass der Tagesablauf und die normalen Aktivitäten des Kindes wie zum Beispiel das Fußballtraining nicht vernachlässigt werden. 
  • Damit Ihr Kind nachts dem Internet fernbleibt, gibt es eine einfache Methode. Sperren Sie den Router, der Ihre Verbindung ins Internet ermöglicht. Das ist über das Menü des Routers möglich.

Wenn Ihr Kind schon voll in der Computersucht steckt, dann ist es meistens für logische Argumente und klare Absprachen nicht mehr zugänglich. Zu sehr beherrscht die Sucht sein Denken und Fühlen. In diesem Fall sollten Sie sich professionelle Hilfe holen. Auf der Internetseite von fv-medienabhängigkeit.de finden Sie deutschlandweit Spezialisten, die sich auf das Thema spezialisiert haben. 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de